Sonntagmorgen in der Meersburger Unterstadtstraße: Eine Handvoll Frauen sitzen und liegen im Kreis vor dem Stadttor. Es sieht fast aus wie ein gemütliches Zusammenkommen, wären da nicht die bedruckten T-Shirts, großen Plakate und die für eine halbe Stunde gesperrte Durchfahrt. Bei der Aktion gehe es darum, auf sich aufmerksam zu machen, erklärt Initiatorin Anna-Lena Murzin: „Obwohl schon viel geschafft ist in der Gleichstellung – wir erinnern da an das Frauenwahlrecht, das es seit hundert Jahren gibt – ist doch noch eine Menge zu tun.“

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Gleichberechtigung 2.0

Zum Beispiel sei es für Frauen ein immerwährender Spagat, Familie und Beruf zu vereinen. Die fehlende gesellschaftliche Anerkennung von Hausarbeit sei ein Knackpunkt: „Entweder die Frau bleibt zu Hause und kümmert sich um die Familie, bekommt dafür aber keine soziale Anerkennung und kaum finanzielle Unterstützung. Oder aber man geht arbeiten und wird ebenso sozial verurteilt.“ Das müsse sich ändern. Mitstreiterin Johanna Menner fügt hinzu, Gleichberechtigung 2.0 heiße, die schon geschehenen Schritte anzuerkennen und trotzdem nicht müde zu werden, auf das aufmerksam zu machen, was noch fehle.

Christine Ludwig setzt sich für gerechtere Bezahlung ein: Frauen, die dieselbe Arbeit verrichten wie Männer, sollen auch denselben Lohn bekommen, fordert sie.
Christine Ludwig setzt sich für gerechtere Bezahlung ein: Frauen, die dieselbe Arbeit verrichten wie Männer, sollen auch denselben Lohn bekommen, fordert sie. | Bild: Anna S. Hoepfner

Lohngleichheit und politische Mitbestimmung als Forderungen

Altersarmut sei eines der Themen, auf die man aufmerksam machen wolle. Betroffen seien hauptsächlich Frauen, die für die Hausarbeit keine Rentenpunkte bekommen hätten. „Das hat sich teilweise geändert, es ist aber immer noch viel zu wenig. Die Frauen, die jetzt fünzig plus sind, haben überhaupt keine Chance mehr, die Altersarmut, die sie erwartet, abzuwenden“, sagt Menner. Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit und politischer Mitbestimmung von Frauen seien weitere Streitpunkte, für die die Frauen sich auf die Straße legen.

Aktion findet bewusst in Meersburg statt

Die Aktion finde dabei bewusst in Meersburg statt. Anna-Lena Murzin räumt ein: „Es ist schwierig, hierfür Leute anzuwerben. In einer Stadt geht das sicherlich viel schneller.“ Gerade in ländlichen Bereichen und Kleinstädten sei es aber wichtig, auf diese Themen aufmerksam zu machen. „Die Hemmschwelle ist hier viel größer, die Anonymität der Großstadt nicht gegeben. Man kennt sich womöglich, man fällt auf.“

Johanna Menner macht Krach: Mit Klanghölzern und Trillerpfeifen machen die Frauen am Ende der Protestaktion noch einmal lautstark auf sich und ihre Forderungen aufmerksam.
Johanna Menner macht Krach: Mit Klanghölzern und Trillerpfeifen machen die Frauen am Ende der Protestaktion noch einmal lautstark auf sich und ihre Forderungen aufmerksam. | Bild: Anna S. Hoepfner

Auffallen können die Frauen ohne Frage: Nach einer Viertelstunde, in der der Verkehr umgeleitet werden muss und Fußgänger sowie Radfahrende nur schwer an den Frauen vorbeikommen, stehen alle plötzlich auf. Mit Rasseln, Trommeln und Trillerpfeifen gehen sie lärmend auseinander.