Meersburg rückte am gestrigen Internationalen Frauentag mit einem Flashmob ins Zentrum der Aktionen von Frauen für Frauen im Bodenseekreis. Anna-Lena Murzin, Soziologin und seit einem Jahr in Meersburg wohnhaft, hatte die Idee zu dieser spektakulären Aktion auf dem Marktplatz. Zwölf Frauen lagen dort einige Minuten lang auf dem Boden zwischen den Marktständen.

Auch Initiatorin Anna-Lena Murzin legte sich auf die Straße.
Auch Initiatorin Anna-Lena Murzin legte sich auf die Straße. | Bild: Stef Manzini

Die 32-jährige Initiatorin hatte deutlich mehr Teilnehmerinnen erwartet. Dennoch sei sie nicht enttäuscht, denn es gehe ihr um die Frauenrechte. Auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts seien diese noch keinesfalls erreicht, so Murzin. Gleichberechtigung, gleichen Lohn bei gleicher Arbeit und das Risiko der Altersarmut, von der Frauen am stärksten betroffen seien, waren nur einige Themen, auf die sie mit der Aktion aufmerksam machen wollte.

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Bei dem sogenannten Flashmob legte sich im Abstand von einigen Minuten jeweils eine Frau auf den Boden, mitten zwischen die Markstände auf dem belebten Meersburger Marktplatz.

Veronika Wäscher-Göggerle, Familien- und Frauenbeauftragte im Bodenseekreis: "Wir können nur etwas verändern, wenn wir Druck machen und die Geschlechter-Ungerechtigkeit in die Öffentlichkeit zerren."
Veronika Wäscher-Göggerle, Familien- und Frauenbeauftragte im Bodenseekreis: "Wir können nur etwas verändern, wenn wir Druck machen und die Geschlechter-Ungerechtigkeit in die Öffentlichkeit zerren." | Bild: Stef Manzini

Auch Veronika Wäscher-Göggerle, die Frauenbeauftragte des Bodenseekreises, legte sich dazu und als alle Frauen einige Minuten liegengeblieben waren, sprangen sie zum Abschluss auf und gingen lärmend auseinander. "Es ist mir ganz wichtig, hier zu sein und diese Aktion zu unterstützen. Gerade in einer Traditionsstadt wie Meersburg möchten wir auf die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern hinweisen, die es leider selbstverständlich noch überall gibt", begründete Wäscher-Göggerle ihre Teilnahme.

Anna-Lena Murzin: "Eigentlich ist der Flashmob ein Smartmob, da politisch, aber das Wort kennt ja kaum jemand. Ich habe dafür via soziale Medien, per Email und mit Mund-zu-Mund-Propaganda geworben."
Anna-Lena Murzin: "Eigentlich ist der Flashmob ein Smartmob, da politisch, aber das Wort kennt ja kaum jemand. Ich habe dafür via soziale Medien, per Email und mit Mund-zu-Mund-Propaganda geworben." | Bild: Stef Manzini

Die Initiatorin der Aktion hatte ganz bewusst eine alte und kleinere Stadt am Bodensee gewählt, wie sie erklärte. "Ich wusste, dass es hier in Meersburg schwierig wird, wir sind ja auch im ländlichen Raum noch lange nicht soweit, wie in großen Städten. Wir leben aber im ländlichen Raum und deswegen kommen wir auch nächstes Jahr wieder", erklärte Anna-Lena Murzin.

Bei allem, was Frauen fordern, bräuchten sie noch einen langen Atem und verlässliche Verbündete. Frauen sollten Frauen wählen, meinten Mia Wachs (li) und Carin Walther am Stand "Miteinander für Demokratie".
Bei allem, was Frauen fordern, bräuchten sie noch einen langen Atem und verlässliche Verbündete. Frauen sollten Frauen wählen, meinten Mia Wachs (li) und Carin Walther am Stand "Miteinander für Demokratie". | Bild: Stef Manzini

Carin Walther und Mia Wachs standen vier Stunden am Stand der überparteilichen Gruppierung "Miteinander für Demokratie und Toleranz". Carin Walther betonte, es käme ihnen darauf an, dass niemand mehr aufgrund seines Geschlechts auf eine Aufgabe festgelegt würde, das hieße für sie Gleichberechtigung. Viele interessante Gespräche mit Frauen habe sie geführt, allerdings habe ihr auch ein Mann am Stand gesagt, er habe ja Mitleid mit ihr, denn sie könne ja nichts dafür, als Frau geboren worden zu sein. Über diesen Spruch habe sie sich geärgert, so Carin Walther, die Delegierte für Frauenfragen der Grünen im Bodenseekreis.

Robert Scherer, Bürgermeister von Meersburg: "Als Bürgermeister aber auch als Vater einer Tochter ist für mich die Gleichberechtigung von Frau und Mann absolut selbstverständlich."
Robert Scherer, Bürgermeister von Meersburg: "Als Bürgermeister aber auch als Vater einer Tochter ist für mich die Gleichberechtigung von Frau und Mann absolut selbstverständlich." | Bild: Stef Manzini

Insgesamt gab es viele positive Reaktionen auf den Stand und den Flashmob, so auch von Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer. Das Leben gehe ja die nächsten 364 Tage, außerhalb des Frauentags, weiter und er wünsche sich, dass solche Demonstrationen bald überflüssig würden. Für ihn sei Gleichberechtigung kein Fremdwort, sondern eine Selbstverständlichkeit, betonte der Meersburger Bürgermeister.

Christiane Bosch-Schrapp aus Meersburg: "Ich komme gerade aus der katholischen Kirche von einem Gottesdienst, den wir Frauen mitgestaltet haben. Da haben wir gesagt, dass Männer und Frauen gleichwertig sind."
Christiane Bosch-Schrapp aus Meersburg: "Ich komme gerade aus der katholischen Kirche von einem Gottesdienst, den wir Frauen mitgestaltet haben. Da haben wir gesagt, dass Männer und Frauen gleichwertig sind." | Bild: Stef Manzini

Anna-Lena Murzin hat 2017 ihren Bachelor an der Universität Konstanz gemacht. Nun möchte sie nach kurzer Babypause wieder in den Beruf starten und spricht in dem Zusammenhang von "einem Kraftakt mit vielen Hindernissen".

Karl Roth: "Ich wusste gar nicht, was ein Flashmob ist, aber ich finde diese Aktion sehr gut. So etwas erleben wir hier ja eher selten, aber das macht doch wirklich Eindruck."
Karl Roth: "Ich wusste gar nicht, was ein Flashmob ist, aber ich finde diese Aktion sehr gut. So etwas erleben wir hier ja eher selten, aber das macht doch wirklich Eindruck." | Bild: Stef Manzini

Bei den Kommunalwahlen 2014 habe der Männeranteil bei 76,1 Prozent gelegen. Da der Bevölkerungsanteil der Frauen 52 Prozent betrage, hätten die Frauen es jetzt in der Hand, "die dramatische Unterrepräsentanz" endlich zu beenden, erklärte die Soziologin, die für den Meersburger Gemeinderat kandidiert. Zur Idee für den Flashmob sagte Murzin: "Als Erlebnispädagogin war mir klar, Worte reichen nicht mehr, wir müssen etwas tun."

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