Zum ersten Mal auf dieser Seite des Sees hat die Startup Lounge Bodensee ein Treffen für Unternehmensgründer im Vineum Meersburg organisiert. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung Bodensee bietet das Format Gründern und Gründungsinteressierten die zwanglose Möglichkeit zum Wissensaustausch. "Netzwerken" lautet das Schlagwort der Veranstaltung. Gemeint ist damit: Kontakte knüpfen, Geschäftspartner, Kunden oder Investoren finden oder Erfahrungen über die Schwierigkeiten einer Firmengründung austauschen. Philipp Kessler, Geschäftsführer des Startup-Netzwerks Bodensee, initiiert seit gut eineinhalb Jahren diese Treffen etwa alle zwei Monate. Nach den erfolgreichen Veranstaltungen in Konstanz wagten die Organisatoren für die zehnte Ausgabe den Sprung über den Bodensee. Eine Woche vorher war die Veranstaltung bereits ausgebucht. "Der Bedarf ist da", meint Philipp Kessler. Erfahrungsgemäß kämen 30 bis 40 Prozent der Teilnehmer wieder.

Zwangloser Erfahrungsaustausch bei Häppchen und Getränken.
Zwangloser Erfahrungsaustausch bei Häppchen und Getränken. | Bild: Lorna Komm

Vor dem lockeren Austausch hält Valentin Langen, Leiter von Freiraum, der Innovationsförderung der Wagner-Gruppe in Markdorf, einen Vortrag mit dem Titel "Sprint oder Marathon bei der Gründung – Warum manchmal langer Atem notwendig ist". Anschaulich stellt er die Komplexität einer Firmengründung dar: von der Idee über Meinungsbildungsprozesse, Kundenbefragungen bis zu weiteren Rahmenbedingungen, die die Dauer bis zum Endprodukt bestimmen.

Unter den über 100 Teilnehmern der Veranstaltung ist ein Gründer, der es bereits geschafft hat: Jens Freiter, der vor 14 Jahren das Internet-Hotelbewertungsportal "Holiday Check" mitgegründet hat. Er hält den Erfahrungsaustausch, die Möglichkeit, dass Gründer andere Gründer treffen, für sehr wichtig. Man könne sich nicht früh genug kennenlernen. Es ginge nicht alles digital, meint er und sagt: "Ein Businesslunch, bei dem man sich in die Augen schauen kann, klärt vieles."

Ein Tool für Einzelhändler zur Teilnahme am Online-Handel entwickeln Valentin Uhrmeister, Anna Pfeiffer und Moritz Simsch (von links).
Ein Tool für Einzelhändler zur Teilnahme am Online-Handel entwickeln Valentin Uhrmeister, Anna Pfeiffer und Moritz Simsch (von links). | Bild: Lorna Komm

Erstmals bei einer Veranstaltung der Startup Lounge sind Anna Pfeiffer, Valentin Uhrmeister und Moritz Simsch. Das junge Team aus Konstanz entwickelt ein Tool namens "nemms" für den Einzelhandel zur Teilnahme am Online-Handel, ohne dass dafür ein Onlineshop bestehen muss. Seit eineinhalb Jahren arbeiten sie daran und sind in der Testphase. Sie hoffen, bei der Veranstaltung neue Kontakte zu finden, sind aber auch bereit, andere an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen und sie zu unterstützen.

Doch es sind nicht nur junge Firmengründer bei dem Treffen dabei. Hubert Kessler, Vater von Organisator Philipp Kessler, ist seit 40 Jahren Unternehmer in der Kunststoffbranche und hat schon Patente mit auf den Weg gebracht. Nun ist er auf der Suche nach Kontakten, die zusammen mit ihm ein seit 20 Jahren erfolgreiches Produkt aus der Schweiz in Deutschland großflächig auf den Markt bringen. Das Format der lockeren Treffen bezeichnet der Firmeninhaber als "sinnvolle Sache", die er auch gern in seiner Heimatregion Tübingen hätte. "Früher war es leichter für Firmengründer", meint der erfahrene Geschäftsmann, der mit 22 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Hubert Kessler: "Das Format ist eine sinnvolle Sache. So etwas hätte ich gerne in Tübingen."
Hubert Kessler: "Das Format ist eine sinnvolle Sache. So etwas hätte ich gerne in Tübingen." | Bild: Lorna Komm

Heutzutage würden die Banken es den Gründern erschweren, an Geld zu kommen. Mit konkreten Zielen kam Günter Bok aus Frickingen zum Treffen. Der 75-Jährige sucht einen IT-Fachmann für seine Homepage. "Den Inhalt kann ich bringen, aber die technische Seite ist mir zu aufwendig", sagt der Leiter der Meta-Akademie für Persönlichkeitsentwicklung.

Petra Mürmann war zu Beginn der Veranstaltung nicht sicher, ob dieses Treffen das richtige für sie sei: "Ich bin eher ein analoger Mensch", sagt die Uhldingerin. "Digitalisierung macht auch Stress." In der Gesundheitsprävention möchte sie sich selbstständig machen, mit bio-energetischer Meditation zur ganzheitlichen Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Sie sei sich bewusst, dass man in der Gesundheitsbranche Zeit brauche. Am Ende des Abends konnte sie dann erfreut berichten, dass die Veranstaltung sich für sie gelohnt habe: Sie habe eine andere Frau aus dem Gesundheitswesen kennengelernt, man wolle in Kontakt bleiben.