Eine aus Rindenholz handgeschnitzte Madonna, ein chinesisches Schatzkästchen mit Geheimfächern, ein limitierter Druck des norddeutschen Künstlers Horst Janssen, aber auch nützliches wie ein Sofa, Fahrräder, Kaffeemaschinen oder Fernseher, wurden neben unzähligen Büchern und Stofftieren auf dem Flohmarkt und bei der Auktion im Augustinum angeboten.

Der Erlös, der von den Bewohnern gespendeten Sachen, ging in den Hilfsfonds des Hauses für unverschuldet in Not geratene Bewohner. Bereits zum vierten Mal wurden „Kunst und Krempel“, so der Titel der Aktion, angeboten. „Das Angebot ist diesmal nicht so groß“, bedauerte die verantwortliche Kulturreferentin des Hauses Kirsten Franke. Das liege daran, das sie nicht mehr so viele Neu-Einzüge hätten, wie zur Eröffnung der Seniorenresidenz, sich folglich nicht mehr so viele Bewohner von Einrichtungsgegenständen trennen müssten, damit alles in die Wohnungen passe, erklärt Franke.

Klaus Beisenherz trennte sich von seinen handgearbeiteten Kunstwerken.
Klaus Beisenherz trennte sich von seinen handgearbeiteten Kunstwerken. | Bild: Lorna Komm (lko)

Einer, der sich von seinen liebgewonnen Sachen trennte, war Bewohner Klaus Beisenherz. Dutzende handgefertigter kleine Kunstwerke aus Naturmaterialien stellte der Arzt im Ruhestand zur Verfügung: Bilder zusammengestellt aus aufgeschnittenen Scheiben der Schwarznuss – ähnlich einer Walnuss, nur härter – aus Lavagestein oder aus Flusskieseln. Jahrelange Arbeit steckte in den kleinen Kunstwerken. Die Lavasteine hätte er auf den Kanarischen Inseln gesammelt, die aufpolierten Steine kamen aus Dänemark oder aus der Isar. Weiterhin hat der Hobby-Handwerker die Holzrahmen selber gefertigt und auch die Werkzeuge zur Verarbeitung der in verschiedenen Winkeln aufgeschnittenen Schwarznuss hat er zum Teil selber hergestellt. Es falle ihm schon schwer sich von seinen Schätzen zu trennen, sagt Beisenherz, aber er habe noch so viele und der Platz in der Wohnung sei beschränkt.

Musiklehrerin Andrea Rüba freute sich über das günstig ersteigerte Keyboard.
Musiklehrerin Andrea Rüba freute sich über das günstig ersteigerte Keyboard. | Bild: Lorna Komm

Für eine Bieternummer der anschließenden Auktion lies sich Andrea Rüba registrieren. Die Musiklehrerin hatte sich ein Keyboard zum Einstiegspreis von 25 Euro auserkoren. „Der Neupreis für ein solches Instrument liegt in etwa bei 200 Euro“, meinte die Überlingerin. Allein für den Ständer würde man im Discounter schon etwa 20 Euro zahlen, so dass der Einstiegspreis günstig sei. Gefragt nach ihrem Limit, meinte die Musikerin die mit der Birnauer Kantorei regelmäßig im Meersburger Augustinum probt und zweimal jährlich zu Konzerten dort auftritt, so um die 50 Euro wäre sie zu zahlen bereit. Bei der Versteigerung war das Keyboard dann eines der wenigen Stücke, welches zu einen kleinem Wettstreit zwischen zwei Bietern führte. Am Ende erhielt die Musiklehrerin dann aber den Zuschlag bei 65 Euro. „Ich bin zufrieden“, freute sich Muskikerin Andrea Rüba im Anschluss.

Viele Stücke nicht verkauft

Ansonsten waren die Gebote aus dem Publikum sehr verhalten, obwohl die Mindestpreise sehr günstig waren. Der limitierte Druck von Janssen, dessen kunstvoller Holzrahmen allein schon über 100 Euro wert sei, wurde zu einem Einstiegspreis von 30 Euro angeboten und wechselte für wenig mehr den Besitzer. Viele Stücke blieben unverkauft. Das lag aber nicht am Auktionator. Richard Rheindorf, Direktor des Augustinums, gab sich alle erdenkliche Mühe den potentiellen Käufern die Stücke schmackhaft zu machen. Phantasievoll bot er die Stücke „aus dem Schatzkästchen Europas“ an, hatte „Vasen aus der Ming-Dynastie“ im Angebot oder pries humorvoll ein Regal „aus der Sammlung der österreichischen Könige“ an.