Eine Schar von Touristen strömt unter dem bronzefarbenen Zeppelin die schmale Treppe hinauf. Ein paar bleiben unter dem Schild kurz stehen und lesen auf der blauen Klapptafel vor der Eingangstüre: "Die größte Privatsammlung der Welt! Alles Originalexponate!". Betreten werden sie das Zeppelin-Museum von Heinz Urban nicht, der Weg führt sie stattdessen hoch zur Zugbrücke der Meersburg.

Vielleicht haben die Besucher bereits 19 Kilometer östlich die – wie vom dortigen Zeppelin-Museum Friedrichshafen angepriesen – weltweit größte Sammlung zur Luftschifffahrt besucht. Verwundert schauen die auswärtigen Besucher allemal: Zwei Museen, in nächster Nähe zueinander, mit identischem Namen – was ist da eigentlich der Unterschied?

"Friedrichshafen hat die Masse."

Museumsinhaber Heinz Urban beschreibt ihn so: "Friedrichshafen hat die Masse. Ich habe geschichtsinteressierte Menschen. Es gibt Besucher, die bleiben fast fünf Stunden in meinen Räumen." Und das seit dem Eröffnungsjahr 1989, sieben Jahre vor dem Start des Zeppelin-Museums in Friedrichshafen, wie er betont.

Dabei fing seine Leidenschaft für die Luftfahrt genau in dieser Stadt an – im städtischen Bodenseemuseum. "Ich war mit 18 Jahren dort und vor mir war eine Karte mit einem riesigen Luftschiff. Ich war so fasziniert von dem Bild. Seitdem wollte ich alles über Zeppeline wissen."

Wie viele Exponate es in Meersburg gibt, ist unklar

Für seine Leidenschaft habe er seitdem Nachfahren von Luftschiff-Besatzungen besucht, viel Zeit mit Zuhören verbracht, die Beziehungen gepflegt und somit seine Sammlung Stück für Stück ausgeweitet. Uniformen, Bordbesteck, Flugaufzeichnungen und Möbel: 90 Prozent davon seien von ihm selbst bezahlt worden, viele Stücke in seinem Besitz einmalig auf der Welt, sagt Urban. Es wirkt wie ein überbordendes Lebenswerk: Wie viele Exponate er heute besitzt, kann er nicht sagen. "Die Gäste sagen, dass es unglaublich ist. So viel können sie sich gar nicht anschauen. Und es kommt immer mehr."

Dann benennt er einen weiteren Unterschied zum Zeppelin-Museum in Friedrichshafen: "Wir haben hier fast nur Stücke zur kaiserlichen Marine im Weltkrieg. Im anderen Museum haben sie andere Schwerpunkte, deswegen sehe ich sie auch nicht als Konkurrenz." Die Führungen in den Räumen seines eigenen Museums übernimmt seine Frau, die für das Museum und seine Zukunft "ein Goldschatz ist", wie Heinz Urban sagt.

Museum in Friedrichshafen äußert sich zurückhaltend

Und wie sieht das große Zeppelin-Museum im Osten das Engagement des privaten Sammlers? Zurückhaltend. Es seien unterschiedliche Museen und nicht miteinander zu vergleichen, sagt Pressesprecherin Simone Lipski. Das stimmt, allein die Größe unterscheidet. Das Museum in Friedrichshafen stellt auf einem halben Fußballfeld aus und besitzt eine Teilrekonstruktion der Hindenburg.

Die privaten Räume des Museums von Heinz Urban sind klein und vollgestellt. Jedoch lagern in den Vitrinen einige Schätze, wie der Sammler sagt. Hat die Museumsleitung in Friedrichshafen vielleicht schon ein Auge darauf geworfen? Auf Nachfrage dieser Zeitung will sich das Museum in Friedrichshafen nicht über ein Interesse an Exponaten des Meersburger Museums äußern. Man kenne die Sammlung von Herrn Urban nicht gut genug, heißt es.

Zusammenarbeit der Museen im Jahr 2002

Im Jahr 2002 sah das noch anders aus: Die Namensvettern arbeiteten in diesem Jahr zusammen. Für die Ausstellung "Luftschiffe, die nie gebaut wurden" sind laut Pressesprecherin Lipski einige Exponate des Sammlers ausgeliehen und ausgestellt worden. Heinz Urban bestätigt das: "Ja, ich habe Leihgaben gegeben, aber keinen Dank dafür bekommen." Seitdem gebe es keine Exponate mehr aus Meersburg im Friedrichshafener Zeppelin-Museum, wie beide Seiten bestätigen.

So gibt es im Jahr 2018 – bis auf die Faszination für die Luftschifffahrt – zwischen den beiden Zeppelin-Museen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Für Bodensee-Touristen, die mehr über die Starrluftschiffe erfahren wollen, eigentlich ein Glück: Sie können neben dem für viele gängigen Besuch im Zeppelin-Museum Friedrichshafen noch einen Abstecher nach Meersburg unternehmen – und dort die private Schatzkammer von Heinz Urban entdecken.