„Wir haben definitiv keine Planungsabsichten, auf dem Gelände Am Wannenberg einen Autohof zu errichten“, erklärt Bürgermeister Daniel Heß auf Nachfrage des SÜDKURIER. Dass ein solcher dennoch in öffentlich einsehbaren Unterlagen des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen auftaucht, bezeichnet er als „Missverständnis“ – das im Gemeinderat längst für Aufregung sorgte.

Hinweis auf Autohof in Studie

Gleich zweimal findet sich in der vom RP beauftragten und öffentlich zugänglichen „Umweltverträglichkeitsstudie zur Linienfindung“ für die Planung der B 31-neu ein Hinweis auf eine Raststätte. Der erste Hinweis ist in der Raumanalyse mit Stand vom 6. März 2019 unter Kapitel 2.5 „Kommunale Planungen“ zu finden. Als „langfristige Entwicklungsabsichten“ der Gemeinde Stetten aus dem Jahr 2017 wird da ein „möglicher Standort für einen Autohof (B31/B33) westlich des Hofguts Breitenbach" aufgeführt.

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Auf der zugehörigen Karte 2c „Schutzgut Mensch – Siedlungsentwicklung“ ist eine solche Raststätte rot schraffiert abgebildet. Von RP-Seite heißt es dazu, es handle sich um „mögliche langfristige Siedlungsentwicklungen ohne Rechtsstatus“ der Kommunen und sei von den einzelnen Gemeinden so gemeldet worden. „Das Regierungspräsidium Tübingen verfolgt selber keine Autohof-Planungen bei Stetten und hat dies auch in der Vergangenheit nicht getan“, betont Dirk Abel, Leiter der Pressestelle.

Bürgermeister in Sitzung überrascht

Wie kommt es dann, dass der Bürgermeister sich überrascht zeigte, als Gemeinderat Jürgen Kammerer (FW) in der vergangenen Ratssitzung auf eben diese Kartenlage aufmerksam machte? „Ich vermute, dass da lediglich ein Missverständnis vorliegt“, sagte Heß.

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Er habe definitiv nichts davon gewusst und gleich nach der besagten Gemeinderatssitzung eine Mail an den zuständigen Straßenplaner Matthias Kühnel vom RP geschrieben. Die Mail liegt dem SÜDKURIER vor. Darin drückt Heß seine Verwunderung darüber aus, dass auf der Karte 2c ein möglicher Autohof-Standort aufgezeigt wird und erinnert daran, dass er darum gebeten habe „in unserer sensiblen Landschaft auf einen solchen zu verzichten“.

Wie kam es dazu?

Wie es zu der mittlerweile von RP wie von Bürgermeisterseite angenommenen Missdeutung gekommen sein kann, darüber kann Heß nur spekulieren. Er vermutet aber, dass sie in Zusammenhang steht mit einer zur gleichen Zeit gelaufenen Bauvoranfrage der Firma Fetscher Zelte. Der Markdorfer Betrieb habe einen Antrag auf Sondernutzung beim angrenzenden Hofgut Breitenbach für Gastronomie und Veranstaltungen gestellt und eventuell habe eine seiner Verwaltungsmitarbeiterinnen da "etwas falsch kommuniziert".

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Den besagten Antrag findet man ebenfalls auf der Karte 2c, orangefarben gekennzeichnet als Sonderbaufläche direkt neben der schraffierten Kreisfläche für den vermeintlichen Rasthof. Die Sondernutzungsanfrage sei mittlerweile längst vom Tisch, unterstreicht der Bürgermeister. Die Baurechtsbehörde habe sie abgelehnt unter anderem, weil ein Teil des Hofguts unter Denkmalschutz gestanden habe. Außerdem habe die Behörde keinen Präzedenzfall schaffen wollen, erläutert Heß.

Weitere E-Mail an den Straßenplaner

Bezüglich des Autohofs hat sich der Bürgermeister mittlerweile noch einmal schriftlich an das Regierungspräsidium gewandt und darum gebeten, „den „möglichen Standort eines Autohofs aus dem Planwerk zu entfernen“, wie er in seiner Mail vom 1. April an Straßenplaner Matthias Kühnel formulierte.

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