Eindringlich und glaubhaft definierten die Darsteller die Charaktere ganz normaler Schüler, die in jugendlicher Neugier und Begeisterungsfähigkeit der Manipulation eines charismatischen Führers erliegen. Geschichtslehrerin Lena Schmidt (Samira Ganshow) behandelt im Unterricht den Holocaust und zeigt einen Film über die Judenvernichtung im Dritten Reich. Bilder eines verlassenen Konzentrationslagers, Trümmerhaufen in Schwarz-Weiß, über die langsam Gras wächst, flimmern über eine riesige Leinwand. Unter den Schülern entbrennt eine aufgeregte Diskussion. Wie konnte es passieren, dass die Mehrheit des deutschen Volkes den Nationalsozialismus unterstützte oder zumindest keinen aktiven Widerstand leistete? Die Klasse kann sich nicht vorstellen, dass sie auf derartige diktatorische Ideologien hereinfallen würde. Schmidt versucht, das Verhalten der Menschen von einst zu erklären, muss jedoch erkennen, dass ihr dies auf herkömmliche Art nicht gelingt.

Militärischer Drill wirkt

Die Lehrerin startet ein Experiment, indem sie die Schüler in simpler militärischer Disziplin drillt. Neben Parolen wie "Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft und Stärke durch Aktion" führt sie auch einen kollektiven Gruß und das Symbol der Welle ein. Alle Fragen oder Antworten müssen nun mit "Frau Schmidt" eingeleitet werden, wobei sich die Schüler stramm neben ihren Stuhl zu stellen haben.

Stärke durch Gemeinschaft: Mit einheitlicher Kleidung, roter Armbinde und kollektivem Gruß drücken Valerie (Pauline Otto), Ash (Marvin Renz) und Kim (Jenna Wendling) ihr Zusammengehörigkeitsgefühl aus – die Welle rollt und wird mächtiger.
Stärke durch Gemeinschaft: Mit einheitlicher Kleidung, roter Armbinde und kollektivem Gruß drücken Valerie (Pauline Otto), Ash (Marvin Renz) und Kim (Jenna Wendling) ihr Zusammengehörigkeitsgefühl aus – die Welle rollt und wird mächtiger. | Bild: Manuela Klaas

Schüler finden immer mehr Gefallen

Wider Erwarten weigert sich niemand, die Jugendlichen finden zunehmend Gefallen an der neuen Unterrichtsmethode. Dabei ist ihnen nicht bewusst, dass sie Teil eines Experiments sind. Marionetten gleich, was auch in der Anfangs- und Schlussszene pantomimisch aufgegriffen wurde, folgen sie bereitwillig den Anweisungen ihrer Lehrerin. Mehr noch: Sie hängen an ihren Lippen, schauen zu ihr auf. Innerhalb kürzester Zeit assimilieren die Unterschiede zwischen den einzelnen Schülern. Außenseiterin Mira (Luise Otto) ist plötzlich akzeptiert, Emma (Jamila Nini), die bis dato Klassenbeste, steht gleichwertig neben ihr. Gemeinsinn macht stark. Nach außen wird dies durch einheitliche Uniformen und Symbole dokumentiert.

Während Emma (Jamila Nini, links) die Bewegung hinterfragt, erliegt Kim (Jenna Wendling) kritiklos dem Gruppenzwang.
Während Emma (Jamila Nini, links) die Bewegung hinterfragt, erliegt Kim (Jenna Wendling) kritiklos dem Gruppenzwang. | Bild: Manuela Klaas

Böses Erwachen am Ende

Die Zuschauer fröstelt es, wenn die Schüler im Gleichschritt durch ihr akkurat aufgeräumtes Klassenzimmer marschieren, gehorsam einer Befehle erteilenden Autorität folgend, die eben noch eine ganz gewöhnliche Geschichtslehrerin war. Als die Welle zunehmend eine Eigendynamik entwickelt und Schmidt erkennt, dass sie unbeabsichtigt in nur wenigen Tagen eine faschistische Massenbewegung in Gang gesetzt hat, beendet sie das Experiment. Erst jetzt begreift die Klasse, dass die Regeln des Faschismus auch heute noch durchaus funktionieren.

Einer Marionette gleich agiert Mira (Luise Otto) blindgläubig während des Experiments.
Einer Marionette gleich agiert Mira (Luise Otto) blindgläubig während des Experiments. | Bild: Manuela Klaas

Das Publikum ist sehr beeindruckt

Dem Publikum wird schnell bewusst, dass sich die Darsteller mit diesem Stück keiner leichten Kost angenommen haben. Doch die Schüler bringen "Die Welle" in eindrucksvoller Form auf die Bühne. Allen voran die vor dem Experiment von den Mitschülern gemobbte Mira, der die neue Rolle in der Gruppe wie auf den Leib geschrieben scheint. Auch Jamila Nini überzeugte als Emma, die die Bewegung kritisch hinterfragt und sich letztendlich gegen sie auflehnt.

Zuschauerin Delia Roth zeigte sich beeindruckt von der schauspielerischen Leistung der jugendlichen Akteure: "Das auf wahren Begebenheiten beruhende Experiment wurde von den Schülern erschreckend realistisch in Szene gesetzt. Deutlich erkennbar war auch der Bezug zu heutigen populistischen Bewegungen."