Abgesehen von einer Ausnahme in Überlingen finden die rund 20 Veranstaltungen – Lesungen, Vorträge und Filmvorführungen – ausschließlich in Meersburg statt. 2018 hatten die Kulturwochen an sechs Orten stattgefunden, Schwerpunkte waren Meersburg und Konstanz.

Jüdische Kulturtage im Herbst in Konstanz

Als Grund für den reduzierten Umfang nennt Organisator Michael Dörr die Einweihung der Konstanzer Synagoge am 28. Juli. Aus diesem Anlass werde es dann im folgenden Herbst in Konstanz jüdische Kulturtage geben, wie sie künftig einmal jährlich in allen zehn jüdischen Gemeinden Badens stattfinden sollen, kündigt Dörr an.

Er ist Geschäftsführer der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden sowie Vorsitzender des Kulturvereins Meersburg. Letzterer trägt mit der Synagogengemeinde Konstanz die Jüdischen Kulturwochen, die in Kooperation mit der Seniorenresidenz Augustinum veranstaltet werden.

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Michael Blume stellt sein Buch "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" vor

Den Auftakt der Reihe am Sonntag, 14. April, bestreitet Michael Blume. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg wird im Augustinum Meersburg sein druckfrisches Buch "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" vorstellen.

Michael Blume stellt zum Auftakt der Jüdischen Kulturwochen sein neues Buch vor.
Michael Blume stellt zum Auftakt der Jüdischen Kulturwochen sein neues Buch vor. | Bild: Veranstalter

Weitere namhafte Referenten haben ihr Kommen zugesagt, darunter der ehemalige "Nazi-Jäger" Kurt Schrimm. Der Jurist widmete Jahrzehnte seines Lebens der Strafverfolgung von NS-Tätern und leitete von 2000 bis 2015 die "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg. Schrimm liest am 24. April im Augustinum Überlingen aus seinem Buch "Schuld, die nicht vergeht".

Wolfgang Benz, langjähriger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, referiert am 9. Mai im Meersburger Augustinum über den Widerstand gegen Hitler.

Vorgesehen ist auch, dass Benz tags darauf vor Schülern des Droste-Hülshoff-Gymnasiums spricht. Weiter ist ein Auftritt der Autorin Andrea von Treuenfeld zum Thema "Erben des Holocaust" vor Schülern anvisiert. Am 16. Mai wird von Treuenfeld in der Jufa ihr Buch über Israel präsentieren.

Auch Filmvorführungen stehen während der Jüdischen Kulturwochen auf dem Programm

Weitere Referenten sind unter anderem der ehemalige württembergische Landesrabbiner Joel Berger, der am 5. Mai in der Jufa Einblicke in jüdische Lebenswelten gibt, der Ex-CDU-Politiker Johannes Gerster, der Überlinger Historiker Oswald Burger, Wolfram Wette, Gudrun Sailer, Melissa Müller, Monika Taubitz, Helmut Zeller und andere.

Rabbiner Joel Berger gehört zu den Gästen während der Jüdischen Kulturwoche.
Rabbiner Joel Berger gehört zu den Gästen während der Jüdischen Kulturwoche. | Bild: Veranstalter

Zudem gibt es Vorführungen von Filmen, etwa über den stillen Helden Nicholas Hilton, der in Prag 669 jüdische Kinder rettete, Kunstraub im Dritten Reich oder den jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Michael Dörr will ferner an den beliebten Quizmaster Hans Rosenthal erinnern. "Der hat mich meine ganz Jugend begeistert."

Rosenthals Leben, war, wovon viele Fernsehzuschauer keine Ahnung hatten, nicht nur Spiel und Spaß: während der NS-Zeit hatte er sich als Jude in Berlin versteckt und nur mit viel Glück überlebt. Eventuell soll noch ein Klezmerkonzert das Programm ergänzen.