Es tut sich einiges am Storchennest beim Stettener Bauhof. Nachdem die Anwohnerin Magdalena Wagner die dort aufwachsenden Jungstörche bisher nur bei Flugversuchen beobachtet hatte, bei denen sie flügelschlagend am Nestrand standen, hat der Storchennachwuchs sich jetzt endlich in die Luft gewagt.

Seit knapp zwei Wochen ist das größere der beiden Jungtiere flügge und dreht in Stetten seine Runden. Der zweite Jungstorch wollte sich zur der Zeit allerdings noch nicht so recht trauen. „Der war allgemein ein bisschen ruhiger“, berichtet Magdalena Wagner. Er habe viel gesessen und sich auch kaum an den Nestrand herangewagt. „Da hab ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht.“ Sie informierte Ira Brzoska vom Bund für Umwelt und Naturschutz (NABU) in Markdorf, die für die Vogelwarte Radolfzell zehn Storchennester betreut und die Stettener Jungstörche im Juni bereits beringt hat.

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Die Expertin gab Entwarnung: „Das ist durchaus normal, dass der Größere zuerst ausfliegt und der andere sich Zeit lässt“, sagt Brzoska. Störche werden einem Alter von rund zehn bis zwölf Wochen flügge, wie sie sagt. Die Stettener Störche sind Anfang Mai geschlüpft und daher etwa elf Wochen alt. Und tatsächlich: Wie erwartet hat sich auch der kleinere Storch mittlerweile zum Fliegen durchgerungen. Tagsüber ist der Horst neben dem Stettener Bauhof daher leer. „Sie kommen nur noch nachts wieder“, berichtet Magdalena Wagner.

Bis der Nachwuchs seine Flugkünste allerdings auf dem Weg nach Süden unter Beweis stellen müssen, bleibt noch etwas Zeit. „In der zweiten Augustwoche fliegen meistens alle Jungstörche ab“, sagt Ira Brzoska. Sie treffen sich und machen sich dann gemeinsam auf die Reise.

Die Elterntiere bleiben dann allerdings noch einige Wochen lang in Deutschland, sie brechen erst Ende August oder Anfang September in wärmere Gefilde auf – falls sie überhaupt wegfliegen. „Wir haben hier mittlerweile viele Überwinterer, die gar nicht wegfliegen“, teilt Ira Brzoska mit.

Das Elternpaar wird später als seine Jungen in den Süden aufbrechen.
Das Elternpaar wird später als seine Jungen in den Süden aufbrechen. | Bild: Mardiros Tavit

Woran genau das liegt, sei nicht klar, eine Möglichkeit ist die Zufütterung durch den Menschen, mit dem begonnen wurde, um die Störche in der Region anzusiedeln. Brzoska hält es allerdings für wahrscheinlicher, dass das veränderte Zugverhalten mit der Klimaveränderung zusammenhängt. Es sei für die Störche mittlerweile leichter, auch im Winter genügend Nahrung zu finden, die nicht unter Schneedecken verborgen liegt. Das Stettener Storchenpaar, das schon im vergangenen Jahr zusammen brütete, sei allerdings über den jüngsten Winter noch in den Süden geflogen.

Falls sie das auch diesmal wieder tun, muss Magdalena Wagner sich zumindest für eine Weile von ihren Störchen verabschieden. Voraussichtlich bis Februar bleiben die Störche laut Ira Brzoska in ihrem Sommerlager. „Wenn sie weg sind denke ich daran, ob es ihnen gut geht“, sagt Magdalena Wagner. Sie gehe allerdings davon aus, dass das Elternpaar im nächsten Jahr wieder nach Stetten zurückkehrt.

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Anders sieht es beim Nachwuchs aus. „Die Jungtiere kommen normalerweise erst einmal gar nicht“, berichtet Ira Brzoska. Ausnahmen gebe es zwar, in der Regel bleiben die jungen Störche allerdings im Süden, bis sie geschlechtsreif sind – was mit einem Alter von zwei bis drei Jahren üblich ist. Aber selbst wenn die Jungstörche aus Stetten sich dann entscheiden, zurück nach Deutschland zu kommen, werden sie voraussichtlich nicht zu ihrem Horst zurückkehren – denn der wird normalerweise vom derzeitigen Brutpaar beansprucht. Wie Ira Brzoska erklärt, nehmen die Elterntiere dabei keine Rücksicht darauf, ob es sich bei der Konkurrenz um den eigenen Nachwuchs handelt. Sie vertreiben jeden anderen Storch.

Möglicherweise siedeln sich die Jungstörche jedoch ganz in der Nähe an, denn laut Brzoska versuchen sie, in die Nähe ihres Geburtsorts zurückzukehren. „Wenn kein Nest in der Nähe ist, fliegen sie schon weiter“, sagt die Expertin. „aber es ist selten, dass sie in eine gänzlich andere Region fliegen.“

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