Wie alt die Meersburg, laut Eigenwerbung "die älteste bewohnte Burg Deutschlands", tatsächlich ist, steht nicht genau fest, auch nicht, wie oft sie in ihrer jedenfalls sehr langen Geschichte umgebaut oder gar saniert wurde. Was die Instandsetzung von Burgen angehe, könne man mit "Zyklen von mindestens 50 bis 100 Jahren rechnen", sagt die Überlinger Architektin Corinna Wagner-Sorg.

Auch rund 20 Fenster werden, inklusive aufwändiger Sanierung der Sandsteingewände, instandgesetzt.
Auch rund 20 Fenster werden, inklusive aufwändiger Sanierung der Sandsteingewände, instandgesetzt. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Seit 2018 befindet sich die Meersburg in einem solchen Zyklus. Inklusive der bereits vorgenommenen Arbeiten stehen in den kommenden Jahren Maßnahmen an, deren Kosten "im mittleren sechsstelligen Bereich" liegen werden, schätzt die betreuende Architektin Wagner-Sorg, zu deren Arbeitsschwerpunkten seit 20 Jahren denkmalgeschützte Bauten gehören.

Burg in Privatbesitz

Burgherrin Julia Naeßl-Doms erzählt, ihr im Januar 2018 verstorbener Mann Vinzenz habe bereits im Winter 2016/17 Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Sanierung der Südmauer, an der der Putz abbröckelte, in Angriff nehmen zu können. Ja, dazu habe auch eine mäßige Erhöhung der Eintrittspreise gezählt. Denn den Unterhalt und die Instandhaltung der Burg, die, anders als vergleichbare Objekte, in Privatbesitz ist und der Familie Naeßl-Doms gehört, könne letztere nur mit den Einnahmen aus dem Burgbetrieb finanzieren.

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Umso mehr freute sich Julia Naeßl-Doms jüngst über eine unerwartete Förderung von 67 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die für 2018 nachträglich noch übrig gebliebene Gelder zu verteilen hatte. Das sei ein sehr großzügiger Beitrag, der knapp 30 Prozent der bisher ausgegebenen Summe ausmache, betont Wagner-Sorg.

Die Zinnenmauer am Burggarten wurde bereits saniert und neu gedeckt, außerdem erhielt sie eine Drainage.
Die Zinnenmauer am Burggarten wurde bereits saniert und neu gedeckt, außerdem erhielt sie eine Drainage. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Zu den bereits ausgeführten Arbeiten zählt etwa die Erneuerung des Grundputzes an der Südseite durch den Stuckateurbetrieb Pfau aus Daisendorf. Der Endputz wird aufgebracht, sobald stabile Plusgrade herrschen. Die Putzsanierung sei ganz wichtig, "um den Verlust an Mauer zu verhindern", betont Wagner-Sorg. Doch bei einem Denkmal sei das nicht so einfach, so müssten etwa erst Proben des bisherigen Putzes an die Denkmalschutzbehörde geschickt und dessen Alter analysiert werden. Denn selbst wenn er aus den 1930er Jahren stamme, könnte er unter Umständen schutzwürdig sein.

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Die Burgmauer dahinter sei ebenfalls nicht einheitlich, sondern bestehe aus "so vielen verschiedenen Steinen". Die Schäden, die die Mauer bereits aufwies, wurden behoben, nachdem statische Untersuchungen stattgefunden hatten. Der neu aufgebrachte Putz sei relativ weich, damit Nässe aus dem Mauerwerk ungehindert nach außen treten könne, sagt Wagner-Sorg. Den Effekt spüre man schon, freut sich Julia Naeßl-Doms. "Im Rittersaal ist es nicht mehr so feucht."

Burgherrin Julia Naeßl-Doms (rechts) bespricht im "blauen Salon" der Meersburg die Sanierungsmaßnahmen mit Architektin Corinna Wagner-Sorg.
Burgherrin Julia Naeßl-Doms (rechts) bespricht im "blauen Salon" der Meersburg die Sanierungsmaßnahmen mit Architektin Corinna Wagner-Sorg. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Und wenn das teure Gerüst schon einmal stehe, nutze man es natürlich für weitere Arbeiten. So richtete man bereits die Zinnenmauer am Burggarten, die, an dieser Wetterseite der Burg, ebenfalls unter eindringendem Wasser gelitten hatte. Um das künftig zu verhindern, legte man eine Drainage im Garten. Außerdem erneuerte man die Wasserspeier. Dazu verwendete man auch zwei alte Sandsteine mit Rinne, die Vinzenz Naeßl-Doms für diesen Zweck bereits aufbewahrt hatte. Ferner deckte man die Zinnen mit neuen Ziegeln.

In ganz Deutschland berühmt

Derzeit renoviert man die rund 20 Fenster an der Südseite inklusive der Sandsteingewände, die teils in sehr schlechtem Zustand seien. "Ein Fenster kann gut 5000 Euro kosten, allein die Sandsteinsanierung", sagt Wagner-Sorg. Oder mehr, denn die Größe der Fenster reiche von etwa 70 mal 50 Zentimeter bis etwa 2,40 Meter mal 3,60 Meter.

Burgherrin Julia Naeßl-Doms auf dem Baugerüst hoch über Stadt und See.
Burgherrin Julia Naeßl-Doms auf dem Baugerüst hoch über Stadt und See. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Diesen Bestand wolle man retten. Auch, indem man da, wo nicht mehr vorhanden, die Vorfenster wieder anbringen wolle, "um die historischen Fenster zu schützen." Die Architektin betont: "Der Fensterbestand der Meersburg ist in ganz Deutschland berühmt, da er aus den unterschiedlichsten Zeiten stammt." Überhaupt berge die Meersburg jede Menge "Juwelen für die Denkmalpflege". So pilgerten etwa Fachleute von weit her zur Burg, um zum Beispiel eine barocke Dachrinne zu begutachten.

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Julia Naeßl-Doms ist sichtlich froh, dass sie in Corinna Wagner-Sorg eine Fachfrau gefunden hat, die auch über viel Erfahrung und gute Kontakte sowohl mit der Denkmalschutzbehörde verfügt, die jeden Sanierungsschritt an der Burg begleitet und genehmigen muss, als auch mit geeigneten Handwerkern aus der Region. Diese zeigten eine große Liebe zum Objekt Meersburg, bemerkt Naeßl-Doms.

Auch rund 20 Fenster werden, inklusive aufwändiger Sanierung der Sandsteingewände, instandgesetzt.
Auch rund 20 Fenster werden, inklusive aufwändiger Sanierung der Sandsteingewände, instandgesetzt. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Die Burgherrin und Wagner-Sorg hoffen, dass 2019 ebenfalls Fördergelder fließen, vom Land und auch wieder von der Denkmalstiftung. Deren Vertreter waren laut Wagner-Sorg bei ihrem jüngsten Besuch "begeistert und sagten, sie überlegen sich, wie sie die Burg weiter unterstützen können". Die Architektin betont, es sei außergewöhnlich, "dass so ein Gebäude privat gepflegt wird" und dass die Besitzer so viel öffentlich zeigten. Rund 70 Prozent der Burg seien zugänglich, schätzt Julia Naeßl-Doms. "Die Gäste sind oft ganz überrascht, was sie alles zu sehen bekommen."