Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt. Diese Armut steigt kontinuierlich durch eine wahre Bevölkerungsexplosion an: von 4 Millionen 1964 auf jetzt nahezu 18 Millionen. Für 2040 sind sogar 40 Millionen prognostiziert. Die Breuckmann-Stiftung engagiert sich seit 2013 dafür, durch Aufklärung den Mädchen und Frauen ein neues Selbstbewusstsein zu ermöglichen und so die Geburtenrate zu senken.

Das personelle Herz der Breuckmann-Stiftung sind die Eheleute Elisabeth und Bernd Breuckmann. Sie hatten die Stiftung mit einem Kapital von 500 000 Euro ausgestattet und bilden gemeinsam mit Professor Friedemann Schrenk den Vorstand. Schrenk hatte auch die Verbindung zu Stellen in Malawi hergestellt, vor allem die zur Frauenorganisation IIWD, die seitdem von der Stiftung unterstützt wird.

In diesem Jahr konnte mit Geldern aus Deutschland ein großer Schritt getan werden: Der IIWD steht ein eigenes Auto zur Verfügung. "Wir haben das Fahrzeug zunächst für ein Jahr geliehen", erzählt Bernd Breuckmann. "Ein Kauf ist zurzeit noch nicht finanzierbar. Auch ein größeres Fahrzeug konnten wir uns nicht leisten, denn wir müssen ja auch die Ausrüstung stellen und an die Folgekosten denken. Die IIWD selbst kann die nicht tragen."

Noch nicht gekauft, aber wenigstens langfristig gemietet: Mit dieser "mobilen Klinik" können die Aufgaben der IIWD deutlich effektiver wahrgenommen werden.
Noch nicht gekauft, aber wenigstens langfristig gemietet: Mit dieser "mobilen Klinik" können die Aufgaben der IIWD deutlich effektiver wahrgenommen werden.

Inzwischen sind gut 20 Kommunen im Norden des Landes in das Programm eingebunden. "Das Wichtigste sind die Infoveranstaltungen, bei denen wir zum Beispiel den Mädchen an Schulen zeigen, was Familienplanung bedeutet. Denn oft werden ja schon Schulmädchen geschwängert und sind damit in diesem Teufelskreis. Deshalb beraten wir auch über Verhütungsmittel und teilen diese aus", beschreibt Elisabeth Breuckmann die Aufgaben. "Das Allerwichtigste ist die Aufklärung darüber, dass die hohe Kinderzahl für die Armut im Land sorgt."

Darauf ist auch die Ausrüstung des Fahrzeugs ausgerichtet: Flyer und Anschauungsmaterial für die Infoveranstaltungen, Verhütungsmittel, Blutdruck-Messgeräte und die Möglichkeit von Vorsorgeuntersuchungen durch eine ausgebildete Krankenschwester. Dazu kommen Sozialarbeiter und Leute in der Organisation.

"Insgesamt sind es derzeit acht Mitarbeiter. Alle kommen aus dem Land. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass diese Leute einen Job mit einer sinnvollen Tätigkeit haben", freuen sich die Breuckmanns über die doppelte Hilfe ihres Projekts. Und über erste Erfolge: "In unserem Tätigkeitsgebiet hat sich die Rate der Mädchen, die die Schule wegen einer Schwangerschaft verlassen, verringert. Das Distriktkrankenhaus in Karonga hat sogar die Versorgung mit Verhütungsmitteln übernommen."

Aufgaben für die nahe Zukunft sind auch bereits umrissen: wenn möglich der Kauf des Fahrzeugs, eine Lautsprecheranlage für die oft von Hunderten oder Tausenden besuchten Veranstaltungen und eine fest an einer Schule installierte Jugend-Infostelle. Das alles soll weiterhin in enger Zusammenarbeit mit der IIWD geschehen, da beide Institutionen ja die gleichen Ziele haben.

Die Niedrigzinspolitik der letzten Jahre erschwert die Arbeit der Stiftungen. Denn es gibt kaum bis keine Erträge. Das Kapital selbst darf nicht angegriffen werden. "Das Stiftungsrecht hat sich zwar etwas gelockert. Man darf sein Kapital jetzt teilweise in Fonds oder Aktien anlegen. Aber insgesamt reicht das nicht zum Finanzieren von Projekten: Wir sind ganz klar auf Spenden angewiesen", macht Bernd Breuckmann deutlich. "Wir wollen vor Ort eine Sicherheit schaffen, was es zukünftig geben wird. Man kann so ein armes Land nicht einfach hängen lassen."

Im heimischen Garten fühlen sich Elisabeth und Bernd Breuckmann am wohlsten. Doch ein Leben nur im eigenen Wohlbefinden entspricht nicht ihrer Lebenshaltung. <em>Bild: Uwe Petersen</em>
Im heimischen Garten fühlen sich Elisabeth und Bernd Breuckmann am wohlsten. Doch ein Leben nur im eigenen Wohlbefinden entspricht nicht ihrer Lebenshaltung. Bild: Uwe Petersen

Zur Not würden die Breuckmanns zwar selbst zuschießen. Doch für den Plan, das Projekt noch auszuweiten, kommt man ohne Spenden nicht weit. "Denn neben dem Planbaren gibt es auch Notfälle. Als es vor gut einem Jahr eine Flutkatastrophe gab und die Leute ohne Strom waren, haben wir einen Notstromgenerator finanziert." Dabei sei die Grundsituation in Malawi im Vergleich zu anderen Ländern sogar noch positiv: "Es gibt keine Bürgerkriege, keine Verfolgung von Minderheiten oder Religionen", weiß Elisabeth Breuckmann. "Das Schlimme ist, man kann die Welt nicht überall gleichzeitig verbessern. Aber man muss trotzdem irgendetwas machen. Und deshalb helfen wir eben punktuell."

Breuckmann-Stiftung

Das seit 1964 unabhängige Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt, mit extrem hoher Geburtenrate (durchschnittlich 6,3 Kinder pro Frau), einer Aidsrate von weit über 10 Prozent und einer äußerst schlechten Grundversorgung. Dabei betreffen die mangelnde Bildung und gesundheitliche Unterversorgung insbesondere Frauen und Kinder, die kaum Chancen haben, diesem Teufelskreis zu entkommen. Deshalb wurde 2006 in der Stadt Karonga das vor allem von Frauen geführte "Institute for Integrated Woman Development" (IIWD) gegründet. Es will Frauen und Mädchen einen ausreichenden Lebensstandard ermöglichen und ihre Gleichberechtigung in der Gesellschaft verankern. Die Breuckmann-Stiftung will hier mithelfen und insbesondere über Aufklärung, Beratung und medizinische Betreuung die Frauen und Mädchen in ihrer Selbstbestimmung stärken. Dabei stehen die Themen Familienplanung und Verhütungsmethoden im Vordergrund, da nur so die Probleme langfristig lösbar scheinen.

Informationen zur Stiftung und Kontakt im Internet: www.breuckmann-stiftung.de