Thomas Geiger hat zwei große Leidenschaften: Wein machen und Motorrad fahren. Dabei ist der 52-jährige Meersburger sowohl im Keller als auf der Rennstrecke von Ehrgeiz getrieben. Und die Liste der aktuellen Erfolge ist lang. Wobei das mit den neuesten Auszeichnungen für seinen Rotwein schon etwas Besonderes ist. Denn die Gourmet-Zeitschrift "Der Feinschmecker" hatte den Winzer aus Riedetsweiler zwar 2013 zum "Aufsteiger des Jahres" gekürt und schwärmte dann regelmäßig überschwänglich von seinen Weißweinen. Seinen 2013-er Meersburger Fohrenberg Grauburgunder etwa fanden die Tester "beeindruckend". Doch Geigers Rote gefielen ihnen nicht. Sie würden "enttäuschen" und schmeckten "nicht ganz sauber", klagten die Feinschmecker-Verkoster vor vier Jahren. Kritik, die Geiger angenommen hat. "Das war schon okay, die sollen ja auch nicht alles loben, das muss einfach ehrlich sein." In der Folge machte Geiger seine Hausaufgaben im Keller konsequent. Seinen 2015-er Spätburgunder aus dem Barrique kürten die Kritiker der Zeitschrift "Savoir Vivre" vergangenes Jahr zum "Weinchampion des Jahres" in der Kategorie Rotwein. "Das hat mich saumäßig geehrt", sagt Geiger, vor allem auch, weil er einige der erfolgreichen und berühmten Rotweinmacher vom See und aus Baden in letzter Zeit hinter sich lassen konnte.

Ganz wichtig war der große Erfolg, den Geiger vergangenes Jahr in Wien einfuhr, bei der "Austrian Wine Challenge Vienna", kurz "AWC-Vienna" genannt, dem größten offiziell anerkannten Weinwettbewerb der Welt. "Da haben wir die beste Bewertung beim Rotwein gehabt mit 91,9 Punkten." Elf Weine hatte Geiger nach Wien geschickt und dafür gab es viermal Gold und siebenmal Silber. Stolz vermerkt er: "Keine einzige Bronze." Insgesamt waren 13 000 Weine in Wien eingereicht, 15,9 Prozent davon wurden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Nach den 2016-er Bewertungen verlieh die AWC-Vienna 2016 dem Weingut im Meersburger Teilort Riedetsweiler zwei von drei möglichen Sternen. "Das ist schon eine Hausnummer, das ist aktuell mein größter Erfolg", sagt Geiger.

Kritisch prüft Winzer Thomas Geiger den Spätburgunder, den er im Barrique reifen lässt, um ihm die typischen Noten des jungen Eichenfasses mitzugeben. <em>Bild: Martin Baur</em>
Kritisch prüft Winzer Thomas Geiger den Spätburgunder, den er im Barrique reifen lässt, um ihm die typischen Noten des jungen Eichenfasses mitzugeben. Bild: Martin Baur

Der "Pinot noir", wie der Spätburger in Frankreich heißt, der sei ja auch die edelste Rotweinsorte. "Der hat die Farbe nicht im Saft, sondern nur in der Traubenhaut." Solche Weine dunkel zu bringen und die Inhaltsstoffe in den Wein hinein zu bekommen, das sei das Ziel. "Der Spätburgunder hat die größte Palette an Fruchtaromen, Merlot kann ja auch ein bisschen Kirsche entwickeln, aber die anderen Rotweine dominieren mit Gerbsäure. "Der Spätburgunder ist die Königin der Rotweine, aber ist halt auch ganz schwierig, da was Gescheites draus zu machen; das haben die im Burgund drauf und wir haben mittlerweile durch die Klimaerwärmung auch diese Möglichkeiten."

Das Rot dicht und intensiv zu bekommen, ist eine Herausforderung, die Geiger gemeistert hat. Dazu erzählt er eine Geschichte: Nachdem sein 2015-er Spätburgunder im Weinbauinstitut in Freiburg auf dem Tisch stand, erhielt er einen Anruf: "Dieser Rotwein ist zu dunkel, der hat eine zu starke Farbe, ich hätte Deckrotweine zugegeben, Regent oder Dornfelder oder sonst was gemacht. Ich solle es zugeben, sonst würde im Labor untersucht." Man habe ihm mit einer Anzeige gedroht, wenn herauskäme, dass noch andere Sorten drin wären. Denn er hätte dann ja falsche Angaben gemacht, denn auf seinem Antrag hatte er "100 Prozent Spätburgunder" vermerkt gehabt. "Dann habe ich denen gesagt, sie sollen ihn ruhig ins Labor geben. Die Farbe ist einfach das Verfahren, das ich entwickelt habe. Da kriege ich so dichte Rotweine hin, da bin ich stolz drauf – wir sollten froh sein, dass wir in Baden und am Bodensee solche Rotweine hinbekommen." Das habe Freiburg dann akzeptiert.

Dass Geiger tolle Weißweine macht und immer besser wird, bestätigen ihm die Tester regelmäßig. Doch in der Dezemberausgabe setzte der Feinschmecker noch einen drauf. Er kürte die "750 besten Weine aus Deutschland" und Geiger landete bei den Weißburgundern auf dem zweiten Platz hinter einem Heitersheimer Maltesergarten von Josef Walz. "Das ist schon ein Bonbon, dass ich jetzt den zweitbesten Weißburgunder aus Baden habe", freut sich Geiger.

Sein Weingut ist vergleichsweise klein bei rund vier Hektar Rebfläche. 30 Prozent sind Spätburgunder, 70 Prozent davon werden zu Rotwein, der Rest zu Weißherbst. Grauburgunder und Weißburgunder machen jeweils 20 Prozent der Flächen aus. "Ich bin ein regionaler Typ", sagt der Winzermeister und Betriebswirt. Müller-Thurgau hat er natürlich noch, der gehört am See dazu, Muskateller und dann noch ein bisschen Bacchus und Kerner. "Das vergrößern wir gerade, Bacchus ist ein Wein, mit man spielen kann, denn ich will auch mehr in Richtung Cuvees gehen und je mehr Sorten man da im Farbenkasten hat, umso mehr Möglichkeiten hat man an Aromen und Charakteristiken."

Dann ist da noch der andere Thomas Geiger, der auf dem Rennmotorrad. 2014 hat er seinen 50. Geburtstag gefeiert und damals machte er sich selbst ein besonderes Geschenk. Erstmals nach 13 Jahren fuhr er wieder einen ersten Platz heraus bei einem Superbike-Rennen. Beides gehört für ihn zusammen. Selbst in önologischen Fachzeitschriften posiert er gerne vor und mit dem Motorrad. Während der "Motorradwelt Bodensee" an diesem Wochenende präsentiert er seine 160 PS-Suzuki (siehe Infokasten). Er bewegt das Superbike zwar selten, aber doch regelmäßig und erfolgreich auf der Rennstrecke. In den vergangenen zwei Jahren holte er sich bei internationalen Rennen in der 750 ccm-Klasse fünf Podestplätze. Einen Sieg, zwei zweite Plätze und zwei dritte Plätze – der wahrscheinlich schnellste Winzer Deutschlands.

Geiger persönlich

Wer Thomas Geiger als Rennfahrer kennenlernen möchte, hat dazu am Samstag, 28. Januar, und am Sonntag, 29. Januar, auf der Messe "Motorradwelt Bodensee" in Friedrichshafen Gelegenheit. In Halle 4 auf dem Stand von Kurt Stückle Renntechnik steht sein 750-er Suzuki Superbike. An beiden Tagen ist er selbst ab etwa 11 Uhr da, "meistens". Und wer ihm als Winzer begegnen möchte, hat dazu die Möglichkeit vom 30. März bis zum 1. Mai, dann ist im Meersburger Teilort Riedetsweiler wieder Edi's Besenwirtschaft geöffnet. Immer Dienstag bis Samstag ab 18.30 Uhr und an den Sonn- und Feiertagen ab 17 Uhr. Hoffest ist am 1. Mai. (mba)