Einen Sack voller Ideen hat Martin Bleicher nach Meersburg mitgebracht: Er ist neuer Stadtbaumeister. Erst seit wenigen Wochen im Amt, hat er alle Hände voll zu tun. Unter anderem liegt bereits das Großprojekt Parkhaus auf dem Fähreparkplatz auf seinem Schreibtisch. "Der Zeitplan zur Realisierung ist sportlich. Es wird eine große Aufgabe für das Team, neben der laufenden Arbeit dieses große und wichtige Projekt für die Stadt Meersburg zu stemmen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es gemeinsam schaffen", sagt der Architekt.

"Aufbruchstimmung" im Hinblick auf Stadtentwicklung

Martin Bleicher erklärt, er fühle sich sehr gut aufgenommen von der Bevölkerung, den Mitgliedern des Gemeinderats und den Mitarbeitern der Stadt. Außerdem spüre er eine positive Stimmung in der Stadt. "Eine Aufbruchstimmung", nennt er es, dies auch im Hinblick auf den Stadtentwicklungsprozess 2030. Dieses Projekt war einer der Gründe, warum er sich in der Burgenstadt beworben hat.

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"Zusammen mit den Bürgern aktiv die Gestaltung der Stadt zu entwickeln, das bringt eine deutlich bessere Lebensqualität", meint der 51-Jährige. Bürgernähe sei ihm sehr wichtig. Den eigenen Lebensraum als Qualitätsmerkmal zu erleben und zu schätzen, sei eine Notwendigkeit für die Bewohner und die Gewerbetreibenden.

Infrastruktur soll weiter ausgebaut werden

"Für einen Architekten ist es wichtig, dass Dinge entstehen und dadurch auch die Wirtschaftskraft angekurbelt wird." Er wolle den Standort Meersburg mit den notwendigen Infrastrukturen weiter ausbauen, wobei er sich bewusst sei, dass "die Flächen des Entwicklungsraums endlich sind", wie er es formuliert. Konzepte für sozial verträglichen Wohnbau habe er während seiner Tätigkeit in Wien kennengelernt. Dort habe man schon früher umgedacht: Hier werde mit weniger, jedoch intelligent genutzter Fläche gleichbleibende Lebensqualität geschaffen, ohne die letzten Quadratmeter der wichtigen Grünflächen zu bebauen, wie Martin Bleicher erzählt.

"Hochwertiges Erscheinungsbild erhalten"

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist für den Vater eines erwachsenen Sohnes ein zentrales Thema. Einen Entwurf habe er noch vor Antritt seines Amts für die Stadt Meersburg entwickelt. Wichtig ist dem Stadtbaumeister "ein respektvolles Miteinander von Menschen und ihrem Lebensraum". Insbesondere im sensiblen Altstadtbereich mit seinem historischen Kontext wolle er die Qualität erhalten und steigern. "Wie gehen wir mit öffentlichen Räumen für Bewohner, Gewerbe und Gäste um, um ein hochwertiges Erscheinungsbild zu erhalten?" Das ist für Martin Bleicher eine zentrale Frage. Sein Lösung: "Altes bewahren, Neues schaffen."

Bürger kommen mit abgelehnten Bauanträgen

Eine Herausforderung werde es, die Stadt barrierefrei zu machen. Als Planer hat er unter anderem in Ulm an Großprojekten gearbeitet, wie Seniorenstifte, Kliniken oder Hochschulprojekte. Auf Nachfrage, ob denn schon viele Bürger mit zuvor abgelehnten Bauprojekten bei ihm vorstellig geworden seien, antwortet er schmunzelnd: "Natürlich, das ist doch menschlich." Er fügt jedoch gleich an: "Ich bin ein empathischer Mensch, doch ich kenne die Gesetze und erkläre gerne, dass diese geschaffen wurden, um Probleme des Miteinanders zu verringern."