Die Open-Air-Konzerte auf dem Schlossplatz, mit denen Meersburg 2019 pausiert, sollen Ende Mai 2020 mit drei Veranstaltungen fortgesetzt werden. Welche Künstler kommen, steht noch nicht fest. Die Veranstalter-Firma Vaddi Concerts brauchte vor der Planung erst das Plazet des Gemeinderats. Dieser erteilte am Dienstag zwar mit großer Mehrheit seine Zustimmung, aber erst nach langer, kontroverser Diskussion.

Manche Räte fühlen sich nicht ausreichend informiert

Das Gremium hatte zwar bereits Anfang April grundsätzlich für drei Open Airs im Mai 2020 votiert. Doch einige, allen voran Markus Waibel (FW), fühlten sich seither nicht ausreichend von Tourismus-Chefin Iris Müller informiert und hatten von ihr gar ein komplett neues Konzept für sämtliche Meersburger Veranstaltungen erwartet.

Die Band Simple Minds trat ebenfalls 2018 auf.
Die Band Simple Minds trat ebenfalls 2018 auf. | Bild: Felix Kaestle

Zweifel am grundsätzlichen Nutzen der Konzerte

Andere hatten Bedenken wegen des Termins. Die Open Airs sollen, statt wie früher im August, bereits am Pfingstwochenende stattfinden. Denn das Ziel ist, die Hochsaison im Sommer, wo auch andernorts Open Airs stattfinden, zu entzerren. Auch den Nutzen der Konzerte für die Stadt zweifelten etliche Räte an, sowohl was den Imagegewinn als auch die Wertschöpfung angehe. So meinte Michael Gilowsky (Umbo), die ansässige Gastronomie habe davon nichts. Boris Mattes (SPD) meinte gar: „Ich sehe nicht, dass wir als Stadt etwas davon haben.“ Wie sein Vorredner Peter Schmidt (CDU) forderte Mattes: „Wir brauchen ein neues Konzept, nicht nur ein neues Datum.“ Schmidt und Mattes waren sich einig, man benötige ein innovatives Veranstaltungsprofil und „kein ‚weiter so‘“.

Marc Oßwald vom Veranstalter Vaddi Concerts verfolgt die Diskussion zu den Open Airs 2020. Er stellte verwundert fest: „So eine Diskussion habe ich noch nie erlebt. Woanders sind wir immer willkommen, da bekommen wir sogar noch Geld.“
Marc Oßwald vom Veranstalter Vaddi Concerts verfolgt die Diskussion zu den Open Airs 2020. Er stellte verwundert fest: „So eine Diskussion habe ich noch nie erlebt. Woanders sind wir immer willkommen, da bekommen wir sogar noch Geld.“ | Bild: Sylvia Floetemeyer

Veranstalter: „So eine Diskussion habe ich noch nie erlebt“

Marc Oßwald von Vaddi Concerts betonte: „Das ganze Risiko liegt ja bei uns“ – dem privaten Veranstalter. Und jeder Termin sei schwierig, zumal man auch von den Tourplänen der Musiker abhängig sei. Oßwald stellte verwundert fest: „So eine Diskussion habe ich noch nie erlebt. Woanders sind wir immer willkommen, da bekommen wir sogar noch Geld.“

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Einigen Räten waren aber selbst die 4500 Euro zu viel, die laut Iris Müller 2018 bei der Stadt für die Open Airs zu Buche schlugen, etwa für den Bauhof. Bürgermeister Robert Scherer hingegen stellte die Frage in den Raum: „Was bekommen Sie sonst für diese Summe, für ein Werbebudget von gerade mal rund 5000 Euro?“ Sicher könne man den monetären Profit nicht auf den Cent erfassen. „Aber es gibt einen Mehrwert“, ist Scherer überzeugt. Müller hatte vorgerechnet, pro Open-Air-Tag kämen rund 4000 Besucher in die Stadt, jeder Gast gebe durchschnittlich 37,50 Euro aus, das mache in der Summe 150 000 Euro. Hinzu komme ein Werbeeffekt, „den wir mit keiner anderen Veranstaltung erreichen“.

Das Konzert der Band Simple Minds.
Das Konzert der Band Simple Minds. | Bild: Felix Kaestle

Scherer: „Kulturkonzept gibt es nicht von heute auf morgen“

Scherer betonte ferner: „Ein Kulturkonzept gibt es nicht von heute auf morgen.“ Aber weil es noch kein Kulturkonzept gebe, die Open Airs 2020 ausfallen zu lassen, „fände ich schade“. Ähnlich hatten sich auch einige Räte geäußert. So meinte Monika Biemann (Umweltgruppe): „Wenn wir nicht zustimmen, haben wir nächstes Jahr gar nichts: keine Open Airs und kein Kulturkonzept.“ Martin Brugger (CDU) betonte: „Ich bin sehr wohl für diese drei Konzerte.“ Die Stadt mache viel für die Jüngsten und die Ältesten, was gut sei. „Aber man muss auch mal an die denken, die zwischen 20 und 60 sind.“

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Peter Köstlinger (CDU) hatte einen Vorschlag, wie „wir die Konzertbesucher besser in die Stadt binden“: indem man in die Tickets einen Zusatzbonus, wie den Besuch des Vineums, integriere. Müller notierte die Idee. Peter Krause (Umbo) schwebte ein anderer Veranstaltungsort als der Schlossplatz vor, etwa das Wetterkreuz. Doch so ein Wechsel bedeute zu viel Aufwand, sagte Müller.

Letztlich votierten nur Schmidt, Waibel und Mattes gegen die Open Airs 2020. Philipp Wurster (FW) enthielt sich der Stimme.

Carolin Niemczyk von Glasperlenspiel auf der Bühne beim Meersburg Open Air vor dem Neuen Schloss.
Carolin Niemczyk von Glasperlenspiel auf der Bühne beim Meersburg Open Air vor dem Neuen Schloss. | Bild: Jäckle, Reiner