Auf großes Interesse stießen die beiden Angebote, mit denen sich Meersburg am Tag des offenen Denkmals beteiligte: Peter Schmidt erzählte die Geschichte der Steigstraße und Zimmermeister und Restaurator Sebastian Schmäh führte die Besucher in ein Barockhaus in der einstigen Lakaiensiedlung, dessen Sanierung er leitet. Schmidt machte aufgrund des Andrangs drei statt zwei Touren mit insgesamt über 100 Teilnehmern und Schmäh begrüßte bei seinen zwei Runden fast ebenso viele Neugierige.

Schon Goethe reiste über die Steigstraße

Die Steigstraße, deren Anfänge bis weit ins Mittelalter zurückreichen, bezeichnete Schmidt als "Achse des Südens", die am oberen Stadttor beginnt und am alten Hafen beim heutigen Hotel "Schiff" endet. Doch als Teil einer alten Handelsstraße führte die Steig weit darüber hinaus, bis nach Venedig. Berühmte Persönlichkeiten reisten über die Steig, so der letzte Staufer Konradin, diverse Kaiser, Jan Hus und Goethe.

400 Bergknappen legen Graben zur Verteidigung an

Erstaunt vernahmen die Zuhörer auch die Geschichte der Fachwerkhäuser auf der "Fülle": Letztere heiße so, weil man sie aus dem Füllmaterial des Grabens aufschüttete, der 1334, als Ludwig der Bayer die Stadt belagerte, zu deren Verteidigung angelegt worden war. Binnen sechs Wochen hatten ihn 400 Bergknappen aus Todtnauberg ausgehoben.

Oberstädter sahen auf Unterstädter herab

Das 1629 abgerissene mittlere Stadttor, wo heute der Bärenbrunnen steht, teilte Ober- und Unterstadt – einst, und ein bisschen auch heute noch zwei verschiedene Welten, erläuterte Schmidt humorvoll. Die Oberstadt, wo der Fürstbischof, dessen Entourage und reiche Bürger residierten, sah im doppelten Sinn auf die Unterstadt herunter, wo Kleinbauern, Fischer und Fährleute hausten.

Heute leben noch 48 Menschen in der Unterstadt

Oben wohne man heute noch auf durchschnittlich 120 bis 170, unten auf 60 bis 70 Quadratmetern. Heute lebten noch 48 Menschen dauerhaft in der Unterstadt, in der Oberstadt 257. Die meisten Meersburger wohnten außerhalb der Altstadt. "Wir leben seit 120 Jahren vom Tourismus", unterstrich Schmidt. Man müsse der Gastgeberrolle gerecht werden, aber aufpassen, dass die Altstadt nicht zum Freizeitpark werde. Schmidt: "Wohnqualität muss auch in einem schönen Museum wie Meersburg machbar sein."

Stuttgarter Familie lässt Barockhaus sanieren

Zimmermeister und Restaurator Sebastian Schmäh erläutert in einem Barockhaus in der einstigen Lakaiensiedlung dessen behutsame Sanierung.
Zimmermeister und Restaurator Sebastian Schmäh erläutert in einem Barockhaus in der einstigen Lakaiensiedlung dessen behutsame Sanierung. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Dass dies möglich ist, beweist die Instandsetzung des 1724 erbauten Barockhauses in der Stefan-Lochner Straße 14 durch eine Stuttgarter Familie. Ihr Bauleiter Sebastian Schmäh verdeutlichte, wie sich eine denkmalgerechte Sanierung und das Bedürfnis nach modernem Wohnkomfort in Einklang bringen lassen.

Möglichst viel Substanz alter Gebäude erhalten

So war der Einbau zweier zusätzlicher Dachgaupen auf der Seeseite möglich, die man genau auf Sparrenbreite anpasste. Sie machen den Raum heller. Der Ausbau von Dachgeschossen, so Schmäh, sei vonseiten des Denkmalschutzes lange tabu gewesen, das habe sich geändert. Allerdings räume man heute auch nicht mehr brutal die alten Balken ab, wie man es noch bis in die 1980er Jahre gemacht habe, sondern erhalte möglichst viel Substanz, ersetzte schadhafte Stellen behutsam mit Balken aus großen Stämmen und arbeite wie einst mit Holz-zu-Holz-Verbindungen, die etwa auch mit Feuchtigkeit besser zurechtkämen. Letztere war im Keller ein Problem. Ihm begegnete man etwa damit, dass man einen unverfugten Klinkerboden legte sowie Technik nicht direkt auf Wände, sondern vorgelagerte Platten installierte.

Sanierung kostet 2500 Euro pro Quadratmeter

Schmäh freute sich, dass die Besitzer erlaubten, ihr Haus zu öffnen. "Das ist ein wichtiges Signal, weil es zeigt: Das kann man aus diesen Häusern machen." Allerdings koste die aufwendige Sanierung 2500 Euro pro Quadratmeter, doch es fließe auch ein Zuschuss von 53 000 Euro zurück.