Über 200 interessierte Besucher kamen zur öffentlichen Besichtigung des renovierten Ratskellers unterhalb des Meersburger Rathauses. Rund ein Jahr lang dauerte die Komplett-Sanierung des 1936 in eine Wirtschaft umgebauten ehemaligen Weinkellers.

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Etliche Voruntersuchungen und Gutachten auch seitens des Landesdenkmalamtes seien der Renovierung vorausgegangen, informierte Bernd Engesser vom Bauamt die Zuhörer. Die alten Gussleitungen des Ortskanals seien erneuert worden und eine gewaltige Lüftungsanlage wurde aufgrund der Durchfeuchtung der Wände eingebaut. Die moderne Technik, unter anderem auch die Stromleitungen zu den Energiesparbirnen in den historischen Leuchtern, sei unsichtbar hinter den aufgearbeiteten Holzvertäfelungen – "Täfer", wie der Fachmann sagt – versteckt. Engesser, der die Leitung der Sanierung inne hat, machte auf die barrierefreie Zugangsmöglichkeit per Hublift und den neuen Tresen mit Kühleinrichtung aufmerksam.

Bürgermeister Robert Scherer begrüßte die Besucher und hatte zum Valentinstag Rosen für die weiblichen Gäste.
Bürgermeister Robert Scherer begrüßte die Besucher und hatte zum Valentinstag Rosen für die weiblichen Gäste. | Bild: Lorna Komm

Leider blieb den Besuchern die gelungene Aufarbeitung der historischen Glasfenster größtenteils verborgen. Mangels Tageslicht von außen lagen die in einer besonderen Schlifftechnik auf Glas ausgeführten Originale von Ernst Georg Haller im Dunkeln. Bürgermeister Robert Scherer meinte dazu, dass man noch auf der Suche nach einer Lösung sei, denn "es ist unser Ziel, die Fenster von innen zu beleuchten."

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Der Ratskeller sei zu 99 Prozent fertig, es fehlten nur noch Kleinigkeiten, wie die alte Uhr mit Schnitzornamenten, zwei handgeschnitzte Leuchten sowie der Ausleger der Wirtschaft, berichteten Engesser und der Schultes. Scherer versprach, das neue Nutzungskonzept für den Ratskeller in den nächsten Wochen bekannt zu geben, vorher werde der Ratskeller jedoch seine Pforten, wie gewohnt, für die Narren öffnen.

"Kulturveranstaltungen, wie Lesungen oder Frühschoppenkonzerte, kann ich mir hier vorstellen." Bernd Stecher, Meersburg
"Kulturveranstaltungen, wie Lesungen oder Frühschoppenkonzerte, kann ich mir hier vorstellen." Bernd Stecher, Meersburg | Bild: Lorna Komm

Besucher Bernd Stecher hatte sich von Engesser die Küche erklären lassen. Mangels Kochgelegenheit könnten nur Kleinigkeiten zubereitet werden, ansonsten könne Essen von Cateringfirmen angeliefert werden. Der Meersburger Familienvater könnte sich deshalb eine Nutzung als Bürgertreff oder für Vereine und private Feste vorstellen. Vorteilhaft sei es seiner Meinung nach, wenn man nicht nur an einen Caterer gebunden sei. "Kulturveranstaltungen wie Lesungen oder Frühschoppenkonzerte kann ich mir hier vorstellen", sagte Stecher, der auch früher im Ratskeller zu Gast war. "Damals, Ende der 90er Jahre, als im Winter noch weniger Wirtschaften geöffnet waren, als heute", lacht Stecher.

"Eine Bleibe für größere und kleinere Festivitäten der Vereine fehlt in Meersburg."Lothar Biel, Meersburg
"Eine Bleibe für größere und kleinere Festivitäten der Vereine fehlt in Meersburg."Lothar Biel, Meersburg | Bild: Lorna Komm

Auch Lothar Biel, der seit 1976 in Meersburg lebt, kann sich aufgrund der kleinen Küche keine Nutzung des Ratskellers als Wirtschaft vorstellen, außerdem hätte man davon schon genügend. "Eine Bleibe für größere und kleinere Festivitäten der Vereine fehlt in Meersburg", meint Biel. Bisher werde dazu teilweise der Klosterkeller genutzt, doch der sei oftmals zu klein, gibt der 80-Jährige zu bedenken.