Warum sich auch jüngere Menschen Gedanken über eine Patientenverfügung machen sollten, fasst Rechtsanwalt Martin Frick kurz und prägnant zusammen: „Weil jeder in eine Lage kommen kann, in der er nicht mehr selbstständig handeln und für sich entscheiden kann“. Verkehrsunfälle oder Herzinfarkte halten sich nicht an Altersgrenzen. Auch sollten jüngere Menschen das Thema Patientenverfügung mit ihren Eltern besprechen, insbesondere wenn diese als Bevollmächtigte eingesetzt würden.

Was bei einer Patientenverfügung beachtet werden sollte, damit sie dem Willen des Erstellers entspricht, darüber informierten der Mediziner Detlef Jäger (links) und der Jurist Martin Frick (rechts) bei einem Vortrag im Winzerverein.
Was bei einer Patientenverfügung beachtet werden sollte, damit sie dem Willen des Erstellers entspricht, darüber informierten der Mediziner Detlef Jäger (links) und der Jurist Martin Frick (rechts) bei einem Vortrag im Winzerverein. | Bild: Lorna Komm

Jeder Volljährige sollte sich mit dem Thema befassen

Mediziner Detlef Jäger empfiehlt, dass jeder Volljährige ab 18 Jahren sich mit dem Thema befasst. Der Jurist und der Arzt beleuchteten bei einem Vortrag im Meersburger Winzerverein die Patientenverfügung zum einem aus rechtlicher, zum anderen aus medizinischer Sicht. Beide sprachen sich dafür aus, bestehende Patientenverfügungen kontinuierlich zu aktualisieren.

Patientenverfügung etwa alle zwei Jahre aktualisieren

So solle man etwa alle zwei Jahre kontrollieren, ob die bestehende Verfügung noch dem persönlichen Wünschen entspricht. Sei dies der Fall, brauche man keine neue Verfügung zu formulieren, sondern könne einfach die bestehende erneut mit Datum und Unterschrift versehen. „Im Notfall erkennt der Arzt dann sofort, dass der Patient sich mit dem Thema beschäftigt hat und dass der Wille aktuell ist“, sagte Mediziner Jäger.

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Ältere Verfügungen teils ungenau formuliert

Bei Patientenverfügungen, die schon 20 Jahre oder älter sind, täten sich die behandelnden Ärzte schwer. Oft seien ältere Patientenverfügungen auch ungenau formuliert, erklärt Jäger und führt als Beispiele Sätze an wie „Ich will nicht leiden“ oder „Ich will nicht an Geräten hängen“. „Wie soll der Arzt dies auslegen?“, gibt Jäger zu Bedenken und empfiehlt, die Weisungen zu präzisieren, mit Formulierungen wie bei diesen Beispielen: „Ich will nicht länger als eine Woche künstlich beatmet werden“ oder „Künstliche Ernährung kommt für mich niemals in Frage“.

Jüngerer Bevollmächtigter sinnvoller als Ehepartner

Ebenso wichtig sei die überlegte Auswahl eines Bevollmächtigten, der dem Arzt den Willen des Patienten bestätigen kann und die Patientenverfügung übergibt. „Viele Menschen bevollmächtigten ihre meist gleichaltrigen Ehepartner“, erzählt Jäger. „Aber was ist, wenn dieser zum entscheidenden Zeitpunkt selber krank oder gar dement ist?“ Deshalb sollte man auch jüngere Menschen als Bevollmächtigten in Erwägung ziehen. „Ohne Bevollmächtigten läuft nichts, er ist der Herr des Verfahrens“, verdeutlicht Rechtsanwalt Frick. Man könne je nach persönlicher Lage auch mehrere Bevollmächtigte einsetzen, sollte dann aber sicher sein, dass diese im Entscheidungsfall auch wirklich einstimmig handeln.

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Dokument zu Hause aufbewahren

Auf die Frage aus dem Publikum, wo die Patientenverfügung denn aufbewahrt werden solle, ob zu Hause oder im Bankschließfach, meint Jäger: „Definitiv zu Hause im Schreibtisch.“ Im Ernstfall komme keiner schnell genug an das Schließfach heran. Zudem solle der Bevollmächtigte eine Kopie zur Verfügung haben, wenn er sich im selben Haus lebt. Es gebe zwar auch ein zentrales Register – „doch wer fragt da nach?“, gibt Jäger zu bedenken. Außerdem habe der Arzt keine Ermittlungspflicht, ob eine Patientenverfügung vorliegt.

Martin Frick erklärt zusätzlich die Funktion der Vorsorgevollmacht, denn für einen Volljährigen könnten „Angehörige nur aufgrund einer Vollmacht oder als gerichtlich bestellte Betreuer Entscheidungen treffen“. Der Ehepartner sei nicht automatisch verfügungsberechtigt.