Mit einem Pfandbecher möchte der Bodenseekreis verstärkt Müll vermeiden. Für einen Euro können die Kunden den Becher, der auf der Fähre Konstanz-Meersburg vorgestellt wurde, bei Anbietern kaufen und dann befüllen lassen (Kasten). Darüber hinaus hat das Abfallwirtschaftsamt unter dem Motto "Zero Waste" ("Kein Müll") nach Testfamilien gesucht, die über einen Zeitraum von drei Monaten möglichst wenig Müll produzieren. Robert Schwarz, Pressesprecher im Landratsamt, bestätigt, dass Familien gefunden wurden, die sich dem Experiment stellen. Sie führen ab sofort Müll-Tagebücher und werden von der Abfallberatung begleitet. Den Gewinnern winkt ein Gutschein für abfallarmes Einkaufen.

Max Schuster und Eva Linde aus Heiligenberg kaufen immer frisch an der Supermarkt-Theke, gehen auf den Markt und haben stets einen Beutel dabei.
Max Schuster und Eva Linde aus Heiligenberg kaufen immer frisch an der Supermarkt-Theke, gehen auf den Markt und haben stets einen Beutel dabei. | Bild: Sebastian Küster

Doch wie lässt sich Abfall vermeiden? Der SÜDKURIER hat in Überlingen Passanten befragt, ob ihnen das Thema am Herzen liegt und was sie tagtäglich tun, um weniger Müll zu produzieren. "Wenn man alles frisch kocht, dann produziert man auch wenig Müll", lautet die These von Gisela Hug. Sie kauft schon immer auf Märkten oder bei Bauernhöfen ein. Anstatt die Produkte in Plastiktüten nach Hause zu tragen, setzt sie auf große Behälter, die sie stets wiederverwendet. "Frisch kochen schmeckt nicht nur besser, sondern geht oft sogar schneller als sich ein Fertiggericht in die Mikrowelle zu stellen", sagt die Deisendorferin und weiter: "Kochen ist kommunikativ und wir schonen dadurch die Umwelt." Der gleichen Meinung ist auch Gunter Popp. Wichtig sei es, langfristig vom Plastik wegzukommen. Dafür sei ein Umdenken in der Gesellschaft notwendig. Zudem sollten die Überlinger öfter Lebensmittel von kleinen, regionalen Händlern beziehen.

Gisela Hug und Gunter Popp finden, dass die Menschen langfristig vom Plastik wegkommen müssen.
Gisela Hug und Gunter Popp finden, dass die Menschen langfristig vom Plastik wegkommen müssen. | Bild: Sebastian Küster

Da käme man gar nicht erst in die Versuchung, Produkte einzukaufen, die dreifach in Plastik verpackt seien. Popp kauft bewusst ein – sein Motto: "Lieber weniger, dafür was Gutes." Helena Seiffert-Greiner verzichtet beim Einkauf auf Plastiktüten. "Ich nehme immer einen Beutel mit", sagt sie. Wenn auf der Hofstatt Markt ist, dann meidet Seiffert-Greiner die großen Supermärkte. Auf dem Wochenmarkt gebe es alles, was man brauche. "Warum sollte ich einen Salat kaufen, der mehrmals in Plastik verpackt ist? Das macht keinen Sinn", sagt sie.

Helena Seiffert-Greiner aus Uhldingen nimmt immer einen Beutel zum Einkaufen mit.
Helena Seiffert-Greiner aus Uhldingen nimmt immer einen Beutel zum Einkaufen mit. | Bild: Sebastian Küster

Max Schuster und Eva Linde aus Heiligenberg kaufen immer frisch an der Supermarkt-Theke. Die sorgfältige Mülltrennung steht für Brigitte Eppler an erster Stelle. Große Kartonagen reiße sie in kleine Stücke und ihr Mann trete sogar die Dosen platt, damit für jede Partei im Mehrfamilienhaus genug Platz im gemeinsamen Mülleimer sei. Zudem achtet Eppler darauf, wenig Einwegflaschen und Tetra-Packs in ihren Einkaufswagen zu legen.

Brigitte Eppler aus Überlingen ist die korrekte Mülltrennung sehr wichtig. Sie kauft wenig Einwegflaschen und Tetra-Packs.
Brigitte Eppler aus Überlingen ist die korrekte Mülltrennung sehr wichtig. Sie kauft wenig Einwegflaschen und Tetra-Packs. | Bild: Sebastian Küster

 

Bodenseekreis stellt Kaffee-Pfandbecher vor

Ab sofort gibt es den wiederverwendbaren Pfand-Kaffeebecher, den der Bodenseekreis mit der Firma Recup aus München und weiteren Partnern ins Leben gerufen hat. Zu den ersten Anbietern gehören die Fähre Konstanz-Meersburg, auf der der neue Becher auch vorgestellt wurde, sieben Bäckereien, die Elektronikschule Tettnang und die Mensa "Seezeit" in Friedrichshafen.

Der in Deutschland hergestellte Kunststoffbecher, den Motive aus dem Bodenseekreis schmücken, ist in zwei Größen erhältlich und kann laut der Hersteller-Firma Recup mindestens 500 Mal wiederverwendet werden. Kunden bekommen den Becher für einen Euro Pfand – und einen kleinen Rabatt für den Kaffee – und können ihn, ungespült, bei allen Teilnehmern mit Pfanderstattung zurückgeben oder neu füllen lassen. Im Moment gibt es noch keine Deckel für die Becher. Diese sollen in drei Monaten erhältlich sein. Das Abfallwirtschaftsamt des Bodenseekreises hatte die Idee für den Becher. Denn die Zahlen sprechen für sich: 2,8 Milliarden Kaffeebecher landen in Deutschland jährlich im Müll. Allein im Bodenseekreis entspreche das 800 Stück pro Stunde, so Landrat Lothar Wölfle. Diese Verschwendung ließ auch Florian Pachaly keine Ruhe. Noch auf der Uni entwickelte er sein Pfandsystem und gründete 2016 mit Fabian Eckert die Firma Recup. Ihre Vision: "Ganz viele Städte miteinander zu verbinden." Zum Bodenseekreis sagt er: "Es ist toll, dass hier eine ganze Region mitmacht." Das findet auch Georg Betz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: "Unsere Bäcker begrüßen diese Initiative sehr", auch wenn noch nicht alle mitmachten. Manche hätten aber ihr eigenes Pfandsystem. Das hatte bereits auch die Überlinger Bäckerei Diener: "Aber dieses System ist noch mal was ganz anderes", erklärt Chefin Christa Diener, warum sie von Anfang an mitmacht. Die teilnehmenden Bäckereien sind in Friedrichshafen: Kloos, Knor, Webers Backstube, in Frickingen: Baader, in Hagnau: "Löwen", in Markdorf: Kloos, in Meckenbeuren: Stefans Beck, in Salem: Baader, in Überlingen: Diener. Die Recup-App (app.recup.de) zeigt alle rund 600 Partner in ganz Deutschland auf. Weitere Informationen gibt es unter: www.recup.de.