Die Ausstellung „Gestern ist nirgendwo“ des Malers André Ficus wurde von Landrat Lothar Wölfe im Spiegelsaal des Neuen Schlosses eröffnet. Galerieleiterin Heike Frommer gab einen spannenden Einblick in das Leben des Bodenseemalers, der keiner sein wollte.

André Ficus‘ Vermieterin und gute Freundin Greta Schöllhorn.
André Ficus‘ Vermieterin und gute Freundin Greta Schöllhorn. | Bild: Lorna Komm

Ficus, geboren in Berlin, habe sich nie richtig zu Hause gefühlt am Bodensee, erzählte Frommer dem zahlreich erschienen Publikum. Tiefe Einblicke in sein Seelenleben gibt ein Briefwechsel, den Ficus über 50 Jahre hinweg mit einem Freund führte. Die Briefe wurden im Stadtarchiv Friedrichshafen gefunden. „Wie in einem historischen Fortsetzungsroman“ habe Frommer sich beim Lesen der Schriftstücke gefühlt und die aufschlussreichsten Passagen zitierte sie anlässlich der Ausstellungseröffnung.

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Ficus schreibt darin von Selbstzweifeln und Depressionen. Sein Fernweh spielt über Jahre hinweg eine große Rolle. Immer wieder verändert er seine Stilrichtung, sieht den Schwerpunkt seines Schaffens im Thema Frankreich und malt Bodenseebilder nur zum Broterwerb.

Resümee seines Lebens war ein „bitteres“

Doch für diese wurde er verehrt und erhielt Kunstpreise, referiert die Galerieleiterin. Reisen in den Süden und nach Amerika inspirierten den Künstler, vertieften aber auch das Bedauern in Deutschland leben zu müssen. Und so sei das Resümee seines Lebens ein „bitteres“ gewesen, schloss Frommer ihren Vortrag. Die Ausstellung ist chronologisch geordnet und zeigt so eindrücklich die Wechsel in Ficus' Lebensweg.

Das Portrait, das André Ficus von Greta Schöllhorn malte.
Das Portrait, das André Ficus von Greta Schöllhorn malte. | Bild: Lorna Komm

Einige der Werke wurden von Privatbesitzern zur Verfügung gestellt, so auch das Portrait von Greta Schöllhorn. Schöllhorn war Ficus Vermieterin in Friedrichshafen. „Uns hat eine lebenslange Freundschaft verbunden“, erzählte sie im Anschluss der Eröffnung. „Jeden Tag um 11 Uhr haben wir uns getroffen und eine Zigarette geraucht“, sagte sie. Das Bild habe Ficus ihr damals aus Freundschaft geschenkt.

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Die Ausstellung ist bis 20. Oktober im Roten Haus auf dem Meersburger Schlossplatz zu sehen. Die Galerie ist von Dienstag bis Sonntag sowie feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.