"Sommersonnenrausch" heißt das Programm, mit welchem Noltes Theater dieses Jahr zum zweiten Mal im Augustinum begeisterte. Der Titel hätte kaum besser gewählt sein können: Bei untergehender Sonne angenehm unter Platanen sitzend, genossen rund 160 Besucher gekonnt dargebotene Jazz- und Blues- Songs von Sängerin Birgit Nolte-Michel und ihrem Begleiter am Klavier, Michael Lauenstein. Richard Rheindorf, Direktor der Meersburger Seniorenresidenz, begrüßte zur "Musical-Night at Augustinum" und versprach einen "heißen Abend."

Auftritt vor spektakulärer Kulisse

Die leichte Sommerbrise vor spektakulärer Bodenseekulisse lässt Noltes Stimme und Kleider wehen und unterstreicht das sommerlich-lässige Open-Air-Gefühl. Genau um diese Art Sommergefühle geht es in den zum Teil wohlbekannten Liedern, Gedichten und Aphorismen. Viele Klassiker sind darunter wie der Beatleshit "Here comes the sun" oder Bill Withers "Ain't no sunshine". "Summertime and the living is easy" haucht Nolte die bekannte Gershwin-Arie mit ihrem ganz eigenen Timbre ins Mikrofon. Ähnlich leicht wie der wohltuende Sommerhauch, der Zuhörer und Protagonisten erfrischt, unterstreichen ihre sinnlichen Bewegungen das Vorgetragene. Vielmals sind sie gepaart mit einem Hauch Ironie, den die Mimin nonverbal zu transportieren versteht.

Freche Reime und Literaturhäppchen

Zwischendurch vorgetragene Textpassagen und Reime setzen sich frech mit Sommer- und Reiseerleben auseinander. So auch die Zungenbrecherlyrik von Hanns von Gumppenberg, dessen "Sommermädchenküssetauschelächlebeichte"-Reimerei Nolte perfekt-spöttisch deklamiert. Nicht immer fallen die Einschätzungen zum sommerlichen Leben positiv aus. "Ich denke sie mir in ihrem Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch", heißt es etwa bei Friedrich Nietzsche. Bei Thomas Mann ist von "glühender Leere des Himmels" zu hören. Die Urheber der mit Esprit vorgetragenen Literaturhäppchen reichen von Seneca bis Peter Handke. Letzterer rät laut Nolte vom Reisen ab. "Reisende sind Verräter am heimischen Garten." Das Publikum ist entzückt ob der gebotenen Vielfalt in literarischer, musikalischer und mimischer Hinsicht. Die Zuhörer applaudieren viel und kräftig. Immer wieder schwingen Bravo-Rufe für die eigenwillig-eingängigen Lied- und Musikinterpretationen der Künstler.

Gerne singen die Konzertgäste den Refrain des Fernweh-Schlagers "Capri-Fischer" mit. Dass er zu NS-Zeiten verboten war, weil die Amerikaner mit Erscheinen des Lieds 1943 bereits auf der Insel gelandet waren, hören sie teils überrascht. Auch, wenn das eine oder andere Vorgetragene die zweite Jahreszeit von ihrer düsteren Seite zeigt, überwiegt eine wohlige Sommerstimmung.