Bestattungen auf dem Meersburger Friedhof werden ab dem 1. Januar unterm Strich erheblich teurer. Manche Preise steigen um mehr als das Doppelte – auch wenn nach dem Willen des Gemeinderats einige der von der Verwaltung vorgeschlagenen Erhöhungen um die Hälfte reduziert wurden. Das geschah – nach lebhafter Diskussion und Anträgen aus dem Rat – während der laufenden Sitzung, in der das Gremium der neuen Gebührenkalkulation und der entsprechenden Änderung der Friedhofsatzung zustimmte.

Aktuell liegt Kostendeckung unter 80 Prozent

Zuletzt hatte die Stadt die Friedhofsgebühren 2013 angehoben. Ziel der jetzigen Neukalkulation, die die Wirtschaftsberatungsfirma Schmidt und Häuser im Auftrag der Stadt erstellt hat, sei eine 100-prozentige Deckung der städtischen Kosten gewesen, erklärte Kämmerin Heike Sonntag. Aktuell liege die Kostendeckung unter den 80 Prozent, die die Stadt seit 2015 anpeilte – und die vor 2013 unter 60 Prozent gelegen hatte.

Rund 954 Euro für ein Urnenreihengrab

Für die Bürger bedeutet dieses Bestreben zum Beispiel, dass ab nächstem Jahr eine Bestattung in einem Urnenreihengrab 954,32 Euro statt 500 Euro kosten wird. Bei etwa zwei Dritteln der Bestattungen in Meersburg – durchschnittlich 56 jährlich – handelt es sich laut der zuständigen städtischen Abteilungsleiterin Stefanie Kutter mittlerweile um Urnenbegräbnisse. Den vorgeschlagenen Preissteigerungen für diese stimmte der Rat zu.

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Räte federn ein paar Erhöhungen ab

Hingegen halbierte man die anvisierten Erhöhungen für drei Grabvarianten bei Erdbestattungen sowie die Benutzung der Aussegnungshalle, nachdem Peter Köstlinger (CDU) einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Zuvor hatte bereits Michael Dörr (FDP) beantragt, über die einzelnen Bestattungsarten getrennt abzustimmen, ohne allerdings eine preisliche Alternative vorzuschlagen. Dörrs Begründung für seinen Vorstoß: „Ich finde die Erhöhungen zu heftig, das steht in keinem Verhältnis zur Leistung.“

Forderung nach besserer Ausstattung

Das sahen etliche Räte ähnlich. So meinte Georg Dreher (CDU), wenn man die Gebühren für die Aussegnungshalle erhöhe, dann müsse man auch die Ausstattung verbessern. In diesem Zusammenhang sprach er von der „miserablen Beleuchtung“.

Sorge um Zukunft des historischen Friedhofs

Ein großes Thema im Rat war die Sorge um die Zukunft des denkmalgeschützten Friedhofs, auf dem es immer weniger Gräber gebe, was letztlich dazu führe, dass Bestattungen immer teurer würden. Ralf Fischer von der Firma Schmidt und Häuser, der die Gebührenkalkulation vorgestellt hatte, bestätigte das indirekt: „Es werden 56 Gräber im Jahr verkauft und die müssen im Prinzip die Kosten decken.“

Zurückgehende Zahlen bei Erdbestattungen

Monika Biemann (Umweltgruppe) meinte, wenn Meersburg aber die Gebühren so drastisch erhöhe, auch im Vergleich zu anderen Kommunen, „dann ist klar, dass noch mehr abwandern werden“. Besonders die zurückgehenden Zahlen bei den Erdbestattungen standen im Fokus der Diskussion.

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Alter Teil des Friedhofs soll intakt gehalten werden

Peter Schmidt (CDU), der die Sitzung als Bürgermeisterstellvertreter leitete, sagte, das Ziel der Stadt sei, den alten Teil des Friedhofs „intakt zu halten“. So bemühe man sich, dass Beerdigungen vor allem dort stattfinden. Schmidt unterstrich: „Wir bieten eine sehr breite Auswahl an Bestattungsmöglichkeiten an, wie sie nur wenige Städte haben.“

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Veränderte Bestattungskultur

Stefanie Kutter betonte: „Die Tendenz in der Gesellschaft geht zu Urnenbestattungen. Das können wir auch mit einer Gebührenordnung nicht ändern.“ Dabei gehe viel an Begräbniskultur verloren, meinte etwa Christian Herter (Umbo), von Beruf Steinmetz. Sein provokantes Fazit: „Eigentlich müsste man die Grabplätze verschenken“, damit der Friedhof nicht immer leerer werde. Philipp Wurster (FW) sagte ironisch: „Es heißt, das letzte Hemd hat keine Taschen. Bei solchen Gebühren braucht man die auch nicht.“