"Sehnsucht in die Ferne – Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff" heißt die gestern im Neuen Schloss eröffnete Wanderausstellung. Und seit Sonntag ist auch das Droste-Museum im generalüberholten Fürstenhäusle, das die Dichterin 1843 erwarb, wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

Reisen beginnt im Kopf. Das bringt die Schau trefflich auf den Punkt, die seit über einem Jahr unterwegs ist und zuvor etwa schon auf Burg Hülshoff und der Wewelsburg zu sehen war. Aber hier, in unmittelbarer Nähe der Alten Meersburg, wo die Droste ihre letzte Lebenszeit verbrachte, habe sie den schönsten Rahmen gefunden, fand Jochen Grywatsch, Droste-Experte aus Münster und Mitglied der Projektgruppe der Ausstellung, in seiner Ansprache. Zuvor hatten Birgit Rückert von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg und Bürgermeisterstellvertreter Peter Schmidt ihre Freude und ihren Dank bekundet, dass die Ausstellung nun Meersburg bereichere.

Das Fürstenhäusle, das über Meersburg thront, präsentiert sich nach anderthalbjährigem Umbau mit neuem Eingang und großzügiger.
Das Fürstenhäusle, das über Meersburg thront, präsentiert sich nach anderthalbjährigem Umbau mit neuem Eingang und großzügiger. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Insgesamt neun Jahre ihres kurzen Lebens verbrachte die Droste (1797 bis 1848) laut Kurator Jens Kloster auf Reisen, zumeist in Familienangelegenheiten. Doch ihre großen Sehnsuchtsziele – Italien, Spanien, China, Amerika und Afrika – blieben für sie als alleinstehende Frau aufgrund gesellschaftlicher Zwänge unerreichbar. Sie habe einen "unglückseligen Zwang zu allen Orten, wo ich nicht bin", gestand sie 1819 in einem Brief. Dabei, so hob Grywatsch hervor, lebte sie in einem Zeitalter des Umbruchs: Das alte Reich mit seinen vielen Kleinstaaten war untergegangen, der technische Fortschritt brachte auch eine "rasante Entwicklung der Transportmittel mit sich", sodass sich die Reisezeit von Münster an den See schließlich, um 1840, auf fünf Tage halbierte.

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Die Landschaften, die die Droste bereiste und beschrieb, lernen die Ausstellungsbesucher mithilfe von innovativem Design und modernster Technik kennen, etwa in überdimensionalen Pop-up-Bildern, einem wahrhaft visionären Schaukelstuhl oder 26 Audiotiteln, die man übers eigene Handy anhören kann. Darüber hinaus werden Original-Exponate gezeigt, wie ein Fernrohr, eine Münzwaage und Bilder, aber auch ein Riechfläschchen gegen Reiseübelkeit, die laut Kloster allesamt aus dem Nachlass der Droste oder ihrer Familie stammen und teils noch nie öffentlich zu sehen waren.

An allen Stationen bekommen die Gäste informative Kärtchen, die sie in einem Souvenir-Mäppchen getrost nach Hause tragen können. Kabarettistisch abgerundet wurde die Vernissage von Manfred Menzel, musikalisch begleitet von der Pianistin Tina Speckhofer und der Sopranistin Adriane Kienzler, die Kompositionen der Droste vortrugen. Anschließend konnten die Besucher ins Fürstenhäusle hinaufsteigen, das nach dem Umbau, inklusive Vortrags- sowie Warteraum und neuer WC-Anlage, heller und besucherfreundlicher ist.