Für die 16-jährige Hannah Schöning und David Lehr, 15, war es selbstverständlich, dass sie sich firmen lassen. Beide sind Ministranten und stammen aus gläubigen Familien. Doch nur rund die Hälfte jener, die einst die Erstkommunion empfingen, bekräftigen ihren Glauben später mit der Firmung.

Nur die Hälfte der früheren Kommunionkinder entscheiden sich für Firmung

Dieses Zahlenverhältnis sei in den vergangenen sechs Jahren aber gleichbleibend stabil geblieben, sagt Pastoralreferent Alexander Ufer, der in der katholischen Seelsorgeeinheit Meersburg für die Firmlinge zuständig ist. Dieses Jahr lassen sich in Meersburg 59 Jugendliche aus Meersburg und Uhldingen-Mühlhofen sowie drei Erwachsene firmen und in Immenstaad 49 Jugendliche aus Immenstaad, Kippenhausen und Hagnau sowie zwei Erwachsene.

Auch Erwachsene können sich firmen lassen

Ja, auch Erwachsene können sich firmen lassen. Voraussetzung? "Dass sie wollen", nennt Alexander Ufer prompt an erster Stelle. Aber katholisch sollten sie doch sein? "Das wird man dann schon", meint Ufer lachend.

Gut, ohne Taufe, ohne vorheriges Bekenntnis habe eine Firmung keinen Sinn. Aber entscheidend sei tatsächlich, dass sich der Firmling aus eigenem Willen für den Empfang dieses Sakraments entscheidet. Für viele ist laut Ufer ein Grund, "mehr oder wieder mit Gott in Verbindung zu kommen". Außerdem gebe es auch den Wunsch, "weiter Teil einer Gemeinschaft zu sein".

Mindestalter für Firmung auf 15 Jahre angehoben

Ganz bewusst habe man deshalb in Meersburg das Mindestalter für die Firmung auf 15 Jahre angehoben. In dem Alter hätten viele Menschen schon einen ausgeprägten Willen. Die Teilnahme an der Kommunion, meint David Lehr, sei ja mehr eine Entscheidung der Eltern gewesen, für die Firmung stehe er selbst ein. Davids und Hannah Schönings Firmbegleiter ist Malermeister Markus Waibel. Mit sechs Firmlingen startete seine Gruppe. Zwei sprangen ab. Damit hat Waibel kein Problem, denn in der Firmung gehe es ja gerade um den freien Willen, den eigenen Glauben.

Markus Waibel begleitet bereits dritte Gruppe

Waibel hat bereits Firmgruppen mit seinen Töchtern Hannah und Caroline begleitet und übernahm diese Aufgabe, als Ufer ihn fragte, nun zum dritten Mal. "Ich wollte ein stückweit meinen Glauben weitergeben", begründet Waibel das. Mit seinen 50 Jahren zählt er zu den ältesten der 30 ehrenamtlichen Begleiter. Darunter sind auch ein Vater-und-Sohn- sowie ein Mutter-und-Tochter-Gespann, das jeweils eine Gruppe betreut. Oder ein Professor und seine Studentin, nämlich Davids Vater Anton Lehr und Sandra Waldvogel.

Restaurator erläutert Kulturgeschichte der Kirchen

Die Firmbegleiter bekommen Materialien an die Hand, aber Waibel gesteht: "Die habe ich nicht gelesen." Die vier Treffen der Firmgruppe nutzte er für praktische Glaubensvermittlung. So besuchte der gelernte Restaurator mit seinen Firmlingen Meersburger Gotteshäuser und erklärte deren Kulturgeschichte und wanderte mit den Firmlingen, während sie das Thema Schöpfung erörterten, zur Kriegsgräbergedenkstätte Lerchenberg.

Firmlinge wünschen sich Besuch in Moschee

Als Höhepunkt bezeichnet Hannah den Besuch der Moschee in Friedrichshafen, den die Firmlinge sich gewünscht hatten: "Es war sehr eindrucksvoll, mal so eine ganz andere Religion kennenzulernen." Fasziniert erzählt sie, dass die Gastgeber sie sehr offen aufgenommen und die Gemeinsamkeiten mit der christlichen Religion hervorgehoben hätten. Fazit: "Das war ein toller Abschluss."