"Freuet euch im Herrn allezeit" betitelte der Philharmonische Chor Friedrichshafen seine Liedauswahl für das Konzert in der Kirche St. Verena in Meckenbeuren-Kehlen am vergangenen Sonntag. Unter diese mahnenden Worte Paulus' an die Philipper stellten die 44 Sängerinnen und 16 Sänger ihre Chormusik im österlichen Festkreis. Unter der Leitung ihres Musikdirektors Joachim Trost, ergänzt um die Sopranistin Ruth Liebscher-Gerhard und begleitet von Organist Patrick Brugger füllten sie den Kirchenraum mit dem Zusammenklang ihrer Stimmen. Die wunderbare Akustik und die ruhige Ausstrahlung der steingrauen Betonwände mit eindrucksvollem Lichteinfall der Nachmittagssonne durch die Seitenfenster boten einen hervorragenden Rahmen für diese Stunde geistlicher Chormusik der Romantik.

Dramaturgisch folgte die Musikauswahl einer Dreigliederung. Ermutigung in Zeiten der Not, Festigung im Glauben sowie Lobpreis und Jubel über die Auferstehung lauteten die Themen. Zeitlich lassen sich die Komponisten zwischen Felix Mendelssohn Bartholdy, der "Hör mein Bitten" 1844 verfasste und John Rutter, der 1945 geboren wurde und der Postmoderne zugeordnet wird, verorten. Sein "God be in my head" und "Amen" singt der Chor a capella, ebenso wie die Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" von Johannes Brahms. Bei beiden Stücken kommt das Können des Chors, das Volumen der Stimmen, sowohl leise und sanft als auch laut und kraftvoll einzusetzen, hervorragend zur Geltung. Bei Rutters "Amen" so eindrucksvoll, dass sich der kleine Junge in der ersten Bank kurz die Ohren zuhält, um anschließend ein sanftes Schläfchen einzulegen.

Weich klingt die Orgelbegleitung bei "Agnus Dei" des zeitgenössischen tschechischen Komponisten Alexander Brezina, geschrieben für die Sopranistin Elisabeth Maria Wachutka, gesungen von Ruth Liebscher-Gerhard, deren in den tieferen Lagen sicher klingende Stimme an manchen Stellen die Orgel übertönt. Feierlich mitreißend interpretiert der Chor Antonín Dvoraks "Credo", passend und harmonisch von Organist Patrick Brugger begleitet. Als Herr aller Register erweist er sich beim Solo mit der "Fantasia und Toccata in d-Moll" von Charles Villiers Stanford und leitet damit über in die zweite Hälfte des Konzerts, die den englischen Komponisten gewidmet ist. "The Lord is my light" von Mary Frances Allitsen klingt hoffnungsvoll, hymnisch und wird sehr stimmig von Ruth Liebscher-Gerhard vorgetragen.

Aus der Feder von George Rathbone, nicht zu verwechseln mit seinem Namenskollegen und Zeitgenossen, dem legendären Sherlock-Holmes-Darsteller Basil Rathbone, stammt ein weiteres Highlight des Chores. "Rejoice in the Lord always" ist eine mitreißende Aufforderung, die in einem nachhallenden "Amen" verklingt. Auch nach Charles Hubert Perrys "I was glad when they said unto me", einer Hymne der anglikanischen Kirche, die den Abschluss des Konzerts bildet, bleibt der Nachhall von "Rejoice" als Zugabe mit dem zustimmenden "Amen" in den Ohren der Konzertbesucher haften, die ihre Begeisterung mit reichem Applaus zum Ausdruck bringen.