Die Sensation ist perfekt: Elisabeth Kugel ist neue Meckenbeurer Bürgermeisterin. Die Herausforderin setzte sich bei der Wahl mit 54,8 Prozent aller Wählerstimmen klar gegen Amtsinhaber Andreas Schmid durch, der auf 44,8 Prozent kam. Insgesamt 5403 Stimmen wurden abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 50,2 Prozent entspricht. Gegen 18.45 Uhr verkündetet der Wahlausschussvorsitzende Karl Gälle das Endergebnis, das im Rathaussaal in Buch von den zahlreichen Anwesenden teils mit frenetischem Beifall quittiert wurde. Neben zahlreichen Bürgern waren auch viele Gemeinderäte gekommen, ehemalige und aktuelle Bürgermeisterkollegen, auch Landrat Lothar Wölfle, der Landtagsabgeordnete August Schuler und Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen. Damit wird es nichts aus der von Andreas Schmid angestrebten zweiten Amtsperiode. Vor acht Jahren – als es um die Nachfolge des langjährigen Bürgermeisters Roland Weiß ging – hatte sich der vormalige Abteilungsleiter und Jugendreferent der Stadt Ravensburg gegen Gemeindekämmerer Simon Vallaster durchgesetzt.

Schon kurz vor Schließung der Wahllokale wurde es spannend. Von einem „leicht erhöhten Puls“ berichtete ein zu diesem Zeitpunkt noch relativ entspannter Andreas Schmid. „Ich habe ein gutes Gefühl und glaube, dass ich Chancen habe“, gab sich auch Elisabeth Kugel zuversichtlich.

Hochbetrieb im Rathaus – und warten auf das Endergebnis.
Hochbetrieb im Rathaus – und warten auf das Endergebnis. | Bild: Wilfried Geiselhart

Die 46-Jährige war von 2003 bis vor wenigen Monaten für die kommunale Jugendarbeit und die Schulsozialarbeit in Meckenbeuren verantwortlich und hatte ihren Hut erst Anfang September in den Ring geworfen, während der 51-jährige Schmid seine Bereitschaft zur erneuten Kandidatur bereits im Januar beim Neujahrsempfang der Gemeinde bekundet hatte.

Kurz nach 18 Uhr – die Spannung steigt: Auszählung der Stimmen im Wahlbezirk 7 im Rathaus.
Kurz nach 18 Uhr – die Spannung steigt: Auszählung der Stimmen im Wahlbezirk 7 im Rathaus. | Bild: Wilfried Geiselhart

Die Auszählung im Rathaus (Wahlbezirk 7) brachte dann bereits die erste Überraschung. Hier hatte Elisabeth Kugel mit 192 zu 154 Stimmen relativ klar die Oberhand. Eine gute halbe Stunde später musste sie vor Freude um Fassung ringen. „Ich bin sehr berührt über dieses große Wählervertrauen. Vielleicht war es in Meckenbeuren Zeit, die richtige Antwort zu geben, auch Zeit, die Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen und sie an Entscheidungen stärker zu beteiligen“, sagte sie. „Vielleicht werde ich eine noch bessere Bürgermeisterin“, fügte sie in Anspielung auf einen Satz hinzu, zu dem sich der Wahlausschussvorsitzende nach Verkündigung des Ergebnisses hatte hinreißen lassen. „Wir haben einen guten Bürgermeister nicht wiedergewählt“, hatte er, offenbar vollkommen konsterniert, gesagt. „Das ist Demokratie“, versuchte auch Andreas Schmid gute Miene zum auch für ihn unerwarteten Wahlausgang zu machen. Dass er keinen „Plan B“ hat, das hatte er bereits vorab im SÜDKURIER-Interview gesagt. „Daran hat sich nichts geändert“, sagte er auch am Sonntagabend. Für Elisabeth Kugel war es indes Zeit, ein wenig zu feiern. Zu tun gibt es für Meckenbeurens neue Bürgermeisterin in den kommenden acht Jahren noch mehr als genug.

Ein Bild, das Bände spricht: Amtsinhaber Andreas Schmid (links) ist fassungslos, seine Partnerin Jasmin Ben-Dallal wendet ab.
Ein Bild, das Bände spricht: Amtsinhaber Andreas Schmid (links) ist fassungslos, seine Partnerin Jasmin Ben-Dallal wendet ab. | Bild: Wilfried Geiselhart