Ende Oktober wurde sie zur Bürgermeisterin gewählt, realisiert hat sie es erst eine ganze Weile später. Da hatten die Einwohner Meckenbeurens es längst verdaut, dass Elisabeth Kugel ab 2018 die Geschicke der Gemeinde leiten wird, sie als erste Bürgermeisterin Meckenbeurens gewählt worden ist. Sie selbst hat den Wahlabend "wie im Film erlebt", wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt. Am 22. Oktober haben 2946 Meckenbeurer Bürger und damit 54,8 Prozent der Wähler (Wahlbeteiligung 50,2 Prozent) für sie gestimmt. In allen zehn Wahlbezirken und auch bei den Briefwählern hat sie sich gegen Amtsinhaber Andreas Schmid (2411 Stimmen, 44,8 Prozent) durchgesetzt.

Ob ihr die geringe Wahlbeteiligung in die Karten gespielt und es sich eher um eine Abwahl von Andreas Schmid gehandelt hat, vermag sie nicht zu beurteilen. Für Elisabeth Kugel steht aber fest, dass, "wer in den letzten Jahren als Bürger etwas Entscheidendes vermisst hat und es in meiner Person und meinem Programm entdeckt hat, ist auf alle Fälle zum Wählen gegangen." Den Wahlsonntag hat sie zunächst ganz ruhig mit einem Gottesdienstbesuch und anschließendem Mittagessen beim Kirchweihfest von St. Maria begonnen. Nachmittags besuchte sie eine ihr "liebgewonnene Seniorin" zum Kaffee. "Da war noch keine Aufregung, gegen Abend hab ich dann schon gemerkt, jetzt steigt die Nervosität," berichtet die Sozialpädagogin. Zusammen mit Familie, Freunden und Verwandten ging es anschließend ins Rathaus, wo sich bereits zahlreiche Meckenbeurer Bürger und Bürgermeister aus den Nachbargemeinden eingefunden hatten.

Als es sich langsam abzeichnete, dass sie die Wahl gewonnen hat, sei das ein "überwältigender Moment" gewesen. "Es dann tatsächlich vor Augen zu haben und gesagt zu bekommen, ist noch einmal ein Riesenunterschied zu dem, dass man drauf hinfiebert und sich richtig reinhängt. Ich habe zwar schon gedacht, dass es reichen könnte, aber dass es dann tatsächlich knapp 55 Prozent werden, war einfach überwältigend," schildert Elisabeth Kugel ihre Gefühlslage an dem Abend. Nach Glückwünschen und Gratulationen folgte eine kleine Siegesfeier zusammen mit der Familie und dem Helferteam im Brochenzeller Schloss. Mittlerweile ist das Ergebnis endgültig bei ihr angekommen und sie blickt voller Tatendrang auf ihren ersten Arbeitstag am 4. Januar. "Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich dieses Riesengeschenk erfasst habe und all die Veränderungen, die damit einhergehen. Mein Respekt vor diesem Amt ist groß, aber das eindeutige Votum der Wählerinnen und Wähler gibt mir Kraft. Noch größer ist meine Vorfreude auf mein Bürgermeisteramt," so Kugel. In den letzten Wochen hat sie begonnen, sich in die wichtigsten Themen intensiv einzuarbeiten, hat zahlreiche Gespräche geführt, Besuche bei den Kooperationspartnern der Gemeinde gemacht und ist dabei, ein Netzwerk mit den anderen Bürgermeisterkollegen aufzubauen.

Neben einigen Gesprächen mit Amtsleitern der Verwaltung ist sie aktuell dabei, Gespräche mit den Gemeinderatsfraktionen zu vereinbaren. Auf diese Weise möchte sie sich einen ersten Überblick verschaffen, Rückmeldungen und Wünsche aufnehmen und "das Ganze dann in Ruhe analysieren und bewerten". In den ersten Wochen ihrer Amtszeit möchte sie nicht nur ihre neuen Mitarbeiter kennenlernen, sondern auch die bisher üblichen Abläufe und Kommunikationswege im Rathaus sowie zwischen Verwaltung und Gemeinderat. "Als Quereinsteiger in die Verwaltung werde ich mich in den kommenden Wochen und Monaten sehr intensiv einarbeiten und keine voreiligen und unabgestimmten Entscheidungen treffen. Ich bitte dafür um Verständnis und Geduld," erklärt Elisabeth Kugel.

Ein gutes Miteinander zwischen Bürgern, Verwaltung und Gemeinderat liegt ihr sehr am Herzen und sie hofft auf viele konstruktive Vorschläge der Bürger. Dennoch möchte sie ihre Wahlkampfthemen von "mehr Bürgernähe" und "auf Augenhöhe" nicht dahingehend missverstanden wissen, dass der Bürger meint, er treffe die Entscheidungen. "Die Bürgermeinung hat einen hohen Stellenwert, aber entschieden wird im Gremium," macht Kugel deutlich. Von ihrem Amtsvorgänger wird sie sich "im Stil und in der Kommunikation" unterscheiden. "Herr Schmid hat sicherlich sein Bestes für Meckenbeuren gegeben und intensiven Einsatz gebracht, um viele Entwicklungen und Projekte erfolgreich voranzubringen. Daran möchte ich selbstverständlich mit dem Know-how der Gemeindeverwaltung und den Gemeinderäten anknüpfen," verspricht Elisabeth Kugel.

Zur Person

Elisabeth Kugel wurde 1971 in Tettnang geboren. Sie hat soziale Arbeit in der Verwaltung studiert und hat als Diplom-Sozialpädagogin zunächst beim Kreisjugendamt gearbeitet. Von 2003 bis 2017 war sie in der kommunalen Jugend- und Schulsozialarbeit in Meckenbeuren tätig. Sie ist Kirchengemeinderätin in der evangelischen Kirchengemeinde Meckenbeuren und Mitglied im Kirchenbezirksausschuss Ravensburg. Am 4. Januar 2018 beginnt ihre Amtszeit als Bürgermeisterin Meckenbeurens, am 19. Januar erfolgt die offizielle Amtseinsetzung beim öffentlichen Bürgerempfang. (kes)