"Mir san Labrassbanda und i kunn nur bayrisch re'n. Versteht's ihr mi trotzdem?" Was für eine Frage, die Stefan Dettl da im riesigen Zelt beim proppenvollen Meckenbeurer Weinfest stellt, wo ein Weinglas unter all den Plastikbierbechern direkt auffallen würde. Natürlich versteht man Labrassbanda! Die Hochgeschwindigkeits-Blaskapelle ist Kult und der Musikverein Meckenbeuren hat dieses Konzert fast ein ganzes Jahr lang vorbereitet. Die "Spielregeln", die der Labrassbanda-Frontmann verkündet, sind denn auch nur Formsache: "Mir blos'n wie wahnsinnig in uns're Trompetn nei und mir spuin so laut wie's geht – weil, es muss sich was rühr'n."

Und wie sich was rührt. Vom ersten Lied an hüpft vor der Bühne ein kleiner Pulk, der rasch immer Weitere mitreißt. Um eine Stimmung wie auf dem Höhepunkt eines Punkkonzerts zu zaubern, dafür brauchen Labrassbanda ungefähr drei Minuten. Von Anfang an ist Atemlosigkeit angesagt: Nervös flatternde Bläsersätze, ein vorantreibender Schlagzeugbeat und ein böse sichelnder E-Bass. Ganz besonders tut sich Tubist Stefan Huber hervor: an ihm, der 2014 Stefan Hofmeir ersetzte, ist schon bald der Vollbart das einzig Trockene. Alles andere trieft von Schweiß, denn die Tuba ist der Motor beim Blasmusiktechno der Marke Labrassbanda. Pausen vom Temperament-Exzess gibt es nur für die Ansagen von Stefan Dettl. "Habt's ihr Lust zum springa?", fragt er, und schon wummert der Bass wie bei AC/DC, der Drummer schlägt Beulen in die Kuhglocke und die Bläser nehmen Anlauf für ihren nächsten Tröten-Tornado.
 

Die Laune stimmt im Bierzelt und das Handy feiert mit.
Die Laune stimmt im Bierzelt und das Handy feiert mit. | Bild: Harald Ruppert

Nein, Labrassbanda schonen sich nicht. Auch nicht im Ablaufplan ihrer "Bierzelt-Tournee 2017": im fernen Hamburg hat die Band am Abend nach dem Konzert in Meckenbeuren zu sein, am anderen Ende der Republik. Der Tourbus vor dem Zelt wartet quasi schon mit laufendem Motor; anders als mit Hochdruck kann man bei Labrassbanda nicht. Trotzdem will man darüber den Kontakt zur Basis nicht verlieren: zu den Blasmusikvereinen. Entsprechend deutlich fällt Stefan Dettls Kompliment an den veranstaltenden Musikverein Meckenbeuren aus: "Ausverkauftes Haus! Ihr habt's elf Monate Werbung gmacht, seid super vorbereitet, die Technik ist der Wahnsinn." Kein Zweifel: Barfuß statt borniert stehen Labrassbanda mit sämtlichen Beinen geerdet auf der Bierzeltbühne.

Atemlose Überflieger sind sie trotzdem, das zeigt spätestens der Song "Ujemama", in dem Stefan Dettls Sprechgesang im Ragga- und Dancehall-Stil dahinprescht. Ein weiterer Laune-Höhepunkt, bei dem man aber aufpassen muss, um vom Text etwas mitzukriegen: Packend und emotional wird die Flucht eines jungen Afrikaners geschildert. Der Druck und das Tempo des Liedes vermitteln auch die Angst und die Verfolgung des Flüchtenden. Dass Labrassbanda inzwischen weltweit unterwegs sind, schlägt sich also nicht nur musikalisch nieder.

Reinheitsgebote gibt es angesichts der immer offeneren Horizonte sowieso nicht. Deshalb schlägt eine Nummer, die in Australien entstanden ist – die Tuba klingt ein wenig nach Didgeridoo – in den Bläsersätzen auch den Bogen zum Funk. Außerdem zeigen Labrassbanda, dass sie rotziger nach Punk klingen können als die Toten Hosen auf ihrem jüngsten Album.

Dass die Laune überkocht, liegt auch an den beiden Vorbands, die Labrassbanda den Boden bereiten: an der regionalen Brassband DAH und dem Reggae von Killamonjambo aus England. Letztere haben nur für diesen Auftritt 19 Stunden Anreise auf sich genommen, erklärt Stefan Dettl. Für ihn und seine "Brass-Bande" ist es Ehrensache, die Anheizer nicht ohne ein gemeinsam gespieltes Stück von der Bühne zu lassen. In der Brassmusikszene gibt es noch einen Teamgeist, von dem sich der Popzirkus eine Scheibe abschneiden kann. Auch dafür werden Labrassbanda vom Publikum gefeiert.
 

Gemeinschaftsgeist ist Ehrensache: Labrassbanda schotten sich von ihren Vorbands DAH und Killamonjambo nicht ab, sondern spielen mit ihnen eine gemeinsame Nummer. Ein Abschlussfoto gibt es auch noch.
Gemeinschaftsgeist ist Ehrensache: Labrassbanda schotten sich von ihren Vorbands DAH und Killamonjambo nicht ab, sondern spielen mit ihnen eine gemeinsame Nummer. Ein Abschlussfoto gibt es auch noch. | Bild: Harald Ruppert