Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Es dürfte die Ostvariante werden. 1998 war die Entscheidung noch für die Westvariante der Bundesstraße 30-neu bis Ravensburg/Eschach gefallen. Aber 2007 wurde das Naturschutzrecht geändert. Die Verantwortlichen waren sich einig: Wenn man beim Bau dieser Verkehrsachse Rechtssicherheit haben wolle, komme nach den Ergebnissen der neuesten Verkehrsuntersuchungen nur noch die Ostvariante in Betracht.

Bürgermeisterin Elisabeth Kugler: "Dem Ziel muss sich alles und jeder unterordnen"

Mehr als 500 Bürger kamen am Dienstagabend in der Humpishalle in Brochenzell, um sich aus erster Hand zu informieren. "Wir brauchen die B 30 so schnell wie möglich und diesem Ziel muss sich alles und jeder unterordnen", sagte Meckenbeurens Bürgermeisterin Elisabeth Kugel. Sie forderte alle Beteiligten auf, über den eigenen Schatten zu springen und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Von Regierungspräsident Klaus Tappeser wollte sie die schnelle Umsetzung und einen konkreten Zeit- und Maßnahmenplan.

Landrat Lothar Wölfle: "Landwirtschaft wird erheblich Federn lassen müssen"

Tappeser sagte, dass es ihm sehr am Herzen liege, die Verkehrssituation im Bodenseeraum zu verbessern. Er versprach, produktionsintegrierte Ausgleichsflächen zu schaffen, also die Bereiche, die man als Ausgleichsflächen brauche, nicht ganz der Landwirtschaft zu entziehen. Auch Landrat Lothar Wölfle betonte: "Die Landwirtschaft wird mit dieser Variante erheblich Federn lassen müssen. Ich gebe mein Wort, dass wir alles Menschenmögliche versuchen werden, diese Betroffenheit zu minimieren."

Planer sieht Varianten West und Mitte nicht genehmigungsfähig

Die Grafik zeigt die verschiedenen möglichen Varianten für die B 30-neu
Die Grafik zeigt die verschiedenen möglichen Varianten für die B 30-neu | Bild: SÜDKURIER-Grafik

Burchard Stocks vom Büro für Umweltsicherung und Infrastruktur begründete, warum die kürzeren Varianten vom Tisch zu sein scheinen: "Wenn die Variante Ost eine zielführende und zumutbare Alternative darstellt, sind die Varianten West und Mitte nicht genehmigungsfähig." Durch die Ostvariante werde auch die Luft- und Lärmbelastung für die Menschen an der Trasse steigen. Landrat Harald Sievers aus Ravensburg meinte daher, es sei jetzt ganz wichtig, diese Belange möglichst schnell abzuarbeiten, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.

Landrat Harald Sievers: "Baut endlich diesen Oberschwabenschnellweg weiter"

Vor- und Nachteile würden auch im Kreis Ravensburg abgewogen, sagte Sievers: "Die Westvariante hätte uns schneller nach Friedrichshafen gebracht, die Ostvariante beschleunigt aus Richtung Oberschwaben den Weg in Richtung Tettnang oder Kressbronn." Er appellierte: "Baut endlich diesen Oberschwabenschnellweg von Nord nach Süd weiter."

Bürgermeister Bruno Walter: "Warum fangen wir verflixt noch mal nicht einfach an?"

Landrat Lothar Wölfle fasste zusammen: "Jede Lösung für die Region ist besser als keine Lösung." Er sei froh, dass man sich jetzt nicht mehr mit drei Varianten auseinandersetzen müsse. Auch der Bürgermeister von Tettnang, Bruno Walter, erklärte, er habe genug von der 40-jährigen Hängepartie: "Wenn diese Lösung die einzig realisierbare und praktikable ist, warum fangen wir verflixt noch mal nicht einfach an?" Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke appelliert an die Bürger, diese Lösung zu akzeptieren: "Entweder wir streiten uns, dann werden wir nie eine Lösung kriegen, oder wir versuchen gemeinsam diese Chance zu nutzen." Franke meinte, dass man diese Chance nicht gefährden dürfe vor dem Hintergrund, dass es zwölf Maßnahmen im Bundesverkehrswegeplan Bodensee-Oberschwaben gebe, aber nur an zweien geplant werde.