2017 waren es 31, 2018 waren es 39 und 2019 waren es 32 Rohrbrüche, die das Stadtwerk am See in Markdorf reparieren musste. 2020 rückten die Mitarbeiter des regionalen Wasserversorgers weitere 27 Mal aus, um defekte Wasserrohre zu reparieren, ihnen Manschetten anzulegen oder sie gar ganz auszutauschen.

Planer Manuel Haag spricht von „mittlerer Schadensrate“

Manuel Haag, beim Stadtwerk am See unter anderem auch für die Planung und den Bau von Wasserversorgungsleitungen sowie von Wasseranlagen zuständig, hat bei der jüngsten Gemeinderatssitzung den Betriebsbericht für die Wasserversorgung vorgestellt. Er sprach mit Blick auf die Zahl der reparierten Rohrbrüche noch von einer „mittleren Schadensrate“, den Zustand des 124 Kilometer langen Markdorfer Wassernetzes bezeichnete er als „schlecht“.

Begründen lässt sich diese Bewertung mit den durchschnittlichen Wasserverlusten. Die seien ausgesprochen hoch, so Haag. 2020 wurden eine Million Kubikmeter Wasser gefördert, aber nur 800 000 verkauft. Mithin versickerten 200 000 Kubikmeter im Erdreich.

Auch in den alten Wasserhochbehälter rund um den Gehrenberg fallen immer wieder Wartungsarbeiten an.
Auch in den alten Wasserhochbehälter rund um den Gehrenberg fallen immer wieder Wartungsarbeiten an. | Bild: Jörg Büsche
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Korrodierte Leitungen führen zu hohen Verlusten

Diese verloren gegangenen Kubikmeter flossen aus den Lecks korrosionsgeschädigter Rohre oder sprudelten aus den offenen Bruchstellen. „Um die hohen Verluste zu minimieren“, so Manuel Haag, der von 20 Prozent spricht, „braucht es eine höhere Erneuerungsrate.“ Zumal es mit dem Flicken von Löchern keineswegs getan sei. Allzu oft tun sich direkt neben einem reparierten Loch neue Austrittsstellen auf.

Solcher Lochfraß habe etwas mit dem Material zu tun. Die Graugussleitungen aus den 60er-Jahren seien besonders anfällig. Wohingegen manch vier Jahrzehnte älteres Rohr auf Friedrichshafener Gemarkung nach 100 Jahren immer noch dicht hält. Manuel Haags dringender Rat lautet: Erneuern. Gehen doch schon aus einem unentdeckten nur drei Millimeter messenden Loch in der Leitung im Jahr rund 5000 Kubikmeter Wasser verloren. 16 000 Kubikmeter werden es bei einem Sechs-Millimeter-Loch.

FW-Stadtrat Arnold Holdstein: „Wasser ist ein wertvolles Gut“

„Ernüchternd“ nannte Arnold Holstein die Zahlen. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Markdorfer Wasserleitungen in einem so schlechten Zustand sind“, erklärte der Freie-Wähler-Stadtrat. „Wasser ist ein wertvolles Gut, das dürfen wir nicht einfach so verschleudern.“

Arnold Holstein.
Arnold Holstein. | Bild: SK
Alfons Viellieber.
Alfons Viellieber. | Bild: WWW.FOTODESIGN-SINGER.DE

Ähnliche Erschrockenheit kam auch aus den anderen Fraktionen. „Wir dürfen uns da nicht lange mit Herumflicken aufhalten“, schlug Alfons Viellieber von der CDU vor, „das einzig Sinnvolle ist konsequentes Erneuern. “

Mitverlegen von Leitungen spart Kosten

Beim Mitverlegen werden alte Wasserleitungen erneuert, sobald die Straße aufgerissen werden muss.
Beim Mitverlegen werden alte Wasserleitungen erneuert, sobald die Straße aufgerissen werden muss. | Bild: Jörg Büsche

Erneuert wurde schon an vielen Stellen. Unter anderem dort, wo Straßen saniert werden. Etwa in der Kreuzgasse oder in der Möggenweiler Straße. Doch riet Manuel Haag dringend zu mehr Investitionen, zu einer entschieden höheren Erneuerungsquote im maroden Wasserleitungsnetz. Um auf absehbarer Zeit die hohen Wasserverluste reduzieren zu können seien rund 700 000 Euro im Jahr nötig. Derzeit sind 200 000 Euro im städtischen Haushalt eingestellt.

Wie Stadtkämmerer Michael Lissner erläuterte, seien die für den Unterhalt des Leitungsnetzes vorgesehenen 700 000 Euro insofern hilfreich, dass sie erlauben, auch kurzfristig zu reagieren. „Das Thema sind die sogenannten Mitverlegungen“, so Lissner. Wenn die Straße ohnehin geöffnet werden müsse, könne in die freigelegte Wasserleitung gleich erneuert werden. Das erspare erhebliche Kosten. Es brauche aber finanzieller Reserven, um die Wasserleitung zu erneuern.

Außer den Leitungen verursachen auch die Anlagen zur Wasserversorgung erhebliche Kosten.
Außer den Leitungen verursachen auch die Anlagen zur Wasserversorgung erhebliche Kosten. | Bild: Jörg Büsche

Auf die Bürger kommen höhere Wassergebühren zu

„Eine Doppelbelastung“ sieht Christiane Oßwald, Stadträtin der Umweltgruppe, auf die Bürger zukommen. Zum einen schnellten derzeit ohnehin die Energiekosten in die Höhe. Und dann will die Stadt auch noch die Wassergebühren erhöhen. Von einer „Doppelbelastung“ wollte Bürgermeister Georg Riedmann nicht sprechen. „Aber die Stadt ist auf das Wohlwollen der Bürger angewiesen“, wenn sie weiteren hohen Wasserverlusten vorbeugen wolle.

Die Preise fürs Markdorfer Wasser steigen – ebenso wie die Grundgebühren.
Die Preise fürs Markdorfer Wasser steigen – ebenso wie die Grundgebühren. | Bild: Jörg Büsche

Einen Spar-Tipp gab Uwe Achilles, Fraktionsvorsitzender der SPD: „Nicht-Verbrauch ist immer noch der günstigste Verbrauch.“ Hilfreich sei das Wassersparen. Die ab Januar 2022 steigenden Wassergebühren nannte Stadtkämmerer Michael Lissner eine „schmerzhafte Geschichte“. Sie seien aber notwendig, um die hohen Verluste zu reduzieren. Derzeit liegen sie bei 1,80 Euro je Kubikmeter, ab Januar 2022 bei 2,40 Euro.

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