Halloween steht vor der Tür und damit liegt der Fokus derzeit wieder vermehrt auf einer Frucht: dem Kürbis. Schon seit einigen Wochen gibt es Kürbisstände, an denen die verschiedenen Sorten zum Verkauf stehen. Neben dem bekannten und beliebten Hokkaido gibt es noch etliche andere Sorten zu entdecken. Landwirt Bruno Stotz aus Wirrensegel hält 100 verschiedene Kürbissorten vor, die sich in Größe, Geschmack, Aussehen und Zubereitung unterscheiden. „Die Menschen werden experimentierfreudiger und trauen sich auch an Sorten mit ungewöhnlichen Namen oder einzigartigen Formen heran“, freut sich Kürbisbauer Stotz.

Nicht nur schön anzusehen dieser Kürbisstand von Bruno Stotz. Jede einzelne Sorte ist eine Delikatesse für sich und der Kreativität des Kochs sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Nicht nur schön anzusehen dieser Kürbisstand von Bruno Stotz. Jede einzelne Sorte ist eine Delikatesse für sich und der Kreativität des Kochs sind dabei keine Grenzen gesetzt. | Bild: Kerstin Oettle

Neben Kamo Kamo, einem Kürbis der Maori Ureinwohner aus Neuseeland, gibt es auch den eher „hässlichen“ Green Hubbard am Stotz-Stand oder den Acorn, der sich perfekt zum Füllen eignet. Gastwirte hätten in den vergangenen Jahren meist für sechs Wochen den Kürbis in seinen verschiedensten Zubereitungen auf der Karte gehabt, so der 27-Jährige. Er habe da oft über die Vielfältigkeit der Gerichte, die in den Küchen mit dem Kürbis kredenzt werden, gestaunt, berichtet Stotz. Ab kommender Woche treffen allerdings die Corona-Einschränkungen die Gastronomie hart. Im Laufe der Woche wird nicht nur an den Ständen der Kürbisbauern die Hochsaison des Riesengemüses sichtbar werden, auch vor vielen Haustüren und Hofeinfahrten werden vermutlich die ausgehöhlten Gesichter ihren Platz finden sowie in der Dunkelheit die Kreativität ihrer Besitzer zur Schau stellen und damit Halloween ankündigen.

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Kein Brauch aus Amerika

Da dieses Fest „sehr verkitscht und kommerzialisiert ist, denken die meisten, dass es ein Brauch aus Amerika ist“, dem ist nicht so, klärt Stotz auf. „Halloween kommt ursprünglich aus Irland und wurde von den irischen Einwanderern nach Amerika getragen und ausgebaut“, so der Kürbisexperte weiter. „Halloween kommt von All Hallows‘ Eve, der Abend vor Allerheiligen, an dem die Katholiken ihrer Verstorbenen und aller Armen Seelen im Fegefeuer durch Gebet und Ablässe gedenken“, weiß Stotz zu berichten. Seit den 90er Jahren ist dieser Brauch nach Europa „eingewandert“ und erfreut sich auch in Deutschland bei Groß und Klein großer Beliebtheit. Beispielsweise wurden vor kurzem noch Kürbisschnitzkurse für Kinder angeboten, Gruselpartys werden dieses Jahr ausfallen.

Rezept: Kürbis-Cheesecake

Damit eine geschnitzte Gruselfratze nicht gleich wieder zusammenfällt, sollte „an den Kürbiswänden ausreichend festes Fruchtfleisch stehen bleiben, aber alle Fasern entfernt und warme, sehr sonnige Plätze über längere Zeit vermieden werden“, rät der junge Kürbisbauer. „Für alle anderen Speisekürbisse gilt, durch eine Lagerung von ein bis zwei Monaten oder mehr, gewinnt der Kürbis eher an Qualität, da das Fruchtwasser weniger wird und der Geschmack zunimmt“, erklärt der Landwirt. Da der Kürbis sehr saisonal ist, vielfältigster kulinarischer Verwendung unterliegt und sich auch durch Halloween größter Beliebtheit erfreut, „ist der Anbau und Absatz ein sehr verlässliches Standbein für uns Bauern und wir können auf viel Routine und Automatismen zurückgreifen“, so der Landwirt. „Was uns wiederum Spielraum gibt, für innovatives Marketing und neue Absatzmärkte, wie beispielsweise unser Stand vor dem Lago in Konstanz. Dort kommen wir täglich mit vielen Menschen ins Gespräch über Kürbisse, Landwirtschaft und zukünftige Verkaufskanäle“, freut sich Stotz.

Frisch vom Feld und danach durch die Waschanlage, nur saubere Kürbisse sind eine Augenweide.
Frisch vom Feld und danach durch die Waschanlage, nur saubere Kürbisse sind eine Augenweide. | Bild: Kerstin Oettle

Abwechslung und Innovation versucht Stotz in seinen Ständen und Produkten aber auch in den Arbeitsprozessen auf dem Hof umzusetzen. „Ist das Wetter schön, geht‘s raus aufs Feld oder in die Bäume, spielt das Wetter nicht so mit, werden Arbeiten auf dem Hof verrichtet, beispielsweise das Säubern der Kürbisse in der Waschanlage“, erklärt der Ittendorfer. „Aber fester Bestandteil eines jeden Tages, unabhängig vom Wetter, ist das gemeinsame Essen zum Mittag, welches täglich von der Oma frisch gekocht wird“, berichtet sich Bruno Stotz. Der Renner im Herbst sind für die Familie neben der Kürbissuppe jedes Jahr wieder die Kürbispommes.

Bruno (5) und Robin (7) sind eigentlich auf der Suche nach einem großen Halloween-Kürbis aber freuen sich erstmal über die „ulkigen“ Formen die sie am Stotz-Stand entdeckten.
Bruno (5) und Robin (7) sind eigentlich auf der Suche nach einem großen Halloween-Kürbis aber freuen sich erstmal über die „ulkigen“ Formen die sie am Stotz-Stand entdeckten. | Bild: Kerstin Oettle

Stotz und sein Team sind überzeugt davon, dass Kürbisse glücklich machen. „Ob als kulinarischer Genuss, herbstliche Dekoration oder leuchtender Kürbisgeist, sie geben uns positive Gefühle“, so der Landwirt. „In diesem Jahr, unter den besonderen Umständen“, meint Bruno Stotz zu spüren und in Gesprächen rauszuhören, dass sich ein neues Gefühl oder besser gesagt ein anderes Bewusstsein entwickelt und in seiner Ausprägung nun deutlicher wird, als die Jahre zuvor, „Natur ist der neue Luxus“, ist sich Bruno Stotz sicher.

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