Kurt Wörner liebt Heimatgeschichte. Der Leimbacher interessiert sich für alte Fotos, historische Geschichten und Schriften, damit diese nicht in Archiven in Vergessenheit geraten. Für Kurt Wörner, der zum 750-jährigen Jubiläum von Leimbach die Ortshistorie zusammengetragen hat, ist es eine wahre Freude in Unterlagen und Urkunden zu lesen und diese aus dem Altdeutsch zu übersetzen. Seit er in Rente ist, hat er noch mehr Zeit für sein Hobby und so hat sich der 64-Jährige in den vergangenen Monaten vor allem einer Tätigkeit gewidmet: Dem Suchen und Finden von Grenzsteinen.

Kurt Wörner liebt Heimatgeschichte. Rund zwei Jahre lang war er auf der Suche nach Grenzsteinen, über 200 Stück hat er gefunden.
Kurt Wörner liebt Heimatgeschichte. Rund zwei Jahre lang war er auf der Suche nach Grenzsteinen, über 200 Stück hat er gefunden. | Bild: Nosswitz, Stefanie
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Dahinter steckt das Kleindenkmalprojekt des Bodenseekreises, dessen Ziel es ist, alle zahlreichen kleinen, vielfach gefährdeten Denkmale möglichst flächendeckend im Kreisgebiet von Ehrenamtlichen zu erfassen, zu erforschen, um sie für die Zukunft zu bewahren. Im November 2018 startete dieses Projekt und Kurt Wörner hat sich daran beteiligt und in dieser Zeit einiges an Feld- und Wegkreuzen, Brunnen, Inschriften, Statuen, Gedenk- oder historische Grenzsteine zusammengetragen. Das Ergebnis hat er nun dem Kreisarchiv in Salem übermittelt, von dort geht es nach Stuttgart, wo alle Dokumentationen zusammengefasst werden. „Es soll irgendwann daraus ein Buch entstehen“, so Wörner.

Was Sie über Grenzsteine wissen sollten

222 Grenzsteine hat Kurt Wörner dokumentiert

222 Grenzsteine hat Kurt Wörner auf der alter Grenzlinie zwischen Baden und Württemberg – von Immenstaad bis zum Höchsten – gefunden und registriert, dazu kommen die Grenzsteine in der Altgemeinde Riedheim. Während Markdorf früher zum Bistum Konstanz gehörte, zählte Riedheim zu Heiligenberg. Über zwei Jahre war Kurt Wörner mit dem Projekt beschäftigt, hat anhand alter Karten um 1890 aus dem Landesarchiv Freiburg die Steine gesucht, abfotografiert, ausgemessen, beschrieben und dokumentiert.

Gemarkung Markdorf
Gemarkung Markdorf | Bild: Wörner, Kurt
Die Gemarkung der Altgemeinde Riedheim
Die Gemarkung der Altgemeinde Riedheim | Bild: Wörner, Kurt

Besonderer Stein steht in Ittendorf im Gewann Hub

Ein besonderer Grenzstein steht in Ittendorf im Gewann Hub. „Das Wappen gehörte sehr wahrscheinlich zum Fürstbistum Konstanz“, berichtet Wörner, der den Grenzstein auf das Jahr 1782 schätzt. Dass er auch die Grenzsteine von Ittendorf aufgenommen hat, sei so eigentlich nicht geplant gewesen, sein Spezialgebiet ist Riedheim. „In Ittendorf musste ich mich eher durchfragen“, erzählt Wörner, der sogar einen Grenzstein im eigenen Garten stehen hat.

Angefangen hat alles mit dem Dreikaiserstein am Gehrenberg. Seinen Namen bekam der Grenzstein 1888 als es in dem Gebiet eine erneute Grenzbegehung gab. Es war das Dreikaiserjahr – innerhalb von nur vier Monaten regierten drei Generationen von Herrschern Deutschland: Wilhelm I, Friedrich III und Wilhelm II.

Der besondere Grenzstein von Ittendorf im Gewann Hub. Das Wappen gehörte sehr wahrscheinlich zum Fürstbistum Konstanz.
Der besondere Grenzstein von Ittendorf im Gewann Hub. Das Wappen gehörte sehr wahrscheinlich zum Fürstbistum Konstanz. | Bild: Wörner, Kurt

40 Prozent der alten Grenzsteine fehlen

„In den Wäldern hat man noch gute Chancen Grenzsteine zu finden, auf Wiesen oder in Bächen sieht es da leider anders aus“, berichtet Kurt Wörner. Grenzsteine an Bachgrenzen können Aufgrund der Veränderungen des Bachbettes in den letzten hundert Jahren nur sehr schwer gefunden werden, im Normalfall wurden sie im Bachbett weggeschwemmt und verschüttet. Jeder Grenzstein hatte eine Markierung, in welcher Richtung sich der nächste Stein befindet. Die Suche nach dem nächsten Stein verlief mal mehr, mal weniger erfolgreich. Während einige Steine gut gepflegt sind, sind viele auch in keinem guten Zustand. Wörner schätzt, dass bis zu 40 Prozent der Grenzsteine mittlerweile fehlen. Die meisten Grenzsteine stammen um das Jahr 1888 und sind aus Sandstein.

Einige Beispiele von Grenzsteinen,
Einige Beispiele von Grenzsteinen, | Bild: Wörner, Kurt
die Kurt Wörner rund um Riedheim, Ittendorf und Markdorf
die Kurt Wörner rund um Riedheim, Ittendorf und Markdorf | Bild: Wörner, Kurt
in den vergangenen zwei Jahren
in den vergangenen zwei Jahren | Bild: Wörner, Kurt
gefunden, fotografiert und dokumentiert hat.
gefunden, fotografiert und dokumentiert hat. | Bild: Wörner, Kurt

Für Kurt Wörner ist es wichtig, der nächsten Generation historisches Wissen mitzugeben. „Als Zeugen der Geschichte kann man die noch vorhandenen Markungsgrenzsteine bezeichnen“, so der Leimbacher. Heute sind sie nicht mehr rechtlich verbindlich, sie haben nur noch kulturhistorische und heimatgeschichtliche Bedeutung. Neben Grenzsteinen hat Kurt Wörner auch Kleindenkmale für Riedheim und Ittendorf erfasst. Kleindenkmale dienen einem bestimmten Zweck oder erinnern an ein Ereignis oder eine Person. „Sie erzählen vom Leben unserer Vorfahren und prägen unsere Kulturlandschaft“, so der Hobby-Historiker.

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Neues Projekt: Stolperstein für Eugenie Guldin

Kurt Wörner wäre nicht Kurt Wörner, wenn er nicht schon das nächste Projekt im Kopf hätte. Er möchte einen Stolperstein für Eugenie Guldin initiieren und dafür das Gespräch mit Bürgermeister Georg Riedmann suchen. „Ich könnte mir das am Rathausplatz bei der Erinnerungstafel der erschossenen Soldaten vorstellen.“ Die Markdorferin Eugenie Guldin fand am 1. März 1945 im Frauen-KZ Ravensbrück den Tod. Die junge Frau war an ihrer Arbeitsstelle bei der Reichsbahn am Markdorfer Bahnhof von zwei Kolleginnen denunziert worden – „wegen einer Kleinigkeit“, wie Kurt Wörner berichtet, der diese Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen möchte.

Eugenie Guldin
Eugenie Guldin | Bild: Privat