Die Markdorfer haben es gut. In ihrer Stadt ist manches einfacher als woanders: zum Beispiel die Orientierung. Wenn etwa am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 11. September, die Stadt zu einer historischen Spurensuche einlädt, dann macht zumindest das Aufspüren des Treffpunkts keinerlei Umstände. Die an Markdorfs Vergangenheit Interessierten brauchen sich nur um 11.30 Uhr im Innenhof des Bischofschlosses einzufinden.

Alles weitere werden sie von Hermann Zitzlsperger erfahren. Darüber hinaus aber auch beim anschließenden etwa einstündigen Rundgang durch die Innenstadt, bei dem Lokal- und Kunsthistoriker Zitzlsperger erklären wird, was es mit den zahlreichen Wappen, Schildern, Hauszeichen und Fassadenelementen auf sich hat, die sich an den Markdorfer Häusern zeigen. Hauptamtsleiter Klaus Schiele, Organisator des bauhistorischen Rundgangs, wird weitere Hintergründe erläutern.

Wenig Prunk, mehr Pracht

„Wir beginnen mit dem Naheliegendsten“, erklärt Schiele, „mit den beiden Wappen, die am Schloss zu sehen sind.“ Da sei zum einen, etwas versteckt, das alte Wappen des Bischofs Hugo von Hohenlandenberg. Dem begegnet, wer die Stufen genommen hat – hin zum Eingang des fünfgeschossigen Wohnturms, den die Konstanzer Fürstbischöfe einst als Sommerresidenz nutzten. Auf der Markdorfer Webseite ist ausdrücklich vermerkt, dass das Wappen des Hohenlandenbergers „sehr schlicht“ ausgefallen sei.

Am Tag des offenen Denkals wird durch die Innenstadt geführt. Wappen und Hausmarken werden dann aus der Vergangenheit erzählen, weil ...
Am Tag des offenen Denkals wird durch die Innenstadt geführt. Wappen und Hausmarken werden dann aus der Vergangenheit erzählen, weil Hermann Zitzelsperger sie zum Sprechen bringt. | Bild: Jörg Büsche

Ob das dem Geschmack der Zeit geschuldet ist, am Beginn des 16. Jahrhunderts, oder ob dem Konstanzer Bischof wegen seiner fortwährenden Zwistigkeiten mit den Konstanzern einfach nicht der Sinn war nach mehr Prunk auf dem Wappen, das verrät das Internet nicht. Sicher aber wird Geschichtskenner Zitzelsperger Antworten geben. Die Nachfolger Hugo von Landenbergs entfalten jedenfalls deutlich mehr Pracht. Ihr Wappen prangt, heute notdürftig gesichert, gleich nebenan am jüngeren Langhaus, dem im 18. Jahrhundert entstandenen neuen Bau.

Fehlende Adresse – was tun?

Zum Treffpunkt im Schlosshof findet jeder hin. Zumindest die Markdorfer wissen, dass ihr Wahrzeichen einst Bischofschloss war. Da lässt sich leicht auf die Angabe von Hausnummern verzichten. Doch wie steht es mit dem fürstbischöflichen Rentamt, den Klosterhöfen oder dem ehemaligen Siechenhaus? Ohne Adresse, Hausnummer und Straße beginne für manchen das Suchen. Und auch das will jene Spurensuche gerade zeigen, zu der die Arbeitsgemeinschaft Geschichte im Bodenseekreis am Sonntag einlädt. Schließlich lautet das Motto „Kultur-Spur“. Denn an den Wappen lässt sich kultureller Wandel ablesen. Wappenzierende Löwen, Schwerter, Bischofshüte tragen Bedeutung, haben Signalwirkung. Und wenn nicht adelige Bürger ihre Häuser mit aufwendigen Wappen schmücken, dann bedeutet das ebenfalls etwas.

Bürgerstolz hat oftmals etwa mit der Berufsehre zu tun.
Bürgerstolz hat oftmals etwa mit der Berufsehre zu tun. | Bild: Jörg Büsche

Es hat auch eine andere Bedeutung als die sogenannten Hauszeichen. Die dienten auf Bürgerhäusern als Markierung, dienten Ortsfremden zur besseren Orientierung. Das Symbol darauf gab dem Gebäude einen Namen. Nach dem gefragt werden konnte. Wie gesagt: Die Markdorfer haben es gut. Ihre Stadt ist übersichtlich – früher noch mehr als heute. Während man woanders, besonders in den großen Städten einst dankbar sein musste für jeden Hinweis. Da war es dann ein großer Fortschritt, als allmählich, verstärkt um die Mitte des 18. Jahrhunderts Hausnummern eingeführt wurden.

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Hinweise zur besseren Orientierung in Kultur und Geschichte wird Hermann Zitzlsperger jedoch nicht nur in Markdorf liefern. Am Nachmittag um 14 Uhr führt er durch Bermatingen, erläutert wiederum Wappenschilder, Schilder, Hauszeichen und Skulpturen. Und auch dort, so vermutet Klaus Schiele, werden die Zuhörer wieder „wie gebannt an seinen Lippen hängen“. Orientierungshilfe ganz anderer Art gibt es im Deggenhausertal. In der Eschlestraße 1 wird im frisch sanierten kleinen Bauernhaus von Stefanie Moog erläutert, wie sich Denkmalschutz und modernes Wohnen vereinbaren lassen.