Das Thema Corona sei etwas aus dem Blickfeld geraten, doch längst nicht erledigt, erklärte Ernst Arnegger bei seiner jüngsten „I mein‘ halt“-Gesprächsrunde nach der Zwangspause. Eingeladen waren Christoph Keckeisen, erster Landesbeamten im Bodenseekreis und Leiter des Corona-Krisenstabs im Landratsamt, außerdem Apotheker Matthias Maunz und Christof Metzler, Obmann der Kinder- und Jugendärzte im Bodenseekreis. Alle drei sollten über die von ihnen gemachten Erfahrungen während der vergangenen beiden Pandemiejahre berichten. Skizzieren, mit welchen besonderen Herausforderungen sie in Arbeitsbereichen konfrontiert waren. Und sie sollten einschätzen, wie sich die Pandemie weiterentwickeln könnte.

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Kinderarzt: Corona-Impfung für Kinder unnötig

„Wie soll ich mich denn am besten verhalten“, wandte sich Elisabeth Arnegger, eine der Besucherinnen, an den Mediziner Christof Metzler. Solle sie sich möglichst rasch ihre Booster-Impfung auffrischen lassen oder besser noch abwarten. Metzler riet unbedingt zur Impfung. Diejenigen, die vorerkrankt sind, die ein hohes Risiko tragen, ruhig sobald der Impfschutz nachlässt. Allen anderen empfahl er abzuwarten. Zumal das Infektionsrisiko in den kommenden Sommermonaten relativ gering sei. Einer anderen Besucherin antwortete Metzler, dass aus seiner Sicht eine Corona-Impfung von Kindern kaum nötig sei. Es sei denn, die Kinder gehören selbst zu einer Risikogruppe.

Wie wird der Herbst?

Für Erwachsene hingegen gelte: „Nach einem halben Jahr büßt der Impfschutz stark an Wirkung ein“, dann bedürfe es einer neuen Dosis. Der Arzt verglich es mit Autos. „Autos mit Elektroantrieb sind keine Benziner.“ Dann gebe es auch noch Dieselfahrzeuge. Ganz abgesehen von den verschiedenen Marken. „Ein Mercedes ist etwas anderes als ein Volkswagen.“ Und so ähnlich verhalte es sich mit den Viren. Alle heißen „Virus“, aber jedes Virus funktioniere anders. Und die Forschung versuche, darauf zu reagieren. Ob der Winter aggressive oder harmlose Coronavirus-Varianten beschert, ist ungewiss.

Die Messe in Friedrichshafen diente als Testzentrum, hier ein Bild von März 2020.
Die Messe in Friedrichshafen diente als Testzentrum, hier ein Bild von März 2020. | Bild: Lippisch, Mona

Viel Ungewissheit und Unwissenheit im März 2020

Ungewissheit, Unsicherheit war denn auch das, womit der Krisenstab im Landratsamt im Frühjahr 2020 zu kämpfen hatte. So berichtete Christoph Keckeisen, dessen Koordinator. Sicher war zu Beginn der Pandemie nur: „Wir wollten unbedingt vermeiden, dass sich auch bei uns die Särge stapeln.“ Keckeisen zitierte die erste Lagemeldung vom 27. Februar 2020. Er schilderte die anfängliche Ratlosigkeit, weil unklar war, wie sich das Virus ausbreitet. Schutzanzugknappheit, beschränkte Laborkapazitäten bremsten. Demgegenüber funktionierte die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen, mit der Ärzteschaft, aber auch mit den Gemeinden überaus gut, blickte Keckeisen zurück.

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Keckeisen schilderte den Aufbau des Testzentrums in der Friedrichshafener Messe. Das nervenzehrende Reagieren müssen auf die an Freitagnachmittagen eintreffenden neuen Verordnungen aus Stuttgart sparte er indes nicht aus. Man habe viel gelernt aus der Krise – auch das Arbeiten im Homeoffice. “Der aktuelle Inzidenzwert im Bodenseekreis liegt bei 415,3“, erklärte Keckeisen. Vor zwei Jahren durften bei einem Inzidenzwert von 35 nicht zwei Leute auf einer Parkbank nebeneinandersitzen.“ Kinder- und Jugendarzt Metzler wandte sich direkt an den Ersten Landesbeamten. „Was ich vermisst habe, sind einfache, klare Botschaften.“ Im Dickicht der Informationen gehe der Überblick verloren.

Apotheker schildert Engpässe

Überaus strapaziert waren auch die Apotheken, berichtete Matthias Maunz. „Es ist ja nicht so, dass wir vor Corona Däumchen gedreht hätten.“ Doch plötzlich galt es Desinfektionsmittel zu organisieren, später Masken, dann die Betriebsabläufe in der Apotheke krisensicher umzugestalten. Nebenher wollten Kunden informiert, beraten werden. Und parallel dazu „hat das Telefon nicht still gestanden“, weil aus allen Ecken des Landes nach Fehlendem gefragt wurde.

„Was sich gezeigt hat“, so Apotheker Maunz, „wie wichtig unser stabiles Apothekennetz in Deutschland ist.“ Und noch etwas habe sich erwiesen: „Dass es verhängnisvoll ist, wenn bestimmte Wirkstoffe nur in einem Land produziert werden.“ Die Produktion wichtiger Güter müsse unbedingt dezentral ablaufen, damit es nicht wieder zu Engpässen kommt – wie in der Coronakrise.

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