Bereits seit Monaten gehört das Desinfizieren und Waschen der Spielsachen zum Arbeitstag von Sandra Schmidt aus Bermatingen. Neue, mit einem Deckel verschließbare Kisten machen es einfacher. „Die Kinder sagen mir inzwischen ganz selbstverständlich, dass sie zum Beispiel die Autokiste aufmachen“, schildert sie.

Abends wisse sie dann ganz genau, welche Spielsachen sie per Sprühflasche desinfizieren müsse. Deutlich schwieriger ist es, mit dem so dringend empfohlenen Abstand. „Das geht selbst bei Grundschulkindern nicht und auch ein zwölfjähriges Mädchen muss ich mal in den Arm nehmen können.“

Ins Spielzimmer dürfen immer nur zwei Kinder

Aktuell betreut Sandra Schmidt drei ihrer vier Tageskinder, die zwischen knapp zwei und 13 Jahre alt sind. Wegen der Größe des Raums dürfen aktuell immer nur zwei Kinder gleichzeitig ins Spielzimmer. Regelmäßig lüfte sie und reinige beispielsweise die Lichtschalter.

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Den Kindern seien die Hygieneregeln mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. „Es ist für sie selbstverständlich, dass sie sich beim Ankommen erst mal die Hände waschen und sie haben sogar ihren Spaß daran, auf die halbe Minute zu achten“, berichtet Sandra Schmidt, die seit 2003 Tagesmutter ist.

Unter dem Strich seien die Kinder genauso fröhlich wie vor Corona. Eine große Umstellung sei jedoch das Homeschooling für die größeren.

Positive Stimmung überträgt sich auf die Kleinen

Wichtig ist Sandra Schmidt, dass sie ihre positive Grundstimmung behält, übertrage die sich doch auf die Kinder. „Statt einen Ausflug zu machen gehen wir jetzt in den Wald. Es gibt so viel zu entdecken.“

Schwierig sei hingegen der Umgang mit Erkältungserkrankungen und den damit verbundenen Unsicherheiten. „Ist es nur ein Schnupfen oder ist es Corona?“, fragt sie sich. Die einzige Lösung sei, dass erkältete Kinder nicht zur Tagesmutter kommen können.

„Es wäre toll, wenn man mal wieder planen könnte“

Söhnchen Theo freut sich, wenn Mama vorliest: Tagesmutter Hannah Jahns würde gern wieder planen können. Aktuell ist sie für drei Kinder im Rahmen der Notbetreuung da.
Söhnchen Theo freut sich, wenn Mama vorliest: Tagesmutter Hannah Jahns würde gern wieder planen können. Aktuell ist sie für drei Kinder im Rahmen der Notbetreuung da. | Bild: Claudia Wörner

Hannah Jahns und ihr Mann haben sich im vergangenen Jahr mit extra Räumen in ihrem „Knirpsgarten“ als Tageseltern selbstständig gemacht. „Eigentlich wollten wir im März öffnen, aber das fiel erst mal flach und wir mussten Soforthilfe beantragen“, berichtet Hannah Jahns.

Ende Mai konnten sie endlich eröffnen und mit drei Kindern beginnen. Aktuell würden sie eigentlich acht Kinder betreuen, Anspruch auf Notbetreuung haben jedoch nur drei. Als Problem schildert die Tagesmutter die Kurzfristigkeit der geltenden Bestimmungen. „Da heißt es, sehr schnell und flexibel zu sein. Es wäre toll, wenn man mal wieder planen könnte.“

Landratsamt unterstützt im zweiten Lockdown

Theo im Knirpsgarten: Der Kleine hat Glück, denn seine Eltern sind als Pflegeeltern nicht nur für ihn, sondern auch für andere Kinder in der Notbetreuung da.
Theo im Knirpsgarten: Der Kleine hat Glück, denn seine Eltern sind als Pflegeeltern nicht nur für ihn, sondern auch für andere Kinder in der Notbetreuung da. | Bild: Claudia Wörner

Das älteste von Jahns Tageskindern ist drei Jahre alt. Bevor die Kleinen zu den Tageseltern gekommen seien, hätten sie wegen der Corona-Pandemie nur wenig Kontakt zu anderen Kindern gehabt. „Dadurch wurde die Eingewöhnung schwieriger“, sagt Hannah Jahns, die von Beruf Erzieherin und Heilpädagogin ist. Insbesondere wenn keine Geschwister da seien, müssten die Kinder das Spielen mit anderen erst mal lernen.

Bei Wind und Wetter nach draußen zu gehen, halte die Kleinen bei Laune. „Wir achten auf einen rhythmischen Tagesablauf, ähnlich wie im Kindergarten“, beschreibt sie. Ein Glück sei, dass sie und ihr Mann vom Landratsamt des Bodenseekreises während des zweiten Lockdowns im Dezember und Januar weiter bezahlt worden seien.

Sabine Bruckert ist beim Jugendamt des Bodenseekreises als Tagespflegefachkraft zuständig für Markdorf, Oberteuringen und Bermatingen.

Körperkontakt mit Kleinen ist ein Muss

Birgit Wörner aus Leimbach kam 2017 über ihre Enkelkinder zur Arbeit als Tagesmutter. Eines von vier kommt aktuell zu ihr in die Notbetreuung. Bis auf den Mehraufwand durch die Hygienemaßnahmen habe sich ihr Alltag mit den bis zu dreijährigen Kindern nicht verändert.

Sie baue Schneemänner mit ihnen, gehe so viel wie möglich raus. Ansonsten ist das liebevoll eingerichtete Spielzimmer ein echtes Eldorado für die Kleinen. „Ich nehme die Kleinen genauso wie vorher in den Arm und schmuse mit ihnen. Auch beim Wickeln ist Körperkontakt ja ein Muss.“

Perlen sortieren macht Spaß: Sophia (4) und Moritz (2) im Spielzimmer von Tagesmutter Birgit Wörner.
Perlen sortieren macht Spaß: Sophia (4) und Moritz (2) im Spielzimmer von Tagesmutter Birgit Wörner. | Bild: Claudia Wörner

Der erste Lockdown habe Birgit Wörner regelrecht niedergeschmettert. „Ich hatte den Eltern gegenüber fast ein schlechtes Gewissen, da sie ihre Kinder nicht bringen durften“, erinnert sie sich. Das habe sie belastet, obwohl ihr natürlich klar gewesen sei, dass sie für die Situation nichts könne. Im zweiten Lockdown biete sie die Notbetreuung, um die Eltern weiterhin zu unterstützen. „Das Risiko gehe ich ein.“

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