Woher kommen all diese Blumen? Das mag sich manche Markdorferin, mancher Markdorfer fragen, wenn der Blick auf den Schlosshang oder die Verkehrsinseln in der Innenstadt fällt. Die Antwort liegt im Südosten der Stadt – dicht bei der Bahnlinie. Dort verfügt Markdorf über eine eigene Stadtgärtnerei.

Monika Beder, die Leiterin der Markdorfer Stadtgärtnerei, zeigt die selbst gezogenen Geranien der Stadtgärtnerei.
Monika Beder, die Leiterin der Markdorfer Stadtgärtnerei, zeigt die selbst gezogenen Geranien der Stadtgärtnerei. | Bild: Jörg Büsche

Auf deren Gelände stehen immerhin zwei Gewächshäuser. Außer in diesen vor rund 40 Jahren erstellten Gebäuden züchten die sechs Mitarbeiter von Stadtgärtnerin Monika Beder noch in drei jüngeren Folientunneln Pflanzen für die städtischen Grünanlagen. Sodass es auf insgesamt 600 Quadratmeter grünt und blüht. Zu der weitläufigen Anlage gehören überdies noch zwei Wirtschaftsgebäude.

Stadteigene Blumen sind keine Selbstverständlichkeit

Monia Beder leitet die Stadtgärtnerei seit 2013. „Ich bin sehr froh,“ betont sie, „dass wir mit dieser Anlage arbeiten können“. In vielen anderen Kommunen habe man die eigenen Gewächshäuser längst abgebaut.

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Der Grund: der Wunsch, Kosten zu sparen. Die Folge: Alles städtische Grün muss bei privaten Gartenbauunternehmen eingekauft werden.

Pflanzen soweit das Auge reicht: Es grünt so grün unter Markdorfs Glasdächern.
Pflanzen soweit das Auge reicht: Es grünt so grün unter Markdorfs Glasdächern. | Bild: Jörg Büsche

Dies schränke aber den eigenen Gestaltungsspieltraum doch erheblich ein, sagt Beder. „Dann heißt es nehmen, was auf dem Markt ist“, erklärt die Gärtnerin. Solche Einschränkungen mag sie jedoch überhaupt nicht. Sie will lieber weiterhin spontan reagieren können. Und das pflanzen, was die städtischen Gewächshäuser bieten.

Edle Blütenpracht für die Innenstadt.
Edle Blütenpracht für die Innenstadt. | Bild: Jörg Büsche

Dort, unter Glas, gedeiht manche botanische Rarität. Etwa jene Engelstrompeten, die regelmäßig den Kirchplatz schmücken. Ihnen geht es übrigens genauso, wie den feinblättrigen Wandelröschen aus der Familie der Eisenkrautgewächse. Auch sie sind nicht winterhart und auch sie brauchen den warmen Unterschlupf, wenn draußen Minustemperaturen drohen.

Stadtgärtnerin Monika Beder betrachtet Edellieschen, die in der Aufzucht in der Stadtgärtnerei aufgereiht sind.
Stadtgärtnerin Monika Beder betrachtet Edellieschen, die in der Aufzucht in der Stadtgärtnerei aufgereiht sind. | Bild: Jörg Büsche

Die Stecklingsproduktion beginnt im Januar

„Wir produzieren ab Januar Stecklinge von den Mutterpflanzen“, erläutert Monika Beder den sich alljährlich wiederholenden Arbeitsrhythmus des Stadtgärtnereiteams. Ebenfalls im Januar kommen aber auch Samenkörner in die Erde. Sind die gekeimt, beginnt das Pikieren, das Vergrößern des Abstands zwischen den Keimlingen, damit die in den Anlagen ausgepflanzt werden können – je nach Wetterlage irgendwann im Mai, doch möglichst nicht vor den Eisheiligen mit ihren von den Gärtnern gefürchteten Temperaturstürzen.

In jedem Jahr eine neue Herausforderung: Der Schlosshang ist die florale Visitenkarte Markdorfs.
In jedem Jahr eine neue Herausforderung: Der Schlosshang ist die florale Visitenkarte Markdorfs. | Bild: Jörg Büsche

Zinien, Löwenmäulchen, Bitunien kommen dann in die Außenanlagen – am Schlosshang oder in die Blumenkästen an der Kirchmauer oder in die Kreisverkehre, wo sie dann bis Oktober bleiben.

In Windeseile leeren sich im Mai dann die Gewächshäuser

Alles bunt macht der Mai. Damit er das kann, müssen die Gärtnereimitarbeiter wirklich jede einzelne Pflanze mindestens zwei-, dreimal in der Hand gehabt haben.

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Kaum vorstellbar in den Wochen vor dem großen Blühen draußen, wenn die Gewächshäuser „knallvoll“ sind, wie Monika Beder formuliert – und recht stolz klingt, während sie das sagt. Dann aber, sobald der sogenannte Sommerflor, die mühsam gezogenen Blumen, ausgebracht sind, herrscht Leere auf den überglasten oder mit Folie abgedeckten Flächen.

Mohnblumen mitten in Markdorf.
Mohnblumen mitten in Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

Nun verlagert sich die Arbeit endgültig nach draußen: Die Blumen brauchen Wasser, Dünger und überhaupt sehr viel Pflege. Und je trockener der Sommer, desto mehr. Erst im August geht die Arbeit erneut los, mit der Vorbereitung des Herbstflors. Dann werden Astern, Alpenveilchen, Goldlack gezogen.

Blühende Experimente? Ja bitte, sagt Monika Beder

Sie probiere gerne Neues oder Anderes aus, erklärt Monika Beder. So wächst zum Beispiel Weihrauch im milchigen Licht der Markdorfer Gewächshäuser. Um den typischen Duft zu erahnen, muss man allerdings schon sehr dicht an den grünen Blättern schnuppern. Stadtgärtner gehen offenen Auges durch die Gemeinden. „Natürlich achtet man darauf, was andere so machen“, erklärt die Gärtnerei-Leiterin.

Farbenfroher Straßenrand am Stadtgraben.
Farbenfroher Straßenrand am Stadtgraben. | Bild: Jörg Büsche

Doch stets könnten die Parks und Plätze andernorts lediglich als Anregung dienen. Denn zu speziell seien die Gegebenheiten, als dass sich die Anlagen eins zu eins übernehmen ließen. Da habe auch jeder seinen ganz eigenen Stil, den er beibehalte. Was ihre Kolleginnen und Kollegen in der Region machen, das lobt Monika Beder: „Es gibt schon tolle Gärten rund um den See.“