Hier muss Jens Oschmann selbst schmunzeln. „Das ist unser schuleigener Verkehrsübungsplatz“ sagt der Förderschulleiter und weist auf die weiß-roten Flatterbänder, die zusammen mit ein paar Einbahnstraßenschildern und Durchfahrtsverboten die Nutzung des Treppenhauses regeln. Eine zweite Treppe gebe es nicht, erklärt der Rektor. Also seien klare Ansagen geboten zur Kontaktvermeidung während der Corona-Pandemie.

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Auch Förderschüler bekommen Online-Unterricht

Derzeit aber hält sich der Andrang auf den Stufen sehr in Grenzen. Es sei nur eine Handvoll Schüler in der Notbetreuung, erklärt der Schulleiter. Alle anderen, die übrigen 55 Erst- bis Neuntklässler des kreiseigenen Bildungs- und Beratungszentrums mit Förderschwerpunkt Lernen in der Markdorfer Pestalozzistraße seien in diesen Wochen zu Hause, wo die Schüler online unterrichtet werden, seit dem neuerlichen harten Lockdown im vergangenen Dezember. In dieser Hinsicht gehe es den Förderschülern genauso wie ihren Altersgenossen an den Markdorfer Grundschulen oder am Bildungszentrum.

Auch an der Pestalozzi-Schule in Markdorf gibt es derzeit fast nur Fernunterricht.
Auch an der Pestalozzi-Schule in Markdorf gibt es derzeit fast nur Fernunterricht. | Bild: Jörg Büsche

„Und genauso schwierig wie für die Mütter und Väter dort ist es für unsere Eltern“, erklärt Förderschul-Rektor Oschmann. Vielleicht sei es für sie mitunter sogar noch etwas schwerer, sofern sie sich in prekären Lebenslagen befänden oder sich zum Beispiel Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen müssten und daher weniger Zeit für die Familie fänden.

Zufrieden mit dem Landratsamt

Der Kreis als Schulträger habe alles Erdenkliche getan. „Wir hatten rechtzeitig FFP-2-Masken“, berichtet Oschmann. Dank des Kreis-Medienzentrums habe es auch raschen Zugang zu den digitalen Lernplattformen gegeben. Dass es dort immer mal wieder hakt, liege an der grundsätzlichen Überlastung.

Jens Oschmann, Leiter der Markdorfer Pestalozzi-Schule, hofft sehr, dass er seine Schüler demnächst wieder im Schulgebäude unterrichten kann.
Jens Oschmann, Leiter der Markdorfer Pestalozzi-Schule, hofft sehr, dass er seine Schüler demnächst wieder im Schulgebäude unterrichten kann. | Bild: Jörg Büsche

„Wenn um zwei der Nachmittagsunterricht beginnt, ruckelt es halt.“ Da aber an der Pestalozzi-Schule relativ viele junge Lehrer unterrichten, sei man EDV-technisch auch verhältnismäßig gut unterwegs. Spätestens, nachdem die Kollegen letzten Monat ihren eigenen Dienstrechner in Empfang nehmen durften.

Knappe Endgeräte für die Schüler

Anders stelle sich die Situation bei den Schülern dar, so der Schulleiter. „Wenn mehrere Kinder im Fernlern-Modus unterrichtet werden sollen – und wenn dann vielleicht auch noch die Eltern im Home-Office arbeiten, dann kann es schon einmal knapp werden mit den Endgeräten“, schildert Oschmann. „Wer hat denn schon drei, vier Rechner daheim?“

Eine Schule ohne Schüler: Alle warten aufs Ende des Lockdowns
Eine Schule ohne Schüler: Alle warten aufs Ende des Lockdowns | Bild: Jörg Büsche

Die von den Schulbehörden angekündigten Schüler-Tablets seien jedenfalls noch nicht da. Und selbst wenn sie kommen, seien immer noch nicht alle Probleme ausgeräumt. Draußen im Deggenhausertal, da hapere es nämlich in manchen Bereichen mit der Internetverbindung – und zwar massiv, weiß der Schulleiter zu berichten.

Aufgaben kommen auch mit der Post

Unterm Strich funktioniere der Fernunterricht indes recht gut. „Unsere Schüler sind erstaunlich motiviert“, sagt Oschmann. Es komme zwar vor, dass jemand den Versuch unternehme, abzutauchen und das dann auf vermeintlich schwächelnde Technik schiebe. Schulleiter Oschmann reagiert aber immer prompt. „Ich wende mich umgehend an die Eltern“, sagt er.

Kontaktvermeidung ist ein wichtiges Anliegen im Schulgebäude, deshalb gelten klare Wegvorschriften.
Kontaktvermeidung ist ein wichtiges Anliegen im Schulgebäude, deshalb gelten klare Wegvorschriften. | Bild: Jörg Büsche

Die würden sich insgesamt sehr zufrieden zeigen mit der schulischen Betreuung. Aufgaben und Lernstoff komme übrigens nicht nur online, sondern auch mit der guten alten Post. Der Schulleiter zeigt auf die Stapel im Lehrerzimmer mit versandfertigen Umschlägen mit frankierten Rückumschlägen und mit den von den Schülern bearbeiteten Antwortbriefen.

Zuwendung ist das A und O

Dreh- und Angelpunkt der pädagogischen Arbeit an einer Förderschule sei die Zuwendung. Virtuell funktioniere das aber nur eingeschränkt. Die Not sehe er überall, in der gesamten Gesellschaft. „Bei vielen Eltern liegen die Nerven blank“, weiß Oschmann.

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Und den Kindern und Jugendlichen fehlten die sozialen Kontakte, die gerade für ihre Entwicklung so außerordentlich wichtig seien. „Das wird unsere Gesellschaft noch eine Weile lang beschäftigen“, ahnt der Pädagoge. Nun hofft er auf eine baldige Öffnung der Klassenzimmer – und sei es auch nur im Wechselunterricht.