Der Mann gewinnt neue Kontur. Weil Peter Ummenhofer einmal nicht die Axt oder die Kettensäge in der Hand hat. Mit einem Malerpinsel fährt der Mitarbeiter des städtischen Forstamts Markdorf die Umrisse der Figur nach, malt in leuchtendem Blau aus, was längst schon recht verwittert wirkte. Nun sticht das Piktogramm mit dem gemalten Fußgänger darauf direkt ins Auge. Es bekommt quasi wieder seinen alten auffordernden Charakter zurück. So wie auch die übrigen 19 Tafeln entlang des Trimmpfads, die Peter Ummenhofer und sein Forstamtskollege Bernhard Brutsch in letzter Zeit restauriert haben.

Und sie haben sich keineswegs bloß um die Schilder gekümmert. Die Stationen samt den darauf stehenden beziehungsweise liegenden Geräten haben sie ebenfalls wieder hergerichtet, außerdem das die Stationen umsäumende Buschwerk zurückgeschnitten.

Arbeit am Klettergerüst: Stadtförster Jörn Burger (links) und Bernhard Brutsch begutachten das Gerät.
Arbeit am Klettergerüst: Stadtförster Jörn Burger (links) und Bernhard Brutsch begutachten das Gerät. | Bild: Jörg Büsche

Woanders längst wieder abgebaut

„Zum Teil war das bitter nötig“, erklärt Stadtförster Jörn Burger. Stamme der Markdorfer Sport- oder Trimm-dich-Pfad oberhalb des Tennisplatzes doch noch aus der Anfangsphase der bundesdeutschen Trimm-dich-Bewegung.

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Mit Unterstützung seitens der Krankenkassen startete der Deutsche Sportbund Anfang der 1970er-Jahre eine Kampagne. Mit dem Slogan „Trimm dich durch Sport“ sollte gegen Übergewicht und Bewegungsmangel angekämpft werden. In der Folge schossen vielerorts Trimmpfade aus dem Boden. „Wir haben noch unseren Sportpfad“, erklärt Jörn Burger. Woanders wurden die Pfade samt Turngeräten oftmals schon wieder abgebaut. Bedürfen sie doch regelmäßiger Pflege, was viele Kommunen nicht mehr leisten können oder wollen.

Froh über Waldbesucher

Es ist ein schmales Zeitfenster, das Burger und seine Mitarbeiter nutzen, um dem Trimmpfad seine alte Attraktivität zurückzugeben. „Die Anregung kam von den Freien Wählern“, berichtet Burger. Stadträtin Sandra Steffelin und Stadtrat Jens Neumann hätten bei ihm angefragt, ob der Waldlehrpfad im Gehau und der Sportparcours am Gehrenbergsüdhang nicht aufgebessert werden könnten.

Nach der Neubepflanzung kommt das Freischneiden der kleinen Bäumchen. Eine schweißtreibende Arbeit, denn immerhin geht es um eine Fläche ...
Nach der Neubepflanzung kommt das Freischneiden der kleinen Bäumchen. Eine schweißtreibende Arbeit, denn immerhin geht es um eine Fläche von 1,5 Hektar. | Bild: Jörg Büsche

Beim Stadtförster rannten sie damit offene Türen ein. „Mir ist es nur recht, wenn die Leute in den Wald gehen“, betont Burger. Aus seiner Sicht hat der Stadtforst einen großen Wert als Naherholungsgebiet für die Markdorfer Bürger. Und alles, was diesen Wert steigert, sollte aus seiner Sicht unternommen werden. So haben seine Mitarbeiter jüngst auch die Grillhütte beim Wanderparkplatz Schweppenen ausgebessert – unter anderem den Grill dort erneuert.

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Corona trieb ins Grüne

„Es kommen mehr Menschen in den Wald als vor 2020“, beobachtet Peter Ummenhofer. Mit den Lockdowns mit dem zeitweiligen Stillstand in den Fitnessstudios und bei den Sportvereinen habe die Zahl der Läufer und der Radfahrer, aber auch der Spaziergänger in den Waldstücken rund um Markdorf deutlich zugenommen. „Ganz so viele wie im Frühjahr 2021 sind es inzwischen nicht mehr“, erklärt Jörn Burger. Insgesamt aber lasse sich ein Zuwachs im Vergleich zur Zeit vor Corona beobachten.

Neues Fitnessgelände im Park

Burger hofft, „dass mit dem Besuch im Wald auch das Bewusstsein für die Natur wächst“. Das Bewusstsein für Gesundheit und den eigenen Körper jedenfalls habe sich in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls erheblich verändert. Längst nicht alle, aber immer mehr Menschen treiben öfter Sport. Noch mehr Gelegenheit dazu werden zumindest die Bewegungsaktiven aus Markdorf künftig auf dem Parkgelände an der Pestalozzistraße finden.

Bernhard Brutsch und Peter Ummenhofer pflanzen einen Baum, wo ein Sturm gewütet hat.
Bernhard Brutsch und Peter Ummenhofer pflanzen einen Baum, wo ein Sturm gewütet hat. | Bild: Jörg Büsche

Denn dort soll demnächst ein neuer Fitnessparcours entstehen. Als Resultat der Zusammenarbeit mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg. Rat der Wissenschaftler war, auf relativ kleiner Fläche eine Trainingsfläche anzulegen. Die Alternative wäre gewesen, den alten Trimm-dich-Pfad am Gehrenberg gründlich nach neuesten physiologischen Erkenntnissen und mit großem Aufwand zu überarbeiten, wovon die Freiburger indes abrieten.

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Kleine Lücke im Kerngeschäft

Immerhin wird der Gehrenberg-Sportpfad nun wieder hübsch gemacht – an der ein oder anderen Station auch sicherer. Die Zeit dafür war allerdings nur vorhanden, weil die Forstmitarbeiter die Pflanzaktionen der vergangenen Wochen unterdessen abgeschlossen haben. Jene Flächen des Stadtwalds, die heftige Stürme leergefegt hatten, wurden nun mit Linden, Platanen, Vogelbeerbäumen, Esskastanien, Eiben und etlichen anderen Baumarten bepflanzt.

Video: Jörg Büsche
Video: Jörg Büsche

Gemeinsamer Nenner dieser Bäume ist, „dass sie relativ klimatolerant sind“, erklärt Stadtförster Burger. Er hofft, dass sie Temperaturen und Trockenheit besser widerstehen, sich in den auch künftig zu erwartenden Trockensommern weniger stark stressen lassen. Eben dieser Trockenstress habe die Bäume in den Hitzesommern der letzten Jahre geschwächt und anfälliger gemacht für Schädlinge.

Viel Handarbeit ist von Nöten, wo Flächen neu bepflanzt werden sollen.
Viel Handarbeit ist von Nöten, wo Flächen neu bepflanzt werden sollen. | Bild: Jörg Büsche

Ein großer Anteil der Bäume, die inzwischen auf den von Unwettern freigeräumten Flächen wachsen, musste übrigens nicht per Hand gepflanzt werden. Ihre Samen haben sich auf natürlichem Wege verbreitet – durch die sogenannte Naturverjüngung. Dennoch gilt es diese Pflanzen davor zu bewahren, dass sie von Buschwerk überwuchert werden. Sie freizuschneiden, lässt dann keine Zeit mehr für Malerarbeiten an Trimmstation-Schildern.