Der Kalender von Tom Wagener ist leer. Alle Auftritte bis Mitte Mai sind fix abgesagt. Der Schlagzeuger, der in verschiedenen Band spielt und viel mit dem amerikanischen Musiker Phil Gates auf Tour ist, hätte in den kommenden Monaten maximal zwei freie Wochenende gehabt, die anderen hätte er auf Bühnen im In- und Ausland verbracht. Doch die Corona-Pandemie hat alle Pläne zunichte gemacht.

„Die Situation ist verheerend“, sagt der 58-Jährige, der in Markdorf den Kopierladen betreibt. Den darf er hinter geschlossenen Türen weiterführen, Aufträge ausführen und diese von den Kunden zu festen vereinbarten Terminen abholen lassen.

Schlagzeug steht nun im Kopierladen

Um das Beste aus der Situation zu machen, hat er sein Schlagzeug im Kopierladen aufgestellt. „So komme ich wenigstens zum Üben“, sagt Wagener, der seit 44 Jahren Musik macht. Aber nicht nur bis Mai sind Auftritte abgesagt, auch die Festivals, die im Sommer stattfinden sollten, werden nach und nach gecancelt – wie zum Beispiel das Blues Festival in Bellinzona/Schweiz Ende Juni.

Video: Ganter, Toni

„Ich denke, da wird noch eine ganze Reihe Absagen folgen“, vermutet Wagener, denn es gehe nicht nur um die Personen, die auf der Bühne stehen, sondern auch um die Crew dahinter mit Ton, Licht, Bühnenbau und Catering. „Jeder Musiker ist froh, wenn er wieder auf der Bühne stehen kann. Aber bei vielen Unternehmen geht es um die pure Existenz“, sagt Tom Wagener. Eigene Firmen könnten für den Sommer – sollten Konzerte stattfinden dürfen – keine feste Zusagen geben, da sie nicht wüssten, ob sie bis dahin noch existieren.

CD-Aufnahme in St.Gallen ist nicht mehr möglich

Schweiz, Belgien, Niederlande, Deutschland – Tom Wagener wäre in den kommenden Wochen viel unterwegs gewesen. Als die Situation Mitte März ernst wurde, war der Markdorfer gerade mit Phil Gates in Holland unterwegs. Den Donnerstag und den Freitag (12. und 13. März) hätten sie noch gespielt, die Konzerte für Samstag und Sonntag wurden abgesagt.

„Am Samstag sind wir nach Hause gefahren, das war schon ein komisches Gefühl“, so der Musiker. An Ostern wären eigentlich Aufnahmen in St. Gallen für eine neue CD auf dem Programm gestanden – plötzlich ist etwas ganz Selbstverständliches nicht mehr möglich.

Keine Konzerte vor September?

Phil Gates wird die Songs erstmal ohne Instrumente, nur mit der Gitarre, aufnehmen und mit Grooves aus einem Drum-Computer hinterlegen. Die Musiker spielen dann zuhause jeweils ihren Part ein, so der Plan. Tom Wagener bleibt trotz allem positiv – andere Musikerkollegen treffe es härter als ihn, er kann sich mit den Kopierladen, Kurzarbeit und Soforthilfe einige Zeit finanziell über Wasser halten.

Wagner rechnet frühestens damit, ab September wieder auf der Bühne stehen zu können. „Aber auch nur, wenn alles glimpflich verläuft“. Er freut sich jetzt schon drauf, wieder „on the road“ sein zu können.

Gianni Dato unterrichtet seine Schüler online

Viel Zeit zuhause verbringt derzeit auch Gianni Dato. Der Gitarrist aus Bermatingen tritt solo und in Bands wie „Gianni Dato & The Blue Tone“ sowie „Back to Blues“ auf und unterrichtet zwei Tage die Woche an einer privaten Musikschule in Lindau. Letzteres macht er derzeit online. „Wir machen das über Zoom und es klappt eigentlich ganz gut“, so Dato.

Zwar sei diese Unterrichtssituation neu und ungewohnt, aber er ist froh, dass er so wenigstens noch einige Stunden in der Woche arbeiten kann. Die Schüler sind zwischen acht und 75 Jahre alt. Als Berufsmusiker trifft ihn die ganze Situation besonders hart. „Ich lebe von der Musik“, sagt der 63-Jährige.

Gianni Dato, hier bei einem Auftritt im vergangenen Jahr, vermisst die Bühne.
Gianni Dato, hier bei einem Auftritt im vergangenen Jahr, vermisst die Bühne. | Bild: Privat

Der letzte Auftritt war im Februar – seitdem fehlen die Einnahmen

Mit seinen Bands ist er hauptsächlich im Süden Deutschlands unterwegs. Bereits seit einiger Zeit werden die Auftritte weniger, nun ist kompletter Stillstand angesagt. Gianni Dato hat sich vor 15 Jahren mit der Musik selbständig gemacht, seine eigene Band, sein eigenes Management gegründet. „Das ist harte Arbeit, wenn du die Musik ernst nimmst und Wert auf ein gewisses Niveau legst.“ Er ist glücklich auf der Bühne und vermisst das Spielen und Singen.

Auch er nutzt die freie Zeit, um noch intensiver zu üben. Sein letzter Auftritt war im Februar – seitdem fehlen diese Einnahmen. Gianni Dato hat einen Antrag auf Soforthilfe eingereicht und hofft, dass dieser so schnell wie möglich bewilligt und das Geld ausbezahlt wird. Doch noch wichtiger ist dem gebürtigen Italiener, dass es seiner Familie, die in Sizilien lebt, gut geht. „Alle sind gesund“, so Gianni Dato.

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