„Praktika sind eine tolle Sache.“ Das findet Manfred Fischer, Raumausstatter-Meister in Markdorf. Zum einen könnten sich die Praktikanten – Schüler zumeist – ein Bild von einem Arbeitsplatz beziehungsweise einem Berufsfeld machen. Auf der anderen Seite aber sei diese Art der betrieblichen Begegnung auch für die Praktikumsplätze anbietenden Unternehmen „einfach super“, erklärt Fischer. Schließlich hätten beide Seiten so die Chance eines unverbindlichen, zu nichts verpflichtenden Tests.

Raumaustatter-Meister Manfred Fischer findet Praktika für Schüler sehr wichtig.
Raumaustatter-Meister Manfred Fischer findet Praktika für Schüler sehr wichtig. | Bild: Jörg Büsche

„Viele meiner späteren Auszubildenden sind über ein Praktikum zu mir gekommen“, blickt der Raumausstatter zurück. „Ich konnte mir schon ein Bild machen, ich wusste, wen ich vor mir hatte.“ Auch weil Praktikanten eine Gelegenheit finden, sich von ihrer „besten Seite zu präsentieren“. Eine Gelegenheit, die sie derzeit nicht haben. Denn während der Coronakrise lassen die allermeisten Unternehmer außer ihren Mitarbeitern und Lieferanten keinen in ihre Betriebe – auch nicht probehalber, auch keine Schüler.

Berufspraktika werden in den Sommer geschoben

Der Schulverbund am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) musste reagieren. „Wir haben die für März geplanten Berufspraktika für unsere Schüler in den Sommer verschoben“, erklärt Veronika Elflein. Nun hofft die Rektorin, dass das berufsvorbereitende Angebot im Sommer stattfinden kann. Was für die derzeitigen Neuner-Klassen recht fatal ist. Denn sie hatten im zurückliegenden Pandemie-Jahr gar keine Gelegenheit Praktika zu absolvieren. „Ihnen wurde das letzte Jahr quasi gestohlen“, spitzt es Klaus Spatzier, der für die Realschüler zuständige Konrektor zu. Immerhin: einigen der Schüler sei es im vergangenen Herbst dann doch noch gelungen, einen Praktikumsplatz zu erhaschen.

Die Berufsorientierung wird den Schulabgängern des BZM derzeit nicht leicht gemacht, da sie wegen der Corona-Beschränkungen derzeit keine Praktika absolvieren können
Die Berufsorientierung wird den Schulabgängern des BZM derzeit nicht leicht gemacht, da sie wegen der Corona-Beschränkungen derzeit keine Praktika absolvieren können | Bild: Jörg Büsche

„Inzwischen stellen wir freie Ausbildungsplätze, aber auch Praktikumsplätze auf unsere Homepage“, erklärt Norbert Müller, einer der Berufswegeplaner am BZM. „Die Schüler machen sich inzwischen richtig Sorgen um ihre Ausbildung“, berichtet Müller. Und dass die großen Industriebetriebe in Friedrichshafen ihre Tore vor Praktikanten verschließen, drücke die Stimmung.

Schülern fehlt das Erleben in der Arbeitswelt

Aus der Schülerperspektive schauend, erklärt Konrektor Klaus Spatzier: „Kein Medium und keine Lehrererzählung kann das tatsächliche Erleben einer Arbeitswelt-Situation ersetzen.“ Was zähle, sei die „reale Begegnung mit der Arbeitswelt“. Arbeit wolle erfahren werden.

„Nach acht Stunden Arbeit nach Hause kommen, ist eine völlig neue Situation.“
Klaus Spatzier, Konrektor

Solche Erfahrungen geben den Reifeprozessen der Schüler oftmals den entscheidenden Schub. „Viele Schüler, gerade solche, die weniger gute Noten und Rückmeldungen in der Schule bekommen“, so berichtet Spatzier, was er regelmäßig beobachte, „können sich im Praktikum neu beweisen – und kommen dann gestärkt und mit mehr Selbstvertrauen zurück in die Schule.“

Wer viel fragt, bekommt viel Aufschluss – gerade bei der Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstelle. Derzeit können sich Schüler nur online informieren.
Wer viel fragt, bekommt viel Aufschluss – gerade bei der Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstelle. Derzeit können sich Schüler nur online informieren. | Bild: BUESCHE,JOERG

Ausbilder gewinnen durch Praktika

Martin Homburger, Geschäftsführer der Homburger Maschinenbau in Markdorf, beschreibt es so: „Praktika sind für Betriebe gute Gelegenheiten, die Eigenschaften der Praktikanten genauer anzuschauen – dazu zählen: soziale Kompetenz, handwerkliches Geschick, Engagement und Ausdauer bei der Erledigung von Aufgaben.“ Alles Eigenschaften, über die die Abschlusszeugnisse wenig beziehungsweise gar nichts aussagen. Von daher sei persönliche Kontakt auch für die Unternehmer-Weite essenziell, erklärt Homburger. „Sicher, so räumt er ein, die Noten zählen auch.“ Schlechte Mathematik-Noten seien für jedes Industrieunternehmen ein Ausschlusskriterium. Doch erst die Bewährung im Praktikum zeige, „ob jemand in ein Team passt“.

Martin Homburger beim Aktionstag „Marktplatz Beruf“ im November 2019.
Martin Homburger beim Aktionstag „Marktplatz Beruf“ im November 2019. | Bild: Christiane Keutner
Das könnte Sie auch interessieren

Gemeinsam auf der Suche nach Lösungen

Martin Homburger ist Mitglied des Markdorfer Rotary-Clubs – und dort zuständig für den Berufsdienst der Rotarier. Von daher arbeitet er eng zusammen mit dem für die berufliche Orientierung zuständigen Lehrer-Team des Schulverbunds. Im Wissen, dass es zu den Berufspraktika „keine Alternativen“ gibt, so Homburger, arbeite man mit dem Lehrerteam und den Bildungspartnern in der regionalen Wirtschaft derzeit intensiv an einem neuen Konzept für die Ausbildungsbörse am BZM, dem „Marktplatz Beruf“.

Berufseinstiegs-Informationen und Probe-Bewerbungsgespräche könnte es im Herbst wieder geben – aber auf Distanz und mit Maske.
Berufseinstiegs-Informationen und Probe-Bewerbungsgespräche könnte es im Herbst wieder geben – aber auf Distanz und mit Maske. | Bild: BUESCHE,JOERG

Nachdem das Berufsorientierungsforum im vergangenen Herbst pandemiebedingt ausfallen musste, sollen für den „Marktplatz Beruf“ 2021 strenge Corona-Auflagen gelten. Berufswegeplaner Norbert Müller erklärt, dass beim Zusammentreffen von Schülern und Personalern die Vermeidung zusätzlicher Kontakte eine große Rolle spielen werde.