„So hommer gschwätzt“ nannte Dietmar Bitzenhofer seine Schaufenster-Aktion mit Markdorfer Dialekt-Beispielen. Gemeinsam mit Elisabeth Freyas und Lucie Fieber von Markdorf Marketing hat er Plakate mit alemannischen Wörtern und Sprüchen entworfen, die bis Ostern in den Läden zu sehen sind. Vorlage ist ein Wörterbuch von Lokal- und Kirchenhistoriker Hubert Freyas. Für alle, die diese urtümliche Sprache nicht kennen, gibt es ein erklärendes Video auf der Facebook-Seite der Stadt.

Für Findiges ist der Stadtrat und Vizezunftmeister der Historischen Narrenzunft, Dietmar Bitzenhofer, bekannt. Geschäftliches, Städtisches und Traditionspflege – keineswegs nur die närrische – hat er nun mit dieser Aktion unter einen Hut gebracht. „Das war nicht als Rückkehr zur Mundart gedacht“, erklärt er sein Anliegen. Er wolle keineswegs das Rad der Sprachentwicklung zurückdrehen. Eher schon sollten die Aushänge mit den darauf abgedruckten Dialekt-Brocken zum Schmunzeln verlocken, bei der einen oder dem anderen Kindheitserinnerungen wecken, vielleicht auch Neugier. Die Neugier auf einen Wort- und Sprichwörterschatz, der das Leben in vergangener Zeit widerspiegelt.

Erklärvideo aus dem Hexenturm

„Sind alle i de Reebe“, rufen Elisabeth Freyas und Dietmar Bitzenhofer beim Eintreten in den Hexenturm. Dessen Tür war unverschlossen. So wie einst bei allen Häusern in Markdorf. Und im alten Ruf tönt eine alte Erwartung an. Das erläutert Elisabeth Freyas, die Witwe des verstorbenen Mundartforschers, in dem dort gedrehten Facebook-Video zum Dialekt-Projekt. Die Erwartung, dass niemand zu Haus sei – und wenn dann nur ausnahmsweise – weil einst viel und lang geschafft werden musste im Weinberg.

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Ein bisschen dauert‘s Dietmar Bitzenhofer ja dann doch, dass den Jüngeren die alten Wörter und Redewendungen kaum noch ein Begriff sind. Er jedenfalls kann es direkt spüren, was „Aale-e“ heißt. Das sei das Wort für jenes freudig-vertrauliche Wangenreiben, das in seiner Kindheit die nette Nachbarin aus der Ulrichstraße bei jeder Begegnung eingefordert habe – jedenfalls von den Kindern, die sie mochte.

Unendlich viel Mühe habe sich Hubert Freyas mit seinem Wörterbuch gemacht. Und er sei Elisabeth Freyas sehr dankbar, dass sie ihm diese Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt habe. Damit er für sein „So hommer gschwätzt“-Schaufenster-Projekt Auszüge machen konnte. Selbst das jedoch sei schon ein gewaltiges Geschäft gewesen, verrät Dietmar Bitzhenhofer. „Es hat aber Spaß gemacht.“ Solchen Spaß sollten indes auch die „Click and Collect“-Kunden haben, wenn sie vor der Ladentür stehen.

Der Link zum Video: www.facebook.com/stadtmarkdorf/videos/294122982301457