Es war beinahe alles ganz normal, sagt Musikschulleiter Gerhard Eberl über den Unterricht an der Markdorfer Musikschule: Seit Juni durften alle Kinder und Jugendlichen, die ein Instrument lernen, wieder in den Präsenzunterricht. Fast vergessen ist die Phase, da ausschließlich am Bildschirm gesungen, getrommelt oder gestrichen wurde, weil Lockdown war. „Wir halten uns streng an die Corona-Verordnungen“, betont Eberl. Und das gelte keineswegs allein für die Lehrkräfte und übrigen Mitarbeiter der Musikschule, sondern auch für die Schüler.

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Vor einer Woche nun wurden die Regeln jedoch wieder verschärft. Seither müssen alle eine Maske tragen, seit wegen der hochgeschnellten Inzidenzwerte die so genannte Alarmstufe II herrscht. Ausgenommen seien die Schüler und Schülerinnen, die Klarinette, Blockflöte oder ein anderes Blasinstrument lernen. Doch sogar beim Singen muss der Mund-Nasenschutz vors Gesicht.

Unglücklich mit der Maskenpflicht für Gesangsschüler

„Wir sind damit überhaupt nicht glücklich“, erklärt Reinhard Nedela, der Vorsitzende des die Musikschule tragenden Musikschulvereins. Er bezieht sich aufs Maskentragen der Gesangsschüler. Der Stoff vor Mund und Nase beeinträchtige die Atmung der Singenden, was alles andere als gesund sei. Der Badische wie auch der Schwäbische Chorverband wollen sich gegen diese Maskenpflicht wehren. Befolgen will die Musikschule die Anordnungen des Landeskultusministeriums dennoch. Man sei ja froh, dass der Unterricht überhaupt stattfinden könne, betont Nedela.

Reinhard Nedela und Gerhard Eberl wollen den Musikschulunterricht so lange wie möglich analog, also in Präsenz, anbieten.
Reinhard Nedela und Gerhard Eberl wollen den Musikschulunterricht so lange wie möglich analog, also in Präsenz, anbieten. | Bild: Jörg Büsche

„Run“ auf die Bläserklassen

Froh darüber scheinen auch die Eltern und Schüler zu sein. Anders kann sich Musikschuldirektor Eberl die ansteigende Nachfrage kaum erklären. Insbesondere bei den Bläserklassen gebe es einen starken Zulauf. Die bietet die Musikschule in Kooperation mit den Grundschulen, aber auch den Blaskapellen in Markdorf, Leimbach und Bermatingen an. „Nach den Corona-Lockdowns wissen die Eltern, wie wichtig das soziale Miteinander ist“, erklärt Gerhard Eberl mit Blick aufs gemeinsame Musizieren, erst in der Klasse, dann im Ensemble. Und er müsse unterdessen wieder sehr viel unternehmen, um diese Gemeinschaftserfahrung zu gewährleisten. In Alarmstufe II gilt nämlich ein erweitertes Abstandsgebot im Blasunterricht. Musste zuvor schon ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen allen Musikern eingehalten werden, so ist der Posaunen-, Flöten oder Saxofon-Unterricht nun nur noch in „sehr großen geschlossenen Räumen“ gestattet.

Unterricht steht an erster Stelle – zur Not auch Online

„Darüber reden wir gerade“, berichtet Direktor Eberl von seinen Gesprächen mit den Grundschulleitungen. Denn alles will organisiert sein. Überhaupt verlangt das Befolgen der vom Kultusministerium erlassenen Regelungen für die Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen von ihm und seinen Mitarbeitern einen ganz erheblichen organisatorischen Mehraufwand, berichtet Eberl.

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Und doch gilt: An erster Stelle stehe der Unterricht. Wenn etwa Kinder oder Jugendliche gehalten sind, Sozialkontakte zu vermeiden, weil in ihrer Klasse an der allgemeinbindenden Schule ein Mitschüler positiv getestet wurde, dann bemühen sich die Lehrkräfte an der Musikschule, dass ihr Geigen-, Gesangs- oder Schlagzeugunterricht online stattfindet, erläutert Eberl.

Wechsel zwischen Online- und Präsenzunterricht sehr aufwändig

Freilich sei das Musizieren am Bildschirm mit erheblichem Mehraufwand verbunden. „Wir haben ja nicht überall, wo wir unterrichten, WLAN-Verbindungen zur Verfügung“, sagt Eberl. Für ihn, berichtet der Schulleiter von seinen Erfahrungen als Schlagzeuglehrer, sei es verhältnismäßig einfach, nachhause zu fahren, den Rechner anzuschalten und Onlineunterricht zu erteilen, um anschließend wieder zum normalen Unterrichtsort zurückzukehren. Jenen Kolleginnen und Kollegen, die nicht in Markdorf wohnen, sei das aber kaum möglich. Mit einem erheblichen organisatorischen und auch zeitlichen Mehraufwand sei dieses kurzfristige Wechseln zwischen Online- und Präsenzunterricht aber immer verbunden.