Endgültig abgerechnet wird im Herbst. Dann erst liegen alle Zahlen der 53 Kostensparten vor, in die sich das Markdorfer Großprojekt Neuerschließung Möggenweiler aufsplittet. Doch schon jetzt hat die städtische Finanzverwaltung dem Gemeinderat erläutert, warum es Verzögerungen bei der Schlussrechnung gibt.

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Unter anderem, weil noch einzelne Unterlagen fehlen. Im Gegensatz zu seinen Ratskollegen mochte sich FDP-Stadtrat Rolf Haas keineswegs zufriedengeben. „Ich brauche das gesamte Zahlenwerk“, forderte Haas. Aus seiner Sicht seien „mehr Fragen offen, als Antworten gegeben“. Bevor ihm nicht die „finalen Zahlen“ vorliegen, bleibe ihm keine andere Wahl, als sich zu enthalten.

Anders hielten es die übrigen Stadträte. Sie nahmen die Kostenaufstellung nicht nur zur Kenntnis, sie stimmten auch noch den im Sachvortrag dargelegten zusätzlichen Ausgaben zu. Am Ende, so Bürgermeister Georg Riedmann, sei aus dem „Angstprojekt Möggenweiler ein Freudenprojekt“ geworden.

Gute Stimmung hat in Möggenweiler nicht nur beim Straßenfest Anfang Oktober 2021 geherrscht, sondern auch schon nach Abschluss der ...
Gute Stimmung hat in Möggenweiler nicht nur beim Straßenfest Anfang Oktober 2021 geherrscht, sondern auch schon nach Abschluss der Erschließungsarbeiten im Sommer (Archivbild). | Bild: Jörg Büsche

In Möggenweiler herrscht Zufriedenheit

Denn augenscheinlich sind die Menschen in Möggenweiler zufrieden. Das jedenfalls ließ Dietmar Bitzenhofer durchblicken, als er während der jüngsten Gemeinderatssitzung von seinen Gesprächen mit Anwohnern berichtete. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler wollte ausdrücklich „eine Lanze brechen für die ausführenden Unternehmen“. Die hätten sich jederzeit ausnehmend zuvorkommend verhalten. Das Leben an und mit der sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckenden Baustelle in Möggenweiler gestaltete sich für alle Betroffenen von Möggenweiler Straße bis Paradiesweg ohne weitere Reibungen.

Der historische Wasserhochbehälter bei Möggenweiler soll durch eine modernere Anlage ersetzt werden – was bei den ...
Der historische Wasserhochbehälter bei Möggenweiler soll durch eine modernere Anlage ersetzt werden – was bei den Erschließungsarbeiten berücksichtigt wurde. | Bild: Jörg Büsche

Umdenken und umplanen in der Bauphase

Beim eigentlichen Projekt, einem der größten Markdorfer Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre, kann von solcher Reibungslosigkeit indes keine Rede sein. Laut dem ausführenden Planungsbüro sei es zu erheblichen Komplikationen gekommen. So musste von den ursprünglichen Plänen abgewichen werden. Die waren von einer Erweiterung des Wasserhochbehälters Lichtenberg ausgegangen. Nach Beginn der Arbeiten aber hatte sich herausgestellt, dass der Bau eines neuen Wasserhochbehälters in Möggenweiler sinnvoll ist. Daran galt es die in Auftrag gegebenen Leitungsarbeiten anzupassen, damit die fertiggestellten Straßen nicht erneut aufgerissen werden müssen, wenn der neue Hochbehälter kommt.

Eine schwierige Topographie machte umfangreiche Änderungen an der Wasserversorgung notwendig.
Eine schwierige Topographie machte umfangreiche Änderungen an der Wasserversorgung notwendig. | Bild: Jörg Büsche

Kostensteigerungen wegen notwendiger Veränderungen

Andere Faktoren, die zu Kostensteigerungen geführt haben: Ein Regenrückhaltebecken musste an anderer Stelle gebaut werden – Material musste mehrfach bewegt werden, weil die es an Lagerflächen fehlte – vom Landratsamt wurden zusätzliche Uferbefestigungen verlangt. Bürgermeister Riedmann erinnerte daran, dass sich das ursprünglich geplante Erschließungsprojekt im Laufe seiner Abwicklung erheblich verändert habe – und das mit Beschluss des Gemeinderats. War man 2014 noch von Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro ausgegangen, so mussten Ende 2018 bereits 3,3 Millionen veranschlagt werden. Schließlich kam es zu einer Endsumme von 4,1 Millionen Euro.

Der Brunnen in der Dorfmitte – von den Einheimischen gerne Stachus genannt – spendet Trinkwasser.
Der Brunnen in der Dorfmitte – von den Einheimischen gerne Stachus genannt – spendet Trinkwasser. | Bild: Jörg Büsche

Hoffen auf Zukunftssicherheit

Uwe Achilles, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat, hielt diese Kostenentwicklung für nachvollziehbar. Und Stadtrat Arnold Holstein (Freie Wähler) betonte, dass durch die ausgeführten Arbeiten die Möggenweiler Infrastruktur für die Zukunft gesichert sei. Von Dietmar Bitzenhofer nach möglicher Bezuschussung gefragt, erklärte Michael Lissner, der Leiter der städtischen Finanzverwaltung, dass keine Zuschüsse beantragt worden seien. Aber das sei noch vor seiner Amtszeit gewesen. Lissner verwies aber auf die 709.000 Euro, die als Beiträge von den Anwohnern zu entrichten sind. Ohne Beiträge liefen die Arbeiten für die Anwohner der historischen Straßenabschnitte in Möggenweiler – etwa in den mittleren und östlichen Bereichen der Möggenweiler Straße oder im Osten des Paradieswegs.