„Wir sind immer noch dabei, uns zurechtzufinden, da der Ablauf der alltäglichen Dinge doch recht unterschiedlich im Vergleich zu unserer Heimat ist“, erzählt Ailin Dybvad. Da Familienvater Fredrik seit kurzem in Pfullendorf als Lehrer für die Nato stationiert ist, verbringt die fünfköpfige Familie aus Stjørdal in Norwegen die nächsten vier Jahre in der Bodenseeregion. Auch in Überlingen haben sie sich vorab einige Häuser angeschaut. Da die Kinder seit Schuljahresbeginn die Swiss International School in Friedrichshafen besuchen, fiel die Wahl aufgrund der Nähe zur Schule letztendlich auf Markdorf.

Trotz anfänglicher Hürden haben sich die Neubürger gut in ihrem Haus in Markdorf eingelebt und fühlen sich wohl (von links): Mama Ailin Dybvad mit Hündin Fie, Trym (13), William (12) und Tilje (9). Papa Fredrick Backe ist nicht auf dem Foto.
Trotz anfänglicher Hürden haben sich die Neubürger gut in ihrem Haus in Markdorf eingelebt und fühlen sich wohl (von links): Mama Ailin Dybvad mit Hündin Fie, Trym (13), William (12) und Tilje (9). Papa Fredrick Backe ist nicht auf dem Foto. | Bild: Sonja Ruess

Norwegische Spezialitäten lindern das Heimweh

In ihrer Freizeit geht die Familie gerne auf Wanderschaft und erkundet die Gegend. „Wir waren schon in Konstanz, Oberstaufen und Überlingen. Aber in Konstanz hat es mir am meisten gefallen, da waren viele junge Leute unterwegs“, erzählt der zwölfjährige William in fehlerfreiem Englisch. Vor allem seine Freunde zu Hause vermisse er sehr. Oft verabredet er sich mit ihnen online zum Playstation spielen.

Karamellisierter Braunkäse ist eine der norwegischen Spezialitäten, die auf dem Vesperbrot für die Schule nicht fehlen dürfen. Von der Oma wird Familie Backe weiter per Post mit den heimischen Lieblingsprodukten versorgt.
Karamellisierter Braunkäse ist eine der norwegischen Spezialitäten, die auf dem Vesperbrot für die Schule nicht fehlen dürfen. Von der Oma wird Familie Backe weiter per Post mit den heimischen Lieblingsprodukten versorgt. | Bild: Sonja Ruess

Wenn das Heimweh zu groß wird, naschen die Kinder ein bisschen vom braunen Karamell-Käse, den die Oma aus Norwegen zugeschickt hat. Eine typisch norwegische Spezialität. „Der darf auch auf keinem Vesper-Brot fehlen“, erklären die Kinder.

Markdorfer überzeugen mit Freundlichkeit

Begeistert berichtet der 13-jährige Trym über seine ersten Tage in Markdorf: „Die Verkäufer hier sind alle sehr freundlich und reden unheimlich viel, obwohl man schon bezahlt hat. Jeder wünscht noch ein schönes Wochenende oder einen schönen Tag. Das ist in Norwegen nicht so, da sagen die Kassierer nur ‚Danke‘ nach dem Bezahlen. Auch die Leute auf der Straße grüßen sich, wenn sie aneinander vorbeilaufen. Das ist neu für mich.“ Die Post sei hier außerdem viel schneller: „In Norwegen wartet man für gewöhnlich zehn Tage auf eine normale Lieferung. Ich habe große Augen gemacht, als meine Bestellung hier schon am nächsten Tag da war“, lacht Mutter Ailin.

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Es gibt viele Regeln zu beachten

Was allerdings befremdlich für die Auswandererfamilie ist, sind die vielen Regeln auf Schildern, die man zu befolgen habe. „Dass Kinder nur zu gewissen Zeiten auf Spielplätzen spielen dürfen, Hunde dort keinen Zutritt haben oder man seine Flaschen nicht immer entsorgen darf, kennen wir so nicht“, erklärt die gelernte Krankenschwester: „Aber wir bemühen uns sehr, alles richtig zu übersetzen und uns an die Regeln zu halten.“

Auch dass die Entsorgungszeiten für Altglas vorgeschrieben sind, ist neu für die Familie aus Norwegen.
Auch dass die Entsorgungszeiten für Altglas vorgeschrieben sind, ist neu für die Familie aus Norwegen. | Bild: Sonja Ruess

Mit der Familie ausgewandert ist auch die einjährige Hündin Fie. Interessant findet Ailin Dybvad, dass man für einen Hund Steuern zahlen und ihn anmelden müsse. „Aber dafür hat man an jeder Ecke Behälter für Kotbeutel. Die mussten wir in Norwegen immer selbst bezahlen“, freut sich die 40-Jährige.

Bürokratische Hürden auf den Ämtern

Auf Nachfrage, was denn bei ihrer Auswanderung die größte Umstellung gewesen sei, weiß Ailin sofort eine Antwort: „Vor allem der Papierkram hat es uns am Anfang recht schwer gemacht. Es gibt auf dem Amt für alles ein ausgedrucktes Formular, dass man von Hand ausfüllen muss und nichts davon in englischer Version. Das kennen wir aus Norwegen anders, da die Amtswege dort digitalisiert sind“, berichtet die dreifache Mutter.

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Ähnliche Erfahrungen haben auch die Kinder bei Schulbeginn gemacht. Der 13-jährige Trym erklärt: „Zu Hause in Norwegen hat jeder Schüler ein eigenes Tablet, mit dem hauptsächlich gearbeitet wird. Papier und Stift benutzen wir dort eigentlich nicht so oft. Das war am Anfang schon eine große Umstellung für uns.“ Auch das Schul- und Notensystem ist in Norwegen sehr unterschiedlich aufgebaut. Noten gibt es erst ab der achten Klasse, bis dahin dürfen die Kinder noch ein bisschen ihre Freiheit genießen.

Warum kehren die Leute hier so viel?

„Was wir auch noch nicht verstehen, ist, warum die Menschen hier ständig auf der Straße vor ihrem Haus am Kehren sind. Manche stehen wirklich früh auf, um das vor der Arbeit zu erledigen. Es gibt keinen Tag, an dem nicht irgendwo jemand am Fegen ist. Da bleiben wir lieber noch etwas länger im Bett liegen“, scherzt die Auswanderin.

Begrenzte Spielzeiten für Kinder und Hundeverbot auf Spielplätzen: Das gibt es in Norwegen nicht.
Begrenzte Spielzeiten für Kinder und Hundeverbot auf Spielplätzen: Das gibt es in Norwegen nicht. | Bild: Sonja Ruess

Trotz der Startschwierigkeiten zieht die Familienmutter eine positive Bilanz: „Unsere Nachbarn sind alle sehr freundlich und wo wir auch hinkommen, begegnen uns die Menschen sehr offen. Wir freuen uns sehr darauf, noch mehr von Markdorf kennenzulernen.“