76 Stunden lang haben die 29 Frauen und Männer aus Markdorf, Bermatingen und aus dem Deggenhausertal dann Löscheinsätze geübt, den Umgang mit Gefahrstoffen geprobt und das kleine Einmaleins der Technischen Hilfeleistungen angewendet. „Nach anderthalb Jahren coronabedingter Zwangspause“, so erklärte Herbert Stehle, Ausbildungsleiter der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf, „konnten wir endlich wieder unseren Ausbildungsbetrieb aufnehmen.“

Meine Eltern sind bei der Feuerwehr. Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr immer mit dabei. Da muss ich einfach zu den Aktiven. Anna Rölle, 17
Meine Eltern sind bei der Feuerwehr. Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr immer mit dabei. Da muss ich einfach zu den Aktiven. Anna Rölle, 17 | Bild: Jörg Büsche

Und am Samstag legten die vier neuen Feuerwehrfrauen und 25 Feuerwehrmänner ihre Abschlussprüfung ab, um im Einsatzfall mit ausrücken zu dürfen. „Um Menschen zu helfen, die in Not geraten sind“, erklärt Anna Rölle, 17 Jahre. Das sei überhaupt das Motiv, weshalb sie sich entschlossen habe, zur Feuerwehr zu gehen. Eine gewisse Rolle habe dann aber noch der Umstand gespielt, dass sie familiär vorbelastet sei. Auch ihre Eltern seien schon zu diesem freiwilligen Dienst gegangen.

Jetzt heißt es rasch handeln. Flüssigkeit plätschert auf den Asphalt. Sie muss aufgefangen werden. Hier auf dem Übungsgelände neben dem Feuerwehrhaus läuft nur Wasser aus dem aufgedrehten Hahn des Wassertanks auf der offenen Ladefläche eines roten Pick-ups. Dass das Nass direkt in den Gully fließt, ist also keineswegs schlimm. „Anders wäre es schon, wenn es sich um Benzin oder um Öl handeln würde“, erklärt Ausbildungsleiter Herbert Stehle. „Alles schon vorgekommen“, so Stehle weiter – nach Unfällen oder wenn die Wannen von Fahrzeugen aufreißen.

Die angehenden Feuerwehrleute üben das seitliche Sichern eines Fahrzeugs.
Die angehenden Feuerwehrleute üben das seitliche Sichern eines Fahrzeugs. | Bild: Jörg Büsche

In diesem Falle ummanteln die Übenden den leckenden Tank kurzerhand mit einer großen Kunststofffolie, um die so aufgefangene Flüssigkeit anschließend abzupumpen. Zuvor haben sie geprobt, wie man einen Gully-Schacht abdichtet, damit kein Gefahrgut in die Kanalisation gelangt. Sie haben aber auch auslaufende Flüssigkeit in Behältnissen aufgefangen. „Jeder Einsatz ist anders“, erklärt Stehle, „jedes Mal stehen wir vor neuen Herausforderungen.“ Also gelte es ganz oft zu improvisieren. Wovon die angehenden Wehrleute bei den Ausbildungsübungen eine Ahnung bekommen.

Zur Feuerwehr will ich, um Menschen in Not zu helfen. Außerdem interessiere ich mich für Technik. Fabian Haag, 20
Zur Feuerwehr will ich, um Menschen in Not zu helfen. Außerdem interessiere ich mich für Technik. Fabian Haag, 20 | Bild: Jörg Büsche

An diesem Tag ist der Feuerwehr-Pickup mit dem Wassertank nur eine von vier Stationen. Ein Stück weiter hantieren die angehenden Truppmänner und -frauen mit langen Stangen aus Eschenholz. Eisenbeschlagene Hebebäume, die dazu dienen, schwere Lasten zu sichern oder zu bewegen. Dort heißt es, die Hebelgesetze zu kennen – und sich beziehungsweise eingeklemmte Unfallopfer unbedingt vor abrutschendem Material zu sichern. Wenige Schritte davon entfernt wird ein stählernes Seil gespannt.

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Auf der einen Seite ist es am Feuerwehrauto festgemacht. Auf der anderen Seite haben es die Akteure mit Schlaufen in den Rädern eines Autos eingehängt. Geübt wird das Sichern eines Fahrzeugs. „Ganz wichtig auf abschüssigem Gelände“, erklärt Ausbildungsleiter Herbert Stehle. Beim vierten Übungsbereich befassen sich die Trupp-Leute mit Scheinwerfern, üben den Aufbau von zusätzlichen Lichtquellen, das Montieren auf Stativen.

Beim Hebeln schwerer Lasten gilt es, auf die Finger aufzupassen.
Beim Hebeln schwerer Lasten gilt es, auf die Finger aufzupassen. | Bild: Jörg Büsche

Die neuen Truppfrauen und Truppmänner kommen zum Teil aus der Jugendfeuerwehr, erklärt Herbert Stehle. Bei etwas mehr als 50 Prozent handele es sich indes um Quereinsteiger. Das Altersspektrum reiche von 17 bis 43 Jahren. Doch bei allen stehe im Vordergrund, so berichtet Stehle von seinen Gesprächen, „dass sie in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles tun wollen.“ Anderen zu helfen sei die größte Motivation. Gleich darauf folge die Kameradschaft.

Dass es nach einjähriger Ausbildungsunterbrechung – nach Ausbruch der Corona-Pandemie konnte nur noch geprobt werden – nun so viel Nachwuchs gibt, sei überaus erfreulich, erklärt der Ausbildungsleiter. 2020 habe es lediglich 17 Bewerber gegeben. Was Stehle ebenfalls freut: „Bei vielen kenne ich schon die Väter oder die Brüder.“ In den Familien spreche sich herum, was einem der Dienst in der Wehr bringe.

Gut einpacken ist schon die halbe Sicherheit im Umgang mit auslaufenden Flüssigkeiten.
Gut einpacken ist schon die halbe Sicherheit im Umgang mit auslaufenden Flüssigkeiten. | Bild: Jörg Büsche