Musikalische Geschichten hatten die beiden angekündigt – die Cembalistin Tina Speckhofer und der Querflötist Ulrich Frey – fürs „Sommerkonzert in der Mauritiuskapelle“. Zu der die Veranstalterin, die Musikschule Markdorf auch an diesem Sonntagabend – Corona-Pandemie-bedingt – in die katholische St.-Nikolaus-Kirche einladen musste. Doch was sind überhaupt „musikalische Geschichten“? Wird da erzählt? Wird da berichtet. Klingen musikalische Geschichten programmatisch?

Barocker französischer Meister

Sie tun es nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn der Komponist Jacques Martin Hotteterre heißt. Der barocke Meister gab den Sätzen zu seiner „Troisième Suite“ zwar so neugierig machende Titel wie „Der Gleichgültige“, „Der Jammernde“ oder „Der Süße“. Ganz im Stile seiner Epoche jedoch sind die eventuell damit verbundenen Botschaften allesamt verschlüsselt. Verborgen hinter der Textur eines fein verzierten Notenverlaufs. Dessen Diskretion Ulrich Frey mit viel Gespür wahrte. Und dessen Ornamentik der Flötist ebenso maßvoll einzusetzen wusste, wie Tina Speckhofer am Cembalo für schöne Prägnanz sorgte.

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Noch neugieriger vielleicht machten die „Histoires…“ von Jacques Ibert. Deren Titel lauteten „Die Anführerin der goldenen Schildkröten“ oder „Der kleine weiße Esel“. Wunderbar zaghaft, mithin Spannung erzeugend, tastete sich Frey an die Melodie, um hernach zu munterer Ausgelassenheit zu finden. Um den ungestümen Charakter der Komposition voll auszukosten.

Rituelle Flötenmusik aus Japan

Hotteterre, Ibert, Donjon, Couperin, Tomasi und Doyen heißen jene französischen Komponisten des Konzerts. Allesamt bieten sie Beispiele für komponierten Esprit. Für eine gewisse Leichtigkeit im Ausdruck. Nichts Schwerfälliges bremste, nichts Triviales langweilt. Und sogar das Experiment glückte, mit „Mei“ – der an rituelle Flötenmusik aus Japan anknüpfende Komposition von Kazuo Fukushima, im Stil der Shakuhashi-Bambusflöten gespielt –, der leichtfüßigen Eleganz aus dem Nachbarland ein Kontrastmoment entgegenzustellen. Das Publikum erreichte die Botschaft. Der Applaus im Kirchenschiff war überaus stürmisch.

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