Eigentlich, so begrüßte Bürgermeister Georg Riedmann den im Publikum sitzenden Salemer Bauunternehmer Bernhard Strasser bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, „eigentlich könnten Sie jetzt die Schaufel in die Hand nehmen und direkt loslegen“. Damit meinte Riedmann den Beginn der Sanierung des Markdorfer Rathauses. Die Räte hatten an diesem Abend über die Vergabe des ersten Leistungspakets der Einzelgewerke zu entscheiden – eine Wahl hatten sie allerdings nicht.

Nur ein Unternehmen gibt Angebot ab

Für das Architekturbüro GMS Architekten, Isny und Kressbronn, erläuterte Dietmar Katan das weitere Vorgehen. Sein Büro führt die Entwurfsplanung, aber auch die Kostenberechnung fort, die ein anderes Büro ausgearbeitet hat. Dies sei laut Katan ein in der Branche übliches, hier aber nicht ganz unproblematisches Verfahren. Die fremden Vorgaben bieten doch einigen Interpretationsspielraum, erklärte der Architekt. Er hatte für die Phase des Rück- und Rohbaus 32 Bauunternehmen angeschrieben. Näheres Interesse gab es nur von drei Firmen. Und nur ein Unternehmen gab ein Angebot ab: Bernhard Strasser aus Salem.

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FDP-Stadtrat Haas hegt Zweifel am Ausschreibungsverfahren

FDP-Stadtrat Rolf Haas zeigte sich „schockiert“. Er bezweifelte, dass die gesamte „Ausschreibungsprozedur sauber“ abgelaufen sei. Dass Rückbau, Rohbau und Gerüstaufbau deutlich teuer werden als ursprünglich veranschlagt, kritisierte Haas ebenfalls heftig. Dietmar Katans Erklärung, ein länger stehendes, deshalb zunächst teureres Gerüst sei am Ende günstiger als ein zweimaliger Gerüstaufbau, schien Haas nicht zu überzeugen.

FDP-Stadtrat Rolf Haas hegt Zweifel am Ausschreibungsverfahren.
FDP-Stadtrat Rolf Haas hegt Zweifel am Ausschreibungsverfahren. | Bild: SK

Jens Neumann von den Freien Wählern fragte, ob am Schluss nicht weitere Überschreitungen, womöglich in Millionenhöhe, drohten. Neumann regte an, die Ausschreibung ganz zurückzuziehen. „Nur weil die Zeit drängt, kann ich ja nichts kaufen – egal, was es kostet“.

FW-Stadtrat Jens Neumann regte an, die Ausschreibung ganz zurückzuziehen.
FW-Stadtrat Jens Neumann regte an, die Ausschreibung ganz zurückzuziehen. | Bild: FW

In diesem Zusammenhang verwies Bürgermeister Georg Riedmann auf die nachträglich eingeplanten Gehsteigtunnel durchs Gerüst, die im Osten des Rathauses die Treppe nutzbar machen und damit den Zugang zum dortigen Lokal erlauben.

Die Treppe an der Ostseite des Rathauses soll auch während der Sanierungsarbeiten begehbar bleiben.
Die Treppe an der Ostseite des Rathauses soll auch während der Sanierungsarbeiten begehbar bleiben. | Bild: Jörg Büsche

Architekt Dietmar Katan rät von Rückzug ab

Architekt Katan riet von dem von Jens Neumann in den Raum gestellten Rückzug ab. Aus juristischer Sicht könne eine Kostenüberschreitung von lediglich zehn Prozent die Rücknahme der Ausschreibung nicht rechtfertigen. Die Stadt würde sich damit sicherlich keinen Gefallen tun, da sie verpflichtet sei, dem bietenden Unternehmen den entgangenen Gewinn zu erstatten. Überhaupt, so Dietmar Katan weiter, sei der Bausektor derzeit überaus schwierig – anbetrachts der sprunghaft wachsenden Preise und des immer knapper werdenden Materials. Das bestätigte Alfons Viellieber. Der CDU-Stadtrat ist Holzbauunternehmer und sprach von „durch die Decke schießenden Preisen“.

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Probleme bei der Materialbeschaffung

Gefragt, ob seine Kosten- und Zeitplanung vor diesem Hintergrund überhaupt noch einzuhalten sei, räumte Dietmar Katan Bedenken ein. Problematisch sei zum Beispiel das Dämmmaterial für die Klinkerfassade. Es sei nichts zu bekommen. Der Markt sei leer gefegt. Er hoffe, dass es im gesetzten Rahmen bis zum geplanten Wiederbezug in zwei Jahren zu schaffen sei. Die vorhandene Kostenkalkulation habe er ständig im Auge, so der Architekt. Er bat um Verständnis, zumal die ihm vorliegenden Entwurfsplanungen – ausgeführt von einem anderen Architekturbüro – mitunter nur vage Anhaltspunkte böten.

Noch bereitet der Dämmstoff für die neue Klinkerfassade dem Architekten Dietmar Katan Kopfzerbrechen.
Noch bereitet der Dämmstoff für die neue Klinkerfassade dem Architekten Dietmar Katan Kopfzerbrechen. | Bild: Jörg Büsche

SPD-Fraktionschef Uwe Achilles sagte: „Das Rathaus soll ja kein Schloss werden.“ Als funktionales Verwaltungsgebäude brauche es keine Edel-Materialien. Christiane Oßwald von der Umweltgruppe sagte, sie würde sich schon freuen, wenn die Stadt „mit einem blauen Auge davonkommt“.