Gefeiert wird die Geburt von Johannes, dem Täufer, und das stets am 24. Juni, dem längsten Tag im Jahr. Und auch in Markdorf gehört ein Johannisfeuer zu dieser Tradition. Uralt ist sie, ebenso wie der Brauch, dass die Kinder der Stadt nach dem mittäglichen Angelus-Läuten einen Reigen um das Feuer bilden, Hand an Hand darum herum schreiten – und dazu ihr „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen“ beten. Im Anschluss geht es dann von Tür zu Tür. Jedes Mal das selbe Lied, derselbe Spruch: „Hansa, Hansa Füratle“, setzt er ein, „Gebt uns au a Schüratle“ endet er – bevor die kleine Schar unter lautem „Doher! Doher!“ nach den Süßigkeiten haschen.

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In diesem Jahr ist es anders

Grundschullehrerin Martina Hierholzer bringt, begleitet von Eltern, Schüler der Jakob-Gretser-Grundschule zum Johannisfeuer vor dem Rathaus.
Grundschullehrerin Martina Hierholzer bringt, begleitet von Eltern, Schüler der Jakob-Gretser-Grundschule zum Johannisfeuer vor dem Rathaus. | Bild: Jörg Büsche

So geschieht dies in normalen Jahren. Am Mittwoch war es anders. Zwar hatte die Stadt zum Hansafüratle-Fest geladen – aber nur die Kinder aus der Jakob-Gretser-Grundschul-Notbetreuung sowie die Zweitklässler. Schließlich gelten die Regeln der Corona-Verordnung. Abstand ist Pflicht, ebenso wie Hygiene. Dass die Kinder unter diesen Vorzeichen von Haus zu Haus springen, dort ihren Heische-Spruch aufsagen war mithin gänzlich ausgeschlossen – zu groß wäre die Infektionsgefahr.

Extra ein Konzept entwickelt

Hansafüratle mit großem Abstand.
Hansafüratle mit großem Abstand. | Bild: Jörg Büsche

„Wir haben uns im Vorfeld zusammengesetzt“, erklärt Ulrike Stohl. Seit vielen Jahren schon geht sie mit beim Hansafüratle. Darum war sie auch dabei, als die Stadt einige Mütter einlud, das Konzept für ein coronakrisen-gerechtes Hansafüratle zu entwickeln.

Riedmann und Schiele verteilen Süßigkeiten

Gut gefüllt waren die Körbe, aus denen vorm Rathaus, hier von Hauptamtsleiter Klaus Schiele, Süßigkeiten an die Kinder verteilt wurden.
Gut gefüllt waren die Körbe, aus denen vorm Rathaus, hier von Hauptamtsleiter Klaus Schiele, Süßigkeiten an die Kinder verteilt wurden. | Bild: Jörg Büsche

Weniger Kinder, Abstand, kein An-den-Türen-Klingeln, weder beim Polizeiposten, noch beim Pfarrhaus, in der Ulrichstraße genauso wenig wie in der Hauptstraße, bei niemandem – stattdessen verteilten Bürgermeister Georg Riedmann und Hauptamtsleiter Klaus Schiele Tüten mit Äpfeln und Süßigkeiten an die Kinder im Hansafüratle-Kreis. „Ein bisschen traurig ist es ja schon“, bedauert Ulrike Stohl. Sie hofft dass auf die coronabedingt abgespeckt Version im nächsten Jahr vielleicht schon wieder ein normales Hansafüratle stattfinden kann. „Doch wer weiß das schon.“

Auch Bürgermeister Georg Riedmann verteilt Bonbons und Schokolade an die Kinder.
Auch Bürgermeister Georg Riedmann verteilt Bonbons und Schokolade an die Kinder. | Bild: Jörg Büsche

Immerhin, einen Vorteil hat das Coronakrisen-Hansafüratle dann aber doch. Wenn auch nur für Christian Briemle. Der junge Vater konnte mit zum Johannesfeuer, weil er im Homeoffice arbeiten muss.