Hildegard Walk beugt sich über die Blumen im Beet direkt an der Kirche St. Nikolaus. Mit der einen Hand zupft sie die Blüten von den Stängeln. In der anderen Hand hält sie schon eine ganze Reihe frisch gepflückter Stiefmütterchen. „Die werden ja sowieso demnächst ersetzt“, erklärt sie.

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Wenn dann der Sommerflor erst da ist, fällt es nicht auf, dass hier Blüten fehlen. Blüten, die gleich als Schmuck dienen sollen. Blüten, die zum Teil auf den Stufen zum Kirchenportal liegen, zum Teil auf der Marktstraße. Denn auf der Strecke von der Einmündung Ulrichstraße bis zur Treppe an der Kirchgasse liegt auch in diesem Jahr ein Blumenteppich. Den Grund bildet frisches Grün, Farn vor allem. Darauf ranken Ornamente, zeigen sich Muster, aus bunten Blüten gelegt, in Gelb, in Rot, in Rosa oder in Blau.

Fast fertig: der Blumenteppich vor der Kirche.
Fast fertig: der Blumenteppich vor der Kirche. | Bild: Jörg Büsche

Schon um 6 Uhr in der Früh trafen sich Mitglieder der Trachtengruppe, um an Fronleichnam die Kirche und die Marktstraße zu schmücken. „Wir sind in diesem Jahr 25“, erklärt Richard Gratwohl. Freilich hat der Vorsitzende der Trachten auch noch weitere Helfer akquiriert, damit der aufwändige Schmuck rechtzeitig fertig wird – vor Beginn des Gottesdienstes.

Blumenschmuck ist schön, macht aber auch viel Arbeit. Hier leisten diese vor allem die Mitglieder des Trachtenvereins.
Blumenschmuck ist schön, macht aber auch viel Arbeit. Hier leisten diese vor allem die Mitglieder des Trachtenvereins. | Bild: Jörg Büsche

Die Fronleichnamsprozession, das feierliche Zeigen des „höchsten Gutes“, der Hostie, musste auch in diesem Jahr ausfallen. Grund dafür sind die während der Covid-19-Pandemie geltenden Regelungen und Abstandsauflagen. „Keine Prozession“, erklärt Hildegard Walk. Auch wurden keine Altäre aufgebaut. Blumenschmuck lag lediglich noch vor dem Hause der Familie Scherzinger in der Spitalstraße.

Da könnten noch ein paar Blüten hin: Hanna Scherzinger und Monika Beder vor ihrem Kunstwerk in der Spitalstraße.
Da könnten noch ein paar Blüten hin: Hanna Scherzinger und Monika Beder vor ihrem Kunstwerk in der Spitalstraße. | Bild: Jörg Büsche

„Das hat hier eine lange Tradition“, erklärt Karin Scherzinger. Sie legt gerade ein Herz aus rosa Blüten. So wie es ihre Tochter Hanna ihr vorgeschlagen hatte. Der mehr als 100 Jahre Altar stehe zerlegt auf der Bühne. Für das prozessionslose Fronleichnamsfest reicht der Tisch mit der kleinen Madonna und den Blumen darauf. Immerhin: Pfarrer Ulrich Hund hat sich angekündigt. Nach der Eucharistiefeier in St. Nikolaus wird er vorbeikommen, alles segnen – auch das mit Blüten gelegte Bild eines Segelschiffs.

Karin Scherzinger legt ein Herz.
Karin Scherzinger legt ein Herz. | Bild: Jörg Büsche

Was auf der hellen Fläche zu sehen sein wird, die Nikolaus Klappenberger gegen sieben mit einem dunklen Rand einfasst, das ist noch eine Weile offen. In normalen Jahren – ohne Pandemie – würde Klappenberger jetzt an einem aufwendigen Blumenteppich vor der Stadthalle arbeiten. So muss er sich mit einem wesentlich kleineren Teilstück auf der Marktstraße begnügen. „Was zählt, ist am Ende das Gesamte“, findet Klappenberger. Und dieses Gesamte, das sich auf der Straße hinziehende Pflanzenband, das sehe doch schon ganz gut aus.

Nikolaus Klappenbergers Ornament nimmt allmählich Form an.
Nikolaus Klappenbergers Ornament nimmt allmählich Form an. | Bild: Jörg Büsche

Was auch Tobias Andil findet. „Ich bin zwar evangelisch“, erklärt er. Als Mitglied des Trachtenvereins sei das Mitwirken am Festtagsschmuck für ihn aber eine Selbstverständlichkeit – ein „schönes Beispiel für gelebte Ökumene“, sagt er weiter. „Hauptsache, den Leuten gefällt es – und vielleicht bringt es ja den einen oder anderen zum Nachdenken. Ein „starkes Zeichen“ hat Pfarrer Hund das Allerheiligste genannt, wenn es durch die Straße getragen wird. Für die Blumenteppiche in der Stadt gilt das wohl genauso.

Auch die Markdorfer Jugend hält an der Tradition fest – hier legt Rosalie Blüten.
Auch die Markdorfer Jugend hält an der Tradition fest – hier legt Rosalie Blüten. | Bild: Jörg Büsche