Die Tonne dient als Briefkasten. Sie grellgelb und steht mitten auf dem Latscheplatz, in starkem Kontrast zum sanften Blau des Gebäudes daneben. „Jedes Jahr eine Tonne weniger“ prangt in fetten weißen Buchstaben auf dem Stahlzylinder. Leon Beck von der Gruppe Klimaplan Markdorf erklärt die Bedeutung. „Derzeit verursacht jeder Bundesbürger im Jahr etwa zehn bis elf Tonnen Treibhausgase, also CO2-Ausstoß.“ Das gelte also auch für jeden Markdorfer. Nun habe der Gemeinderat beschlossen, dass die Stadt bis 2035 klimaneutral werden soll, damit die Pariser Klimaziele erreicht werden. „Uns bleiben also noch zwölf Jahre“, rechnet Leon Beck vor. Um das angestrebte Klimaziel zu erreichen, müsse jeder Markdorfer seinen jährlichen CO2-Ausstoß um eine Tonne drosseln.

Kleidung als Klimakiller

So klar das Ziel, so schwierig ist der Weg dorthin. Deshalb wendet sich Klimaplan Markdorf an die Bürger. „Solaranlagen auf dem Dach, Umsteigen auf E-Mobilität beziehungsweise auf öffentliche Verkehrsmittel, Verzicht aufs Fliegen“ nennt Silja Beck, Mitbegründerin der Gruppe, Beiträge zur Treibhausgasvermeidung. Die seien inzwischen bekannt. Schon weniger wüssten, wie viel CO2 sich in der Küche einsparen lasse. „Wenn man beim Einkaufen auf regionale Produkte achtet, überhaupt auf eine saisonale Ernährung.“

Zum Klimakiller kann auch Kleidung werden, erklärt Silja Beck, und kommt auch auf Blumenerde. Torfabbau zerstört die Moore und setze das in den Mooren gebundene CO2 frei. „Dabei gibt es Alternativen, Rindenhumus, Kompost.“ Der Verzicht auf Torf im Garten oder im Blumentopf sei schon ein Schritt zum Klimaschutz. „Und wir sammeln in unserer Klimatonne weitere Anregungen, was die Markdorfer tun können, um CO2 zu sparen“, erläutert Silja Beck.

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Außerdem aber fragen die Klimaplaner auf Zetteln, die auf der Tonne kleben: „Wo können Sie sich vorstellen, mit uns aktiv zu werden?“ Ob ihnen die Klima-Aktivisten von Lützerath beziehungsweise die Protestkleber auf Straßen und in Museen da nicht unliebsamen Gegenwind bescheren? „Sicher“, antwortet Bennet Handtmann, „die Atmosphäre ist im Moment aufgeladen.“ In Markdorf wolle man sich aber nicht beirren lassen. „Wir arbeiten kooperativ mit der Verwaltung, wir verfolgen einen konstruktiven, aber konsequenten Ansatz.“ Die Akteure hoffen auf eine breite Unterstützung in der Stadt. Bürger können noch bis zum 29. Januar ihre Anregungen in die gelbe Tonne werfen.