25 Szenen und 36 Rollen für nur neun Schauspieler. Das klingt nach einer großen Herausforderung. Was es schließlich auch ist: das neue Stück, mit dem die Markdorfer Theatergruppe „kreuz & quer“ am Freitag, 30. September Premiere feiert. Gespielt wird in der Stadthalle, wo unterdessen auch schon geprobt wird – für die Komödie „Currywurst mit Pommes“. Frei nach dem Stück von Frank Pinkus und Nick Walsch, wie es im Programmblatt heißt.

„Ok?“ ruft Regisseur Harald Eilers in die Dunkelheit, „alle fertig?“ Die Schauspieler haben die Kulisse längst komplettiert. Das Spiel kann beginnen. Zu sehen ist eine Imbissbude, deren Preistafel noch nicht anzeigt, was Limonade, Bier und die Speisen kosten. Fertig ist das Ensemble schon mit dem Zurrechtlegen der Kostüme. Denn wenn bis zu fünf Personen gespielt und dargestellt werden sollen, ist das Umziehen keine Kleinigkeit, jeder Griff muss sitzen. Damit der Wechsel von der jungen Schauspielschülerin zur Lehrerin, zur Nonne und wieder zur Schauspielerin geschwind verläuft.

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„Sigurt kommt von hinten“, weist Regisseur Eilers an. Sigurt Häusler spielt im Stück den Herbert. Der singt und schlurft ganz gemächlich zur Bühne. Ein Mann, der schon bessere Zeiten gesehen hat, abgerissen, ein speckiges Basecap über den langen Haaren und ein wenig müde von der Nacht unter der Trauerweide im Park. Er ist der allererste Kunde der „Hansi-Bar“. So heißt der Imbissstand im Stück. Und der steht nicht irgendwo, sondern auf einem Rastplatz auf der Autobahn.

Die Bauarbeiter Thomas „Georgio“ Deusch und Birgit „Georg“ Zimmermann lassen sich ihr Frühstücksbier schmecken.
Die Bauarbeiter Thomas „Georgio“ Deusch und Birgit „Georg“ Zimmermann lassen sich ihr Frühstücksbier schmecken. | Bild: Jörg Büsche

Was insofern wichtig für die Dramaturgie ist, da es den Autoren die Möglichkeit bietet, ihr Stück in zahlreiche Kurzszenen zu zerschneiden. Momentaufnahmen, die zufällige Begegnungen zeigen. Momentaufnahmen auch, die Einblicke ins Leben von Familien bieten. Das Spektrum reicht vom der Mutter-Vater-Sohn-und-Großvater-Konstellation bis hin zu zwei Bauarbeitern, Giorgio und Georg.

Szenen sind nicht ausschließlich heiter

Die beiden schütten sich jeden Morgen ihr Frühstücksbier hinter die Binde – der Opa wird ins Altersheim abgeschoben, weiß aber noch nichts von seinem Unglück. Ausschließlich heiter sind die Szenen von „Currywurst mit Pommes“-Stück also nicht. Manches in der Komödie soll durchaus zum Nachdenken anregen, erklärt Harald Eilers.

Kornelia Fandel als „Penny“ und Sigurt Häusler „als „Herbert“ interessieren sich für Neues aus aller Welt.
Kornelia Fandel als „Penny“ und Sigurt Häusler „als „Herbert“ interessieren sich für Neues aus aller Welt. | Bild: Jörg Büsche

„Wir mussten reagieren“, erläutert der Regisseur den Hintergrund. Mit Beginn der Pandemie drohte das Ende des Ensembles. Das lebt von der Inszenierung von Theaterstücken. Doch ohne Auftritte keine Proben und ohne Proben reißt die Kontinuität ab. „Was vielen Laienensembles das Genick gebrochen hat“, berichtet Eilers, seit Jahren bestens vertraut mit der Theaterszene. Sein Anliegen war deshalb, fortzufahren mit dem Proben – und möglichst auch mit dem Spielen.

Wozu „Currywurst mit Pommes“ schon deshalb besonders gut taugt, da die einzelnen Szenen sich auch heraustrennen lassen. „Zur Not wären wir auch auf der Straße aufgetreten“, erklärt der Regisseur. Über hinreichende Straßentheatererfahrung verfügt das Ensemble schließlich. Inszeniert es doch seit Jahren die „Markdorfer Stadtgeschichten“, einen Rundgang durch die Lokal-Historie.